Hoher Dieselpreis und viel Platz für Photovoltaik: Elektromobilität ist auch in der Landwirtschaft längst ein großes Thema. Was der E-Traktor schon alles könnte – und wo es sich spießt.
Hans Gmeiner
Wels. Der hohe Preis für Diesel auf der einen Seite und die niedrigen Einspeisetarife für Strom auf der anderen Seite wären eigentlich die idealen Voraussetzungen. Für den Tadus, einen reinen E-Traktor, den ein bayerisches Start-up in den vergangenen eineinhalb Jahren auf die Räder stellte, ist es allerdings noch etwas zu früh. „Aber wir sind auf dem richtigen Weg“, sagt Martin Anzengruber, Professor an der HTL in Ried, der auch an der Fachhochschule in Wels unterrichtet. Er arbeitete an der Entwicklung des Traktors und an den Praxistests mit. Der Traktor mit den vier gleich großen Rädern ist so etwas wie die „Eier legende Wollmilchsau“. Er funktioniert sowohl als Arbeitsgerät auf den Feldern als auch als mobiler Stromgroßspeicher für die Versorgung von Stromverbrauchern auf dem Bauernhof wie etwa Melkanlagen. Dafür sorgt ein Energiemanagementsystem, das Photovoltaik-Überschüsse optimal nutzen soll. „Der Tadus ist das Herzstück unseres Projekts ‚Der energieeffiziente Bauernhof‘“, sagt Anzengruber. „Und er funktioniert.“
„E-Mobilität ist in der Landwirtschaft ein großes Thema“
Mit 160 PS, einer Batteriekapazität von 196 kWh, einer Einsatzzeit von bis zu acht Stunden, stufenlosem Getriebe und einer Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h soll der Traktor noch heuer in Vorserienproduktion gehen. Die Batterien sind auswechselbar und ermöglichen damit einen Dauerbetrieb des Traktors. Der Tadus sei prädestiniert für Grünland- und Bergarbeiten, für Frontladerarbeiten und für Pflege- und Hofarbeiten, wirbt der Hersteller. „Das geht wirklich perfekt“, sagt Anzengruber, unter dessen Verantwortung Praxis-Verbrauchswerte und entsprechende Kennzahlen ermittelt wurden. „Für leichte Arbeiten braucht man für einen Hektar deutlich weniger als 10 kWh.“ Auch Mäharbeiten, leichte Bodenarbeiten und selbst das Pressen von Heu- und Strohballen oder der Antrieb eines Futtermischwagens sind für den Tadus kein Problem.
Das bayerisch-oberösterreichische Projekt ist in seiner Konzeption einzigartig. „E-Mobilität ist auch in der Landwirtschaft ein großes Thema, ganzheitliche Konzepte wie beim Tadus gibt es aber kaum“, sagt Anzengruber. Auf den Höfen gibt es bisher aber allenfalls E-Hoflader für kleinere Arbeiten. „Alle großen Traktorenhersteller haben etwas im Talon, aber sie widmen sich dem Thema eher lustlos“, wundert er sich.
„Pioniergeist wird es in jedem Fall brauchen“
Der Preis ist auch beim Tadus ein Thema. Offiziell gibt es noch keinen, man geht aber davon aus, dass der Traktor deutlich mehr kostet als ein konventioneller Dieseltraktor. Anzengruber ist dennoch zuversichtlich. „Der Tadus ist für Bauern mit großen PV-Anlagen und Stromüberschüssen durchaus ein Thema, die Betriebsstunden sind deutlich billiger, zudem wird es auch Förderprogramme geben.“ Er gibt aber zu: „Pioniergeist wird es in jedem Fall brauchen.“
Das Lenkrad muss man nicht mehr in die Hand nehmen
Davon gibt es in der Landwirtschaft auch abseits der E-Mobilität reichlich. Die Landtechnik ist im Umbruch. Das Tempo ist zuweilen atemberaubend. Elektronische Steuerungen sind bei den Geräten Standard, der Großteil der Traktoren ist mittlerweile mit GPS-gesteuerten Lenksystemen ausgestattet, die den Traktor zentimetergenau steuern, ohne dass der Fahrer das Lenkrad in die Hand nehmen muss. Digitalisierung ist einer der großen Trends. Für die Überwachung und Analyse werden überall Apps eingesetzt. Drohnen werden zur Ausbringung von Saatgut und Düngern genutzt, in Wäldern werden damit in unwegsamem Gelände Baumsamen ausgebracht.
Zunehmend setzt man in der Landtechnik auch auf künstliche Intelligenz. „In allen Bereichen wird herumprobiert“, sagt Claudia Probst von der FH Wels. Am weitesten ist man in der Innenmechanisierung und in der Tierhaltung. „Dort ist man weit voraus, vor allem geht es um Themen wie Brunsterkennung oder Tiergesundheit.“ Aber auch bei der Pflanzenerkennung, etwa bei Pflanzenschutzgeräten, wird KI eingesetzt. „Damit wird das sogenannte Spot-Spraying ermöglicht, also die punktgenaue Applikation des Pflanzenschutzmittels auf eine Unkrautpflanze“, so Probst. Das erspare große Mengen an Spritzmitteln und schone damit die Umwelt.
Der Roboter im Gemüsefeld
Immer öfter – vor allem in Spezialkulturen wie Gemüse – sind Roboter zu sehen, die die Arbeit erledigen, die ansonsten entweder nur mit Pflanzenschutzmitteln oder durch mühsame Handarbeit erledigt werden konnte. Gesteuert von Kameras können sie Unkraut erkennen und entfernen.
Ihr großer Nachteil ist – neben dem Preis –, dass sie nicht selbst fahren können, sondern zu den Feldern transportiert werden müssen. Große Traktorenhersteller wie Fendt, die auf dem Markt Fuß fassen wollten, haben das Feld nicht zuletzt deshalb längst Spezialherstellern überlassen.
Selbstfahrende Traktoren nicht für die Straße zugelassen
Dieses Transportproblem haben auch autonom fahrende Traktoren, die die großen Hersteller gern in die Auslage stellen. Sie sind in Europa im Straßenverkehr nicht zugelassen und bleiben wohl Zukunftsmusik, meinen Kenner der Szene wie Martin Anzengruber.
Er sieht einen Trend in eine andere Richtung. „Wir gehen zu Großtraktoren mit automatisierten, hochintelligenten Anbaugeräten“, glaubt er. „Die Traktoren werden über GPS gesteuert, die Anbaugeräte über Kameras.“ Mit herkömmlichem Traktorfahren hat das nur mehr wenig zu tun. „Der Fahrer wird zum Maschinenbeobachter, der Arbeitsprozess selbst wird voll automatisiert“, sagt Anzengruber. Wo bleibt da der Bauer? „Der muss das Ganze managen“, sagen Anzengruber und Probst. „Man braucht bei aller Technik immer noch jemanden, der am Feld steht und Boden und Pflanzen beobachtet. Denn all die Technik bleibt nur Hilfsmittel.“ Und wenn der nicht zu den Großen zählt? „Die kleinen Betriebe können davon besonders profitieren, weil die neuen Technologien Anpassungen erleichtern“, antworten die beiden Experten unisono.
Salzburger Nachrichten - Wirtschaft, 11. April 2026

