
Österreich
ist, das bestätigte erst in der Vorwoche wieder die Nationalbank, ein Land der
Sparer. Mit einer Sparquote von fast acht Prozent liegen die heimischen
Haushalte deutlich über dem Durchschnitt der Eurozone, wo sie 5,5 Prozent
beträgt.
Das
Sparbewusstsein scheint also trotz der niedrigen Zinsen noch intakt zu sein in
diesem Land. Zumindest von da her wären die Voraussetzungen gegeben, diese
Eigenschaft auch in anderen Bereichen zu nutzen. Denn Sparen muss ja nicht nur
heißen, Geld zu sparen, auf die Seite zu legen und sorgsam damit umzugehen.
Sparen kann auch bedeuten, umsichtig und nachhaltig mit den vorhandenen
Ressourcen umzugehen. Sparen als Lebenshaltung sozusagen und damit als
Schlüssel zur Lösung vieler Probleme, die unsere Gesellschaft umtreiben, vor
allem jener rund um das Thema Umwelt und Schonung der Ressourcen. Sparen for
future also, Sparen damit die Welt eine Zukunft hat. Und das nicht nur an
freitags.
Früher
war das aus wirtschaftlichen Gründen verbreitet, heute scheint es, wenn es nicht
gerade um das Sparen von Geld geht, sehr viel weniger anzutreffen zu sein, wenn
man liest, dass ein Drittel des Essens in der Tonne landet, wie viele
Autofahrten vermieden werden könnten oder wie sehr die Kleiderkästen übergehen
und die Schuhschränke. Oder wenn man die Warnungen vor dem allzu sorglosen
Umgang mit den Böden hört.
„Spart
ein Wirtschaftssubjekt, verbraucht es also weniger, als es verbrauchen könnte,
entsteht eine Leistungsreserve“, heißt es auf Wikipedia. „Diese
Leistungsreserve als Verzicht auf Verbrauchsmöglichkeiten kann zu künftigen
Investitionen oder Erhöhungen des künftigen Lebensstandards führen“. Genau das
ist es wohl, was die Welt dringend braucht. Jetzt sparen im Umgang mit
Ressourcen, um den künftigen Lebensstandard, wenn schon nicht zu erhöhen, so
doch abzusichern.
So
gesehen sollte Sparen wohl einer der zentralen Begriffe sein, wenn es darum
geht, mit den Herausforderungen der Zukunft zurechtzukommen. Und es erscheint
als eine passende und zentrale Antwort auf viele der Fragen, die unsere
Gesellschaft umtreiben. Die Haltung, die in unserer Zeit angebracht wäre, ein
Gebot der Stunde nicht nur wenn es ums Geld geht.
Hören
will man freilich nicht wirklich viel davon. Und sich damit auseinandersetzen
schon gar nicht. Und es ist wohl oft auch der Anreiz, der oft fehlt. Es wird
nicht unmittelbar erkennbar, warum es lohnen würde, da und dort zu sparen, mit
den Ressourcen im wahrsten Sinn des Wortes „sparsamer“ umzugehen. Strom zu
sparen oder Treibstoff, Essen gezielter einzukaufen oder Gewand und Schuhe oder
auf das eine oder andere doch zu verzichten, statt es noch einzupacken und
heimzutragen. Deshalb bleibt es meist allerorten nur bei Vorsätzen und
Absichtsbekundungen. Zumal, weil man es sich leisten kann und kaum finanzieller
Druck zum Sparen zwingt.
Es
ist dabei nicht anders, wie beim Geld. Dort macht es die Niedrigzinspolitik
seit Jahren schwer, Bedeutung und Sinn von Sparen greifbar zu machen und zu
verdeutlichen. Da ist es nur logisch, dass es in anderen Bereichen nicht anders
ist, wenn keine Erfolge und keine Wirkungen zu sehen sind.
Dass
die Österreicherinnen und Österreicher dennoch immer noch zu den Sparsamen
zählen, und das Sparen trotz der niedrigen Zinsen immer noch in hohem Ansehen
steht, könnte also eigentlich Hoffnung geben. „Du musst sparen, damit du etwas
auf der Seite hast, wenn du etwas brauchst“, bekommt nach wie vor jeder und
jede in diesem Land quasi mit der Muttermilch eingeflößt, wie dieser Tage ein
Kommentator schrieb. Viele, vor allem jene, die hartnäckig am Sparbuch
festhalten, nähmen bewusst sogar reale Verluste in Kauf. „Es ist ihnen
wichtiger, für den Fall des Falles über Kapital zu verfügen“.
Die Grundlagen wären also vorhanden, den Sparbegriff zu erweitern und damit auch in anderen Bereichen, zumal in jenen, in denen man sich Sorgen um die Umwelt macht, zu Erfolgen zu kommen. Es ginge nur darum, dort ein ähnliche Bewusstsein und eine ähnliches Überzeugung, wie beim Geld zu erzeugen.
Am
besten so eines, wie es auch am Sparbuch festhalten lässt. Eines, das es
wichtiger erscheinen lässt, auf etwas zu verzichten, um für den Fall des Falles
vorzusorgen.
Meine Meinung - Raiffeisenzeitung, 31. Oktober 2019