
Der gute Mann war richtig satt. „In den USA sind die meisten Menschen enthusiastisch“, machte er sich auf X Luft. „In Europa werde ich beschimpft, Leute schreiben Regulierung und Verantwortung. Und wenn ich wirklich hier eine Firma baue, dann kann ich mich mit Themen wie Investitionsschutzgesetz, Mitarbeiterbeteiligung und lähmenden Arbeitsregulierungen abkämpfen. Bei OAI arbeiten die meisten Leute 6–7 Tage die Woche und werden dementsprechend bezahlt. Bei Man schaut meist nur auf das Schlechte und Ungewisse, statt das Neue und die Möglichkeiten zu sehen, die es bietet.“ uns ist das illegal.“ Der gebürtige Oberösterreicher Peter Steinberger, der eben erst um einen dreistelligen Millionenbetrag sein Unternehmen verkaufte und mit seinem KI-Agenten Open Claw über Nacht zum internationalen Shooting-Star der Szene wurde, erlebt Unternehmerdasein in Österreich im Schnellsiedekurs. Er erlebte alles, nur kaum die Anerkennung, die man in solchen Fällen eigentlich erwartet, schon gar nicht Ovationen und Bewunderung. Und davon, dass ihm jemand das alles gönnte, war auch kaum wo etwas zu lesen. Stolz war eigentlich nur sein Lehrer in seiner Braunauer Schule: „So ein Schüler bleibt einem im Gedächtnis.“
Aber sonst? Manche Schlagzeile, aber viel Häme. Von „dünnen Antworten“ war die Rede und von einem „breit gebauten Oberösterreicher“, was immer man damit meinte, aber nicht nach Kompliment klang. Von ZIB2-Anchor Armin Wolf wurde er gegrillt, als hätte er etwas Unanständiges getan. Da waren kaum wo Freude und Anerkennung, aber überall waren Fragen, Bedenken, Sorgen und Gefahren und Fallen gar. Und oft schimmerte der Neid durch.
„Typisch österreichisch halt“ ist man geneigt zu sagen. Der abwehrende Umgang mit Neuem, keine Begeisterung, überall sehr viel eher Ängste und Zurückhaltung, so jemanden zu unterstützen. Dafür weiß man immer sofort, warum etwas nicht geht und wo der Haken ist. Man schaut meist nur auf das Schlechte und Ungewisse, statt das Neue und die Möglichkeiten zu sehen, die es bietet und lebt in einer ständigen Angst des Scheiterns.
Diese Haltung, und das ist eines der zentralen Themen in diesem Land, über das viel zu wenig geredet wird, ist längst zur Kultur geworden. Nicht nur bei uns. Auch in Deutschland hat sich diese Stimmung breit gemacht, ja in ganz Europa.
Wie diese Stimmung entstanden ist, und warum es so gekommen ist, ist kaum mehr nachzuvollziehen. Vielleicht weil es uns zu gut geht, vielleicht, weil wir glauben, zu viel zu verlieren zu haben. Wie man sich davon lösen könnte, dafür fehlen Ideen, der Mut und die Führungspersonen. Österreich, Deutschland und Europa haben sich eingewoben in einem Netz aus Bürokratie und Regulierung, die viel zu oft jede Entwicklung hemmt und den Kontinent angesichts der Entwicklung in Regionen wie Amerika oder Asien in der Tat als den „alten Kontinent“ erscheinen lässt. Freilich kann man einwenden, dass es nicht das Schlechteste ist, Vorsicht walten zu lassen und auch nicht, die Dinge zu hinterfragen und auf Gefahren aufmerksam zu machen – aber das alles darf nicht zu einem übermächtigen Bremsschuh für jede Fortentwicklung werden.
Noch sind wir nicht verloren. „Es gibt viel Steinbergers, doch wir sehen sie nicht“, stand in der „Presse“ zu lesen. Dem ist durchaus beizupflichten. Wir verweigern uns, diese Steinbergers zu sehen, ihnen Steine aus dem Weg zu räumen und sie, sei es auch nur mental, zu pushen statt sie zu bremsen.
Steinberger nimmt in seinen Interviews gerne das Wort „Mindset“, also die Grundeinstellung, in den Mund, das ihn in Österreich störe. Er vermisst hier den Enthusiasmus und klagt über die Nörgeleien und Schimpfereien.
Hierzulande freilich vermag man dies viel zu selten zu erkennen. Ausnahmen gibt es. Der junge Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll gehört offenbar dazu. Er sagt „Österreich braucht mehr Steinberger und weniger Schrems“. Letzterer ist ein Säulenheiliger derer, sich an Datenschutzthemen bei Facebook und anderen Social Media-Größen abarbeiten und damit den Datenschutz, und nicht nur diesen, zu einem Hemmschuh in Europa gemacht haben, der jede Innovation erschwert.
Themen wie Datenschutz sind fraglos wichtig. Das darf aber kein Hindernis sein, auf den Zug aufzuspringen, der international längst fährt. Dafür ist es hoch an der Zeit. Schon allein deswegen, um mitreden zu können. Vielleicht können wir – Österreich, Deutschland, Europa – dann auch wieder mitmachen. So wie Peter Steinberger.
Meine Meinung - Raiffeisenzeitung, 26. März 2026
