Donnerstag, 13. August 2026

Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner

Hitze, Hitze, Hitze. Und dann bleibt etwas hängen, das einen staunen und wundern lässt. Und nachdenklich macht. In Graz war in einem alten ORF-Beitrag zu sehen, der in der Social Media-Flut aufpoppte, war man regelrecht aus dem Häuschen, als man den heißesten Sommertag 1989 feierte - mit 31 Grad. Und aus Linz wurde wenige Jahre zuvor aufgeregt gemeldet, dass "an fast allen Tagen dieser Woche" die 30 Grad-Grenze überschritten worden sei. "Die Hitze steuerte dazu bei, dass viele Linzer aus den Kleidern und manche sogar aus der Haut fahren wollten." 

Und das ist keine vierzig Jahre her. 30 Grad als Rekordtemperatur im Sommer. Wie gerne hätten wir die heute, wo uns seit Wochen Temperaturen um die 40 Grad quälen. Mit allen Folgen. Brunnen vertrocknen und Bäche auch. Felder und Wiesen sind dürr und braun. Bauern geht das Futter für die Tiere aus. Selbst für die Wirtschaft und die Stromversorgung ist die Hitze längst zur Gefahr geworden. Dabei waren wir immer so stolz drauf, das "Wasserschloss Europas" zu sein, mit Vorkommen an bestem Grund-und Quellwasser ohne Ende. 

Dass wir nun in solchen Kalamitäten stecken, konnte und wollte sich nie jemand vorstellen. Heute ist Österreich Hitzepol Europas. Und alle stöhnen. Mit Kälte können wir umgehen, mit Hitze nicht. Da müssen wir noch viel lernen. Im Streit um die große Klima-und Umweltpolitik, wo zweifellos die Zeit immer drängender wird, hat man darauf wohl vergessen. Schließlich soll und muss die Welt ja doch noch überleben, bis diese Maßnahmen greifen. 

Man reagiert aber, wie anders, sehr österreichisch. Aussitzen scheint allerorten die Devise zu sein. Nicht einmal ein Krisenprogramm gibt es, sieht man davon ab, dass vielerorts die Feuerwehren die Wasserversorgung von Haushalten übernommen haben. Aber sonst? Die Bauernvertreter wurden aus dem Urlaub aufgeschreckt und bemühen sich derzeit mehr schlecht als recht, den Bauern mit vagen Ankündigungen zur Seite zu stehen. Der Landwirtschafts-und Umweltminister wird neuerdings kaum mehr ohne das wenig schmeichelhafte Wort "unsichtbar" in den Medien genannt. Mehr als Verweise auf seit langem diskutierte Pläne wie das Klimagesetz, die Anpassung von Klimaschutzmaßnahmen oder dass man sich "bemühe", gibt es nicht. Aja -und im Ministerrat wurde vorige Woche ein Hitzeschutzplan verabschiedet. Heuer wird man davon wohl nichts mehr spüren. 

Schon gar nicht ist etwas von schnell wirksamen Maßnahmen zu sehen, die den Menschen in Städten, in Spitälern, in Altersheimen, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder anderswo akut Linderung verschaffen. Nicht einmal für den Einbau von Klimaanlagen gibt es rasche Lösungen. Und wo sind in den Städten Angebote gegen die Hitze? Trinkwasserspender? Kühlsprinkler? Gar nicht zu reden von Sprinklerflächen, wie es sie in südlichen Ländern gibt. 

"Wird schon wieder kühler", scheint allerorten die Devise zu. Und "Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner", bleibt das Motto der Wahl. Da nimmt nicht wunder, dass dieser Tage eine besorgte Tochter in Wien ihre hochbetagte Mutter in ein anderes Spital verlegen ließ, weil es im Zimmer 39 Grad hatte. 

"Die Politik unternahm kaum Anstalten, um das Land und seine Wirtschaft nachhaltig in eine klimafreundliche Zukunft zu steuern", ätzt der deutsche "Spiegel". Dass sich das ändern muss, zeigte dieser Sommer. Die Themen und Probleme werden immer drückender. Eines von vielen ist der Arbeitsschutz bei Hitze. Verfolgt man die Diskussion darüber, könnte man glatt auf die Idee kommen, dass Unternehmen in Zukunft möglicherweise ihr Personal, so wie im Winter auch, immer im Sommer beim Arbeitsamt parken, weil es keine Lösungen gibt. Schulen, Spitäler und Altersheime sind sowieso Entwicklungsgebiet. Und was machen die Landwirtschaft und der Tourismus? 

Die Hitzewelle geht irgendwann zu Ende. Und damit steht zu befürchten, dass all die recht kriegen, die aufs "Aussitzen" gesetzt haben. Dann wird man wieder in die alten Muster zurückkehren. Und froh sein darüber. 

