
War’s das jetzt mit dem Klimaschutz? Ist das der Freibrief für die Regierungen rund um die Welt? Sind die Ziele, die man sich setzte, noch ein Thema? Trump hat vorige Woche die Büchse der Pandora aufgemacht, als er ankündigte, dass die USA CO2 nicht mehr als Klimaschadstoff betrachten. Er trifft rund um den Erdball nicht nur auf Ablehnung, er trifft auch auf viel Verständnis und Erleichterung. Denn die Stimmung ist längst gekippt. In den Industriestaaten vor allem, aber auch in den meisten anderen Weltregionen.
Vielfach ist man bereits von den ehrgeizigen Zielen, denen sich Regierungen in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten verschrieben haben, abgerückt. Engagierte Projekte wurden allerorten eingemottet. Erstickt von wirtschaftlichen Notwendigkeiten, von Bürokratiemonstern, die in ihrem Ehrgeiz alles zu lähmen drohten, aber auch und vor allem wohl, weil die Menschen nicht mehr folgen konnten und wollten. Nicht nur die EU rückte vom Green Deal ab, legte geplante Verordnungen auf Eis oder mottete sie gleich ein. Auch in anderen Regionen wurden Pakete wieder aufgemacht. Die Skeptiker, die Mahner, die Leugner des Klimawandels scheinen nun endgültig, befürchten nicht wenige, Oberhand zu bekommen.
Spätestens seit Trump fragt man sich allerorten – was bleibt von den Bemühungen, das Klima zu retten? Ist die Klimapolitik tot? Oder ist doch noch etwas zu retten? Noch scheint es nicht zu spät. Denn abseits von Trump gibt es immer noch so etwas wie Vernunft. Es ist ja nicht so, dass es kein Verständnis gibt für Maßnahmen, um das Klima zu retten. Im Gegenteil. Aber viele kamen mit dem Übereifer, der zuweilen um sich griff, immer weniger zurande und auch damit, dass sie mit ihren Sorgen keinerlei Gehör fanden und sich übergangen fühlten. Die Ziele waren möglicherweise allzu ambitioniert. Aber auch, dass die Lasten unterschiedlich verteilt waren, sorgte für Unmut.
Die Landwirtschaft, aber auch die Industrie sind prototypisch dafür. Der Bogen reicht vom Green Deal mit all seiner kaum nachvollziehbaren Bürokratie inklusive Auflagen bis hin zu CO2 Bepreisung, die vielen Wirtschaftszweigen just in schwierigen Zeiten noch einen Extra Ballast umhängt.
Aber nicht nur in diesen beiden Bereichen der Wirtschaft, die sich gegenüber anderen Bereichen wie etwa dem Verkehr zudem benachteiligt sahen, ist viel falsch gelaufen. Zu oft ist man auf dem hohen Ross gesessen, hat Einwände nicht hören wollen und sich der Sorgen nicht angenommen. Viel zu wenig hat man sich darum gekümmert, die Menschen ins Boot zu holen. Stattdessen hat man viel zu oft schnell abgekanzelt und für verantwortungslos erklärt, wer Zweifel formulierte. Von oben herab und ohne viel Rücksichtnahme. Selbst auf einfache Fragen hat ihnen niemand je Antworten gegeben, die für sie nachvollziehbar sind.
Nicht auf die einfache Frage, was es dem Weltklima nützt, wenn sich Österreich oder selbst Europa kasteien, wenn direkt neben uns, in der Ukraine, Krieg geführt wird, wenn sich Länder wie Russland um nichts scheren und wenn der CO2 Ausstoß Chinas ein Vielfaches beträgt. Schon gar nicht gab es Antworten auf komplexere Fragen zu Zusammenhängen und Abhängigkeiten oder auf Zweifel, die immer wieder aufkamen und aufkommen. Im Klima der vergangenen Jahre, das rund ums Klima entstanden ist, hatte man keine Chance damit. Damit aber legte man die Saat dafür, dass man nun rund um den Globus Trump versteht und ihm zuweilen regelrecht dankbar applaudiert – und es ihm wohl auch nachmacht.
Wie tot aber ist der Klimaschutz wirklich? Oder hat die Vernunft doch noch eine Chance, eine Vernunft der Art, wie sie unser Umweltminister nicht nur bei uns, sondern auch in Brüssel einmahnt? Er redet praxisnahen Lösungen das Wort, er will nichts übers Knie brechen und fordert realistische Umsetzungsschritte, die die Bevölkerung mitnehmen. Er will der Vernunft Raum geben. Freilich kann man sagen, das sei angesichts der Bedrohung zu wenig. Dass uns das aber nicht wirklich weiterbringt, sondern der gute Wille ins Gegenteil kippt, muss man nun erkennen. „Weniger ist mehr“ ist vielleicht doch „mehr“.
Die Stimmung wieder einzufangen und den Klimaschutz in effektive Bahnen zu lenken, damit er von allen getragen wird, wird eine herkulische Aufgabe. In den politischen Konstellationen, wie wir sie derzeit rund um den Globus sehen, ist das schwer vorstellbar. Es gibt aber keine Alternative, dazu einen Weg zu finden.
Meine Meinung - Raiffeisenzeitung, 26. Februar 2026
