
Und das ist keine vierzig Jahre her. 30 Grad als Rekordtemperatur im Sommer. Wie gerne hätten wir die heute, wo uns seit Wochen Temperaturen um die 40 Grad quälen. Mit allen Folgen. Brunnen vertrocknen und Bäche auch. Felder und Wiesen sind dürr und braun. Bauern geht das Futter für die Tiere aus. Selbst für die Wirtschaft und die Stromversorgung ist die Hitze längst zur Gefahr geworden. Dabei waren wir immer so stolz drauf, das "Wasserschloss Europas" zu sein, mit Vorkommen an bestem Grund-und Quellwasser ohne Ende.
Dass wir nun in solchen Kalamitäten stecken, konnte und wollte sich nie jemand vorstellen. Heute ist Österreich Hitzepol Europas. Und alle stöhnen. Mit Kälte können wir umgehen, mit Hitze nicht. Da müssen wir noch viel lernen. Im Streit um die große Klima-und Umweltpolitik, wo zweifellos die Zeit immer drängender wird, hat man darauf wohl vergessen. Schließlich soll und muss die Welt ja doch noch überleben, bis diese Maßnahmen greifen.
Man reagiert aber, wie anders, sehr österreichisch. Aussitzen scheint allerorten die Devise zu sein. Nicht einmal ein Krisenprogramm gibt es, sieht man davon ab, dass vielerorts die Feuerwehren die Wasserversorgung von Haushalten übernommen haben. Aber sonst? Die Bauernvertreter wurden aus dem Urlaub aufgeschreckt und bemühen sich derzeit mehr schlecht als recht, den Bauern mit vagen Ankündigungen zur Seite zu stehen. Der Landwirtschafts-und Umweltminister wird neuerdings kaum mehr ohne das wenig schmeichelhafte Wort "unsichtbar" in den Medien genannt. Mehr als Verweise auf seit langem diskutierte Pläne wie das Klimagesetz, die Anpassung von Klimaschutzmaßnahmen oder dass man sich "bemühe", gibt es nicht. Aja -und im Ministerrat wurde vorige Woche ein Hitzeschutzplan verabschiedet. Heuer wird man davon wohl nichts mehr spüren.
Schon gar nicht ist etwas von schnell wirksamen Maßnahmen zu sehen, die den Menschen in Städten, in Spitälern, in Altersheimen, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder anderswo akut Linderung verschaffen. Nicht einmal für den Einbau von Klimaanlagen gibt es rasche Lösungen. Und wo sind in den Städten Angebote gegen die Hitze? Trinkwasserspender? Kühlsprinkler? Gar nicht zu reden von Sprinklerflächen, wie es sie in südlichen Ländern gibt.
"Wird schon wieder kühler", scheint allerorten die Devise zu. Und "Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner", bleibt das Motto der Wahl. Da nimmt nicht wunder, dass dieser Tage eine besorgte Tochter in Wien ihre hochbetagte Mutter in ein anderes Spital verlegen ließ, weil es im Zimmer 39 Grad hatte.
"Die Politik unternahm kaum Anstalten, um das Land und seine Wirtschaft nachhaltig in eine klimafreundliche Zukunft zu steuern", ätzt der deutsche "Spiegel". Dass sich das ändern muss, zeigte dieser Sommer. Die Themen und Probleme werden immer drückender. Eines von vielen ist der Arbeitsschutz bei Hitze. Verfolgt man die Diskussion darüber, könnte man glatt auf die Idee kommen, dass Unternehmen in Zukunft möglicherweise ihr Personal, so wie im Winter auch, immer im Sommer beim Arbeitsamt parken, weil es keine Lösungen gibt. Schulen, Spitäler und Altersheime sind sowieso Entwicklungsgebiet. Und was machen die Landwirtschaft und der Tourismus?
Die Hitzewelle geht irgendwann zu Ende. Und damit steht zu befürchten, dass all die recht kriegen, die aufs "Aussitzen" gesetzt haben. Dann wird man wieder in die alten Muster zurückkehren. Und froh sein darüber.
So wie man schon jetzt vielerorts froh zu sein scheint, dass man endlich ein Sommerthema hat, das das Hitzethema ablöst -nämlich, dass sich der Bundeskanzler mit seiner unseligen Formulierung zur Familienarbeit der Frauen in die Nesseln gesetzt hat.
Die Diskussion über dieses Thema ist auch hitzig. Aber sie lenkt dennoch vom Hitzethema ab.
Meine Meinung - Raiffeisenzeitung, 13. August 2026