So wie man schon jetzt vielerorts froh zu sein scheint, dass man endlich ein Sommerthema hat, das das Hitzethema ablöst -nämlich, dass sich der Bundeskanzler mit seiner unseligen Formulierung zur Familienarbeit der Frauen in die Nesseln gesetzt hat. 

Die Diskussion über dieses Thema ist auch hitzig. Aber sie lenkt dennoch vom Hitzethema ab.

Meine Meinung - Raiffeisenzeitung, 13. August 2026

Montag, 10. August 2026

Wertvoll oder doch nur austauschbar?

Österreichs Landwirte scheuen weder Mühen noch Kosten, um sich von der ausländischen Konkurrenz abzuheben. Was sie scheinbar unterscheidet, sind aber teils nur Mythen.

Hans Gmeiner 

Österreichs Bauern halten sich gerne zugute, besonders gut und wertvoll zu produzieren. Dabei müssen sie aber immer wieder erkennen, dass es doch der Preis ist, der auf dem Markt zählt. Erst jüngst sorgte für Unmut, dass österreichische Markenmilch in Deutschland um 69 Cent verkauft wird. Warum man sich da an Haltungsvorschriften halten müsse, wozu die ganzen Dokumentationen und Kontrollen gut seien und warum die Gütesiegel, wenn die Milch so billig verramscht werde, hallte die Kritik aus der Branche.

Die Erklärung mag für die Bauern hart klingen, auch wenn sie sich schwertun, damit zurechtzukommen: „Es ist schlicht der Markt“, sagt Agrarexperte Franz Sinabell vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo). Dem Markt sind die Milchbauern ganz besonders stark ausgeliefert, erzeugen sie doch seit Jahren um gut 50 Prozent mehr, als in Österreich verbraucht wird.

Messbar sind Unterschiede oft nicht

„Die Landwirtschaft produziert ‚Commodities‘, also austauschbare Güter“, sagt Sinabell. Was messbare Eigenschaften, aber auch was Hygiene betreffe, werde in Österreich nicht anderes produziert als in anderen Ländern. „Wenn man zwei Gläser Milch nebeneinander hinstellt, merkt man den Unterschied nicht.“ Das sei bei Getreide nicht anders, nicht bei Fleisch und auch nicht bei Bioprodukten.

Das macht es für die heimischen Bauern wegen der im internationalen Vergleich geringen Betriebsgrößen und damit vergleichsweise hohen Kosten schwierig – trotz aller Ausgleichszahlungen. Denn die heimischen Ackerbauern und auch die Tierhalter produzieren um keinen Deut anders als die Bauern in Norddeutschland und anderswo in Europa. Die Größenordnungen sind allenfalls anders, die Technik, die man einsetzt, die Produktionsverfahren aber sind es nicht. Auch, wenn es da und dort Schlampereien geben mag. Und weil die Vorschriften und Auflagen in den vergangenen Jahren überall in der EU strenger wurden, tun sich die heimischen Bauern immer schwerer, sich auf dem Markt von der Konkurrenz abzuheben.

Franz Sinabell, Wifo-Agrarexperte Was sie sich zugutehalten, zählt gerade bei den Massengütern wie Milch, Getreide und auch Fleisch wenig. Selbst in Ländern wie Brasilien oder Argentinien sind die Produktionsstandards vor allem für international gehandelte Ware durchaus mit den europäischen zu vergleichen. Die Bauern übersehen meist, dass die Argumente für die besondere Qualität ihrer Produkte oft nicht viel mehr sind als „Mythen“, die der Realität kaum standhalten.

Der „bäuerliche Familienbetrieb“ etwa steht als Begriff im Landwirtschaftsgesetz, wird aber sonst nicht weiter definiert. Schon gar nicht ist er ein Qualitätsmerkmal, ist doch keine besondere Produktionsweise damit verbunden. Die Zahl der Mitarbeiter ist genauso wenig definiert wie die Größe des Tierbestandes, der Ackerflächen oder der Wälder. Die klassischen Bauernhöfe mit wenigen Hektar zählen genauso dazu wie die Güter von Adeligen und Industriellen mit Hunderten oder Tausenden von Hektar. „Die meisten Leute verbinden mit einem Familienbetrieb dennoch einen sorgsameren Umgang“, sagt Sinabell.

Geht es um Nähe, müssten Ostösterreicher in Ungarn einkaufen

Ähnlich gelagert ist die Sache mit der „Regionalität“. Regional einzukaufen, klingt gut. Was damit gemeint ist, ist freilich eher Geschmackssache. Denn auch „Regionalität“ ist nirgendwo definiert und schon gar nicht ist sie ein Qualitätsmerkmal. Nicht einmal um die Entfernung kann es immer gehen, sonst müssten sich viele in Ