
Erleichterungen bei den Lohnkosten für Saisonarbeiter fordert die Branche seit Langem.
Hans Gmeiner
Salzburg. Seit Jahren klagen die heimischen Gemüsebauern wegen hoher Lohnnebenkosten über Wettbewerbsnachteile auf dem Markt. Außer Versprechungen und Vertröstungen auch von höchsten Stellen gab es freilich wenig für sie. Verbesserungen wurden bisher immer verhindert. „Wir haben es satt“, nimmt sich Stefan Hamedinger, Geschäftsführer des Gemüsebauernverbandes in Oberösterreich, kein Blatt vor den Mund. Auch der Branchenverband Obst und Gemüse forderte erst kürzlich in einem Schreiben an Finanzminister Markus Marterbauer sozialversicherungsrechtliche Erleichterungen für Saisonarbeitskräfte, „um mehr Netto vom Brutto ermöglichen zu können“.
Lohnnebenkosten machen bis zu 50 Prozent der Gesamtkosten aus
„Ständig wird über die höheren Lebensmittelkosten geklagt und bei uns stellt man auf stur, wenn wir Entlohnungsmodelle, wie sie in Bayern und Südtirol üblich sind, fordern“, beklagt Hamedinger. Dort gibt es Modelle, die die speziellen Verhältnisse und Anforderungen im Gemüse- und Obstbau berücksichtigen. Die Lohnnebenkosten insbesondere für Saisonarbeitskräfte seien dort deutlich niedriger. „In vielen europäischen Ländern hat man erkannt, dass man Gemüsebauern und Produzenten von Spezialkulturen, die besonders handarbeitsintensiv sind, entgegenkommen muss.“ In Deutschland etwa bekommen die Saisonarbeitskräfte dank der Sonderregelungen laut Hamedinger mindestens 13,90 Euro pro Stunde. „Unsere Bauern können wegen der hohen Lohnnebenkosten nur neun Euro zahlen, weil bisher nichts geschehen ist.“ Er will nicht akzeptieren, dass Politik und Sozialpartner weiter wegschauen. „Für die Schwerindustrie und andere gibt es Energie- und Stromkostenzuschüsse, für die Landwirtschaft gibt es diesbezüglich bei den Arbeitskosten nichts.“
Bei manchen Gemüsearten machen die Lohnkosten mehr als 50 Prozent der Gesamtkosten aus. Da wächst sich die Differenz bei den Löhnen schnell zu einer drückenden Last im Wettbewerb aus. Pro Hektar Salat beziffern die Gemüsebauern die Mehrkosten mit rund 4000 Euro. Bei Einlegegurken betrage der Nachteil wegen der höheren Arbeitskosten sogar 14.000 Euro pro Hektar. Da verwundert es nicht, dass der Druck aus dem Ausland auf die Gemüsebauern beständig wächst. So ist etwa in Oberösterreich seit dem EU-Beitritt der Marktanteil bei Einlegegurken von 80 auf heute 50 Prozent gesunken. Auch bei frischem Gemüse wie Spargel werden bereits zwei Drittel importiert. Selbst Salat kommt immer öfter aus dem Ausland. Seit Jahren sinkt der Selbstversorgungsgrad.
Bierradi verschwand in Österreich ganz
Verschärfend zu den höheren Arbeitskosten kommt die in Österreich besonders strenge Auslegung der Regeln für Pflanzenschutzmittel hinzu. Während man in Bayern und anderen Ländern die Vorschriften großzügiger auslegt, müssen die heimischen Gemüsebauern auf wichtige Mittel zum Schutz ihres Anbauguts verzichten. Schlagzeilen macht immer wieder der Bierradi, der von Österreichs Gemüsefeldern praktisch verschwunden ist und aus dem benachbarten Bayern importiert werden muss.
Mit der strengen Auslegung der Vorschriften hat auch zu tun, dass heimische Radieschen und heimischer Kohlrabi in den Supermärkten oft ohne Blattgrün verkauft werden, weil Gemüse mit abgefressenen oder löchrigen Blättern liegen bleibt. „Man greift stattdessen leider lieber zur Ware aus dem Ausland, die daneben feilgeboten wird, weil dort wegen der Behandlung mit Pflanzenschutzmitteln, die bei uns nicht erlaubt sind, das Blattgrün dran und nicht zerfressen und löchrig ist“, sagt Hamedinger.
19.600 Hektar Gemüse
In Österreich wird laut Agrarmarkt Austria auf 19.600 Hektar Gemüse angebaut, von denen im Vorjahr rund 726.800 Tonnen Feld- und Gartenbaugemüse geerntet wurden. Die Anbauflächen für Gemüse liegen überwiegend im für den Gemüsebau klimatisch günstigeren Osten des Landes, vor allem in Niederösterreich (mehr als 11.000 Hektar), Oberösterreich (knapp 2000 Hektar) und dem Burgenland (rund 1500 Hektar).
Salzburger Nachrichten - Wirtschaft, 6. Juni 2026
