
So weit hat sich noch keiner verstiegen wie dieser steirische FPÖ-Nationalrat mit Namen Leinfellner. Was mit Bildern von Politikern begann, die Adventkerzen anzünden und verbunden mit den zugehörigen Wünschen auf ihren Social Media-Kanälen veröffentlichten, hat der FP-Politiker, der vor allem durch das Zitat "Menschen, die Schweinefleisch essen, neigen weniger dazu sich in die Luft zu sprengen" auffiel, in neue Dimensionen geführt. "Ich wünsche Ihnen einen schönen Feiertag", postete er zu Christi Himmelfahrt auf Facebook ein Bild, das eine schwebende Christus-Figur in wallenden Gewändern vor blauem Himmel mit dunklen Wolken und mit Blick nach oben zeigt. Die Hände dieser Figur sind nach oben hin ausgebreitet, just dorthin, wo auf dem Bild das FPÖ-Logo drapiert ist. Kitschiger geht nicht. Und anmaßender wohl auch nicht. "Blasphemisch" hat jemand drunter geschrieben.
Der steirische Politiker macht so etwas nicht zum ersten Mal. Bereits vor wenigen Wochen bebilderte er seinen Post mit dem Slogan "Werte bewahren am Karfreitag" mit dem in dramatischem Licht gehaltenen Bild eines Kreuzes.
Aber hier soll nicht Thema sein, wie es die Freiheitlichen mit der Kirche halten und wie viel Kreide sie fressen, um von den Christen Stimmen zu bekommen. Hier soll die Scheinheiligkeit Thema sein, die unseren Umgang zunehmend zerfrisst. Die Scheinheiligkeit und das Interesse, die uns vorgespielt werden, um an unsere Wählerstimmen, aber auch, und damit sei die Wirtschaft vom Stromlieferanten bis zum Wirt ums Eck einbezogen, an unser Geld zu kommen.
Man macht den Leuten immer öfter vor, was einer genaueren Prüfung nicht standhält, schon gar nicht den Erwartungen, die man damit weckt. Man spielt ihnen Interesse vor, wo in Wahrheit eigentlich keines ist -außer dem an ihren Wählerstimmen oder an ihrem Geld. Man spielt Respekt vor, wo allenfalls höfliche Distanz ist. Und man gibt sich freundlich, wo eigentlich keine Freundlichkeit ist. All das hat in der Regel nichts mehr von ursprünglicher Authentizität und vermittelt immer seltener den Eindruck, dass es von Herzen kommt und ein Anliegen ist. Was Interesse und Freundlichkeit zeigen soll, wirkt viel eher oft wie ausgedacht von irgendwelchen Beratern, auf dem Reißbrett entstanden und als Marketing-Instrument ausgebaut bis ins Detail -und nicht, weil es ein Anliegen ist. Oft ist es nicht mehr als eine maschinengesteuerte Freundlichkeit, entstanden in Computern und angelernt in Kursen, die sich schnell als heiße Luft erweist und sonst nichts. Seelenlos und oft nichts als berechnend. Längst durchzieht die Art von "Freundlichkeit" das Land, das sich seiner Freundlichkeit so gerne rühmt, bis in den letzten Winkel. Die Beispiele sind zahllos. Das beginnt bei Politikern, die heute nicht mehr einfach sagen, dass sie wo dabei waren oder etwas eröffnet haben, sondern nur mehr anbiedernd davon reden, dass sie "dabei sein durften" oder "eröffnen durften", und dabei längst übersehen, dass das nicht mehr als eine hohle Phrase ist.
Am besten erkennt man solche Konstrukte, wenn der Störfall eintritt. Reagiert man nicht wie erwartet, oder läuft gar etwas schief, dann ist schnell Schluss mit lustig. Sagen Sie in einem Restaurant auf die Frage, "Hat es Ihnen eh geschmeckt?" einmal wirklich, was Sie meinen, wenn das mit dem "Schmecken" nicht ganz so toll war, schnell werden Sie meist erkennen müssen, dass das mit der Freundlichkeit doch nicht ganz so ernst gemeint war. Und das nicht nur dort.
Diese Entwicklung ist wohl nichts anderes als Ausdruck der Beziehungslosigkeit und auch Gleichgültigkeit und allenfalls des geschäftlichen Interesses, die sich allerorten breitgemacht haben. Es fehlt das Herz und es lässt die Ehrlichkeit vermissen. Es ist aber auch oft ein Zeichen des Überfordertseins und der Hilflosigkeit. Bei Politikern am Rednerpult genauso wie bei der Kellnerin im Restaurant, die ohne ein "Tut mir leid" mit finsterem Gesicht die Teller abserviert, wenn man nicht sagt, was erwartet wurde.
Kommendes Wochenende ist Pfingsten, das Fest des Heiligen Geistes. Man wünscht sich, dass der auf all jene niedergeht, die mit ihrer seelenlosen Art von Freundlichkeit Politik und Geschäft machen. Und man wünscht sich das vor allem für die, die daraus auch noch blasphemische Bilder machen.
Meine Meinung -Raiffeisenzeitung, 21. Mai 2026
