Mittwoch, 29. Dezember 2010

Opfer eigener Tüchtigkeit





Die Landwirtschaft zählt zu den Branchen mit den höchsten Produktivitätszuwächsen. Angesichts günstiger Lebensmittel freut das die Konsumenten, die Bauern freilich haben nichts davon. Sie sind Opfer ihrer eigenen Tüchtigkeit. Immer höhere Produktionsleistungen und immer niedrigere Preise halten sie in einer Abwärtsspirale fest.
Ihr zu entrinnen ist schwierig. Produktionsbeschränkungen, wie sie bei Milch gefordert werden, sind wenig realistisch. Die Erzeugung von Bioenergie und Industrierohstoffen aus Getreide oder Holz reicht gerade aus, die Preise nicht noch weiter abrutschen zu lassen. Und die Nischen, in denen sich die Bauern mit besonderer Qualität, mit Betonung von Regionalität und besonders umweltfreundlicher Produktion auf den Märkten abheben wollen, bleiben eben nur Nischen für wenige. Selbst bei Bioprodukten herrscht Preisdruck.

Den Schlüssel dafür, die Bauern aus dem Teufelskreis herauszubringen und den zuweilen mit Krokodilstränen beweinten Strukturwandel zu stoppen, haben andere in der Hand – Handel und Konsumenten. Die aber wollen meist nicht Preise zahlen, die die Bauern bräuchten – was sie aber nicht hindert, sich über Turbokühe zu mokieren.

Salzburger Nachrichten - Wirtschaft 29. 12. 2010

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