Er ist Molekularbiologe, bekannt aus dem TV als "Science Buster" und er hat eine Leidenschaft: Genussvoll geißelt Martin Moder die Wissenschaftsfeindlichkeit in unserem Land. Seine Beiträge auf YouTube, X oder Instagram sind mit Themen wie Bioresonanz, Granderwasser, Covid oder Schwurbler voll. Mit Inbrunst legt er sich mit Gentechnik-Gegnern an und mit Homöopathiefans. Und das immer kompetent, witzig und vor allem aufschlussreich. Mit Leidenschaft kämpft er für die Wissenschaft und ihre Bedeutung und wird nicht müde, der Gesellschaft den Spiegel ihrer Ignoranz vor die Nase zu halten.
Und das, wir wissen es, hat das Land bitter nötig, in dem zumindest zehn Prozent der Wissenschaft offen feindselig gegenüberstehen und in der die Skepsis gegenüber allem, was von dort kommt, überdurchschnittlich hoch ist. So hoch, dass man mitunter aus dem Staunen nicht herauskommt, wenn man Leuten wie Moder und auch anderen Wissenschaftlern wie etwa Florian Aigner zuhört, die sich der Erklärung der wissenschaftlichen Arbeit und Leistungen verschrieben haben.Heute halten einer aktueller Eurobarometer-Umfrage zufolge allen Ernstes nur 48 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher wissenschaftliche Grundlagenforschung für wichtig. Wenige wie kaum sonst in Europa glauben bei uns, dass Wissenschaft und Technik unser Leben einfacher, gesünder und bequemer machen oder dass das Interesse für Wissenschaft für unseren künftigen Wohlstand von zentraler Bedeutung ist. Unter den 27 EU-Staaten finden wir uns, oft abwechselnd mit Rumänien, an den allerletzten Stellen. Nur einmal liegt Deutschland noch dahinter. Nur dort zweifelt man noch mehr als bei uns am Charakter und an der Ehrlichkeit von Forschenden.
Untersuchungen wie diese leuchten tief in die österreichische Seele. Sie erklären, warum in den vergangenen Jahren einiges so wurde, wie es geworden ist. Mit Wissenschaft hat man nichts am Hut in diesem Land. Da ist nichts vom Stolz auf den Nobelpreis für Anton Zeilinger und von dessen Glanz, in dem man sich sonnen wollte. Längst vergessen alles. Schnee von gestern.
Die Wissenschaftsfeindlichkeit in Österreich hat längst auch eine politische Dimension erreicht. Sie wurde von der Politik instrumentalisiert und zum Werkzeug gemacht, um Wähler zu gewinnen. Und sie ist dabei, oft nachgerade zum bestimmenden Faktor bei der Auswahl von politischem Personal oder gar bei politischen Entscheidungen und Weichenstellungen zu werden. Längst hat in Österreich Herbert Kickl die Oberhoheit in Sachen Wissenschaftsfeindlichkeit gewonnen und zu einer tragenden Säule seiner Politik gemacht. Schlimm genug -inzwischen machen ihm das auch viele andere nach, auch Politiker, die in höchster Verantwortung stehen in diesem Staat.
Unvergessen ist die Aussage des Innenministers, dass "Wissenschaft das eine, Fakten aber das andere" sei. Dass ihm der Bundeskanzler in nichts nachsteht, zeigte sich, als er in seiner Not im Nachhinein Entscheidungen während der Pandemie rechtfertigen musste. "Wir waren expertenhörig", meinte er damals und forderte, "nun sollen die Experten erklären, warum es zu diesen Entscheidungen gekommen ist". Und da ist noch gar nicht die Rede von den Bemühungen seiner Partei, einen Sommer lang den "Hausverstand" alleine zur politischen Leitschnur zu machen.
In diese Kategorie gehört auch die Ablehnung der Gentechnik, die selbst bei jenen zur politischen Floskel verkommen ist und wissenschaftlich längst überholt ist, die sich sonst gerne auf die Wissenschaft berufen, wenn es in ihren Kram passt. Ganz so, als ob Wissenschaft etwas Beliebiges wäre.
Wohin das führen kann, wird uns in diesen Tagen in den USA so drastisch, wie wir das nie für möglich hielten, vor Augen geführt. Der künftige Präsident des größten Industriestaates der Welt leugnet den Klimawandel, Gesundheitsminister soll ein deklarierter Corona-Leugner werden und ein Fracking-Unternehmer und Klimawandel-Leugner Energieminister.
Es ist wie eine Falle, in der wir zu sitzen scheinen, und die Martin Moder jüngst in Wien so formulierte: "Diejenigen, die dem wissenschaftlichen Konsens am meisten widersprechen, haben am wenigsten Fachwissen im entsprechenden Gebiet, sind allerdings überzeugt davon, am meisten zu wissen." Wenn es nur das wäre. "Man lässt sich halt nicht gerne was sagen in Österreich."
Nicht nur in Österreich.