
In Oberösterreich sorgte dieser Tage eine Geschichte in den OÖ Nachrichten insbesondere bei den Bauern für beträchtliches Aufsehen. Unter dem Titel "Putins Sprachrohr auf dem Welser Acker", zeigte Gerald Mandlbauer auf, wie sich führende Funktionäre eines Bauernverbandes, der das Wort "unabhängig" im Namen führt und die auch in der Vollversammlung der oö. Landwirtschaftskammer sitzen, vom russischen TV-Sender Rossija 1 bereitwillig benutzen und vorführen ließen. "Das ist die Giftpolitik Brüssel" schimpften sie über die EU-Agrarpolitik ins Mikrofon des Senders, der als Putins Sprachrohr in Europa gilt. Sie richte sich nicht gegen die Ukraine, nicht gegen Lateinamerika, sondern "gegen uns". Bei der aktuellen politischen Lage könnten "bald alle österreichischen Höfe schließen", meinte der eine, während mit dem Bild des anderen die Aussage unterlegt wurde, dass die EU "die Bauern mäht" und alles tue, damit die ukrainischen Bauern gedeihen. Damit nicht genug. "Die Schädlinge aus Brüssel haben uns auch das Gas abgedreht", heißt es da.
Man staunt. "Ist das Naivität oder gezielte Agitation?" fragt Mandlbauer, der ehemalige Chefredakteur und nunmehrige Chefkommentator der OÖN. Es ist wohl beides -und auch Zeichen dafür, wohin aufgeblasene Wichtigtuerei führen kann. Und nicht nur das. Es ist auch Beleg dafür, dass das, was als "Informationskrieg" seit Jahren für Aufregung, Verunsicherung und wachsende Besorgnis sorgt, längst auch die "kleine Politik" erreicht hat. Längst geht es auf dieser Ebene nicht mehr nur um Corona-Schwurbler, die sich zum willfährigen Vehikel gesteuerter Interessen an Stamm-und Wohnzimmertischen machen ließen.
Aus der Politik kennt man das bisher eher aus den oberen Etagen. Von der FPÖ und von Kickl, von der AfD in Deutschland oder bis vor kurzem auch vom ehemaligen ungarischen Ministerpräsident Orbán. Dort stehen viele seit Jahren in Verdacht, "Putins Sprachrohr im Westen" zu sein. Der "Informationskrieg", die gezielte Manipulation von Informationen und Medien, um Politik, öffentliche Meinung und Wirtschaft zu beeinflussen, ist längst gefürchtete Waffe geworden. Deutungshoheit bei Themen, Destabilisierung politischer Verhältnisse und die Spaltung der Gesellschaft stehen dabei als Ziele ganz oben. Fake News, Desinformation und Propaganda sind die Mittel der Wahl, um Meinungen, Stimmung und Wahlen in fremden Ländern zu beeinflussen. Auch wenn Russland als Hauptverdächtiger im Informationskrieg gilt und als besonders stark, ist diese Art der Kriegsführung auch anderen Staaten durchaus geläufig. Was den Russen die "Trolle" sind, also echte Menschen oder künstlich generierte Bots, deren Ziel es ist, Desinformation vorwiegend über Social Media zu verbreiten oder öffentliche Diskussionen zu manipulieren, sind anderswo Algorithmen. Die sind vor allem bei den großen US-amerikanischen Informations-und Kommunikationsplattformen Facebook, X und Google, aber vor allem auch bei TikTok und Instagram das Mittel der Wahl, um Information und vor allem auch Konsumverhalten zu steuern.
Man scheut sich aber auch nicht, ganz offen und unverblümt zu versuchen, das politische Meinungsklima außerhalb der USA zu beeinflussen. Im Vorjahr sorgte international für Empörung, als X-Chef Elon Musk persönlich Alice Weidel, die Chefin der deutschen AfD, vor der Bundestagswahl auf X interviewte und ihr damit eine riesige Plattform verschaffte. Und auch innerhalb der USA ist man nicht zimperlich. Trump betreibt mit Truth Social seine eigene Info-Plattform und versteht die Medien vor allem als Instrument, ihn in bestem Licht erscheinen zu lassen. Medienfreiheit ist in den USA dabei zu einem Fremdwort geworden, zumal Trumps Methoden nicht zimperlich sind.
Zugegeben, es ist mühsam geworden, sich verlässlich zu informieren in unserer Zeit. Aber es ist immer noch möglich wie kaum sonstwo auf der Welt. Auch wenn man auch dort zuweilen von der Rolle des um Objektivität bemühten Beobachters in jene eines Beteiligten mit Interessen schlüpft, sind es nach wie vor die klassischen Medien und die klassischen - meist öffentlich-rechtlichen -Rundfunk-und Fernsehanstalten, Verlagshäuser und Zeitungsund Zeitschriftentitel, die es möglich machen.
Das schützt nach wie vor zuverlässig davor, zu Putins oder Trumps "Sprachrohr" oder Musks oder Zuckerbergs Opfer zu werden.
Meine Meinung - Raiffeisenzeitung, 11. Juni 2026
