Die Nachfrage boomt, vor allem bei Eiern, Rind- und Schweinefleisch. Doch ein Einstiegsstopp bremst die Chancen.
Hans Gmeiner
Salzburg. Nach Einbußen auf den Märkten ist die Welt bei den Biobauern wieder in Ordnung. Die Nachfrage nach Bioprodukten legt wieder zu. „Wir sind momentan in einer guten Situation“, sagen Barbara Riegler und Susanne Maier von Bio Austria, dem größten heimischen Biobauernverband. „Wir haben in vielen Fällen zu wenig Ware und gute Preise und könnten mehr verkaufen“, sagen sie. Vor allem Eier, Rind- und Schweinefleisch werden derzeit den Biobauern regelrecht aus den Händen gerissen. Auch bei Milch und Getreide sei der Markt gut. Im Handel wisse man zuweilen nicht, wo man die benötigte Ware herbekommen könnte.
Zuwächse vor allem in Deutschland
Getragen wird der aktuelle Boom vor allem von der Nachfrage aus Deutschland. Dort wuchs der Markt in den vergangenen zwei Jahren um gut 15 Prozent. Dass bei unserem nördlichen Nachbarn die Landwirte zögern, auf Bio umzusteigen, und die Zahl der Biobetriebe sogar schrumpfte, kommt den österreichischen Biobauern zugute. Sie nutzen die entstandene Lücke.
Aber auch in anderen europäischen Ländern wächst die Nachfrage nach Bioprodukten wieder. „Italien und Frankreich sind interessant und auch in Ländern wie Tschechien und Polen wächst die Nachfrage“, weiß man bei Bio Austria. In Österreich zeigen die Marktzahlen ebenfalls wieder nach oben. Obwohl die neuesten Zahlen erst diese Woche auf der Biofach, der weltgrößten Biomesse in Nürnberg, veröffentlicht werden, ist man bei Bio Austria sicher, dass sich das Wachstum, das schon in der ersten Hälfte des Vorjahres wieder knapp fünf Prozent erreichte, auch in der zweiten Jahreshälfte fortsetzte. Vor allem bei den unter 35-Jährigen ist Bio gefragt wie nie zuvor.
Einstiegsstopp, „weil die Bürokratie es so will“
Dennoch ist es derzeit für die Bäuerinnen und Bauern nicht möglich, auf Bio umzusteigen. „Bis zu Beginn der neuen Periode der EU-Agrarpolitik in zwei Jahren gibt es einen Einstiegsstopp, weil die Bürokratie es so will“, sagt Barbara Riegler. „Wer jetzt in Bio einsteigen will, bekommt keine Bioförderung und muss alle zusätzlichen Kontrollen und Bürokratie, Auflagen und Nachteile ohne Ausgleich tragen.“ Dabei könnte man jetzt die Betriebe brauchen, weil die Ware gesucht werde. „Aber wir haben keine“, sagt sie. Damit nicht genug: Weil nicht sicher ist, ob die neue Agrarpolitik wirklich ab 2028 in Kraft tritt oder nicht doch wieder, wie schon in der Vergangenheit, verschoben wird, könnte es einige Jahre länger dauern, bis die Bauern auf die wachsende Nachfrage reagieren können. Und dann könnte passieren, was schon in der Vergangenheit passiert ist. „Wenn dann wieder aufgemacht wird, kommt es auf den Märkten zu unnötigen Problemen.“
Würde man rechtzeitig vorbauen, käme es zu keinen Verwerfungen, sagt Ja!-Natürlich-Chef Andreas Steidl. Der Geschäftsführer der Biomarke von Billa gibt den Biobauern ebenfalls Schützenhilfe. „So wird das Potenzial von Bio nicht ausgeschöpft.“ Wie groß das sei, zeige sich in Warengruppen, bei denen der Konsument Wahlmöglichkeiten habe. „Dort erreicht der Bioanteil 30 Prozent und mehr.“
Droht eine Überhitzung?
Die Biobauern setzen jetzt auf den Landwirtschaftsminister. Die Agrarpolitik war bisher in dieser Sache aber zurückhaltend, weil man eine Überhitzung des Biomarktes befürchtet, der in der Vergangenheit immer wieder zu Marktzusammenbrüchen und Preisrückgängen führte. Davon wollen sich die Biobauern nicht bremsen lassen. „Wir versuchen, dass wir eine Lösung zusammenbringen, und hoffen auf eine Initiative des Ministers.“ Man könne doch nicht eine Produktionssparte, die erzeugen könne, was gefragt sei, und die auch verdienen könne, einfach hemmen.
Nicht zuletzt deshalb hat man schon jetzt die Reform der Agrarpolitik, über die längst verhandelt wird, im Auge. „Wir brauchen ein Sicherheitsnetz und gute Rahmenbedingungen“, sagt man bei Bio Austria. Der Mehraufwand, der auf dem Markt nicht verdient werden könne, müsse abgegolten werden. „Ganz abgesehen davon, dass wir die Ökologisierung Österreichs vorantreiben können.“
Das ist aber nicht die einzige Rechnung, die man offen hat. Von der Politik erwartet man mehr Druck bei der Umsetzung der Bioziele in den öffentlichen Kantinen und in der öffentlichen Beschaffung. „Momentan schieben die Politik und die Verwaltung das Thema nur hin und her.“ Bewegung und mehr Engagement erwartet man auch in der Gastronomie in Sachen Biokennzeichnung. Dort hofft man auf die neue Wirtschaftskammerpräsidentin Martha Schulz. „Die lebt das in ihren Betrieben schon, jetzt hoffen wir, dass wir doch weiterkommen könnten“, sagt Maier.
Eine andere offene Rechnung ist dabei, sich zum Guten zu wenden. Das Verhältnis zum deutschen Bioverband Naturland, der in den vergangenen Jahren in Österreich Fuß zu fassen versuchte und für Unruhe sorgte, hat sich entspannt. Nach einem Skandal um Falschdeklarationen und Abfertigungen für Funktionäre wurde dort die Führung ausgewechselt. „Der neue Vorstand hat ein ganz anderes Naturell, es ist ein ganz anderes Miteinander“, sagt Bio-Austria-Obfrau Riegler. „Wir versuchen, bei Themen, bei denen es Schwierigkeiten gab, Schnittmengen zu finden und zusammenzuarbeiten.“ Große Stücke setzt sie auf die Bioallianz mit anderen deutschen Verbänden, die für 24.000 Betriebe in Deutschland, Südtirol und Österreich steht. Sie wurde im Vorjahr nicht zuletzt als Antwort auf die Naturland-Aktivitäten auch in Deutschland gegründet. „Durch unseren Zusammenschluss öffneten wir für unsere Marktpartner neue Möglichkeiten.“

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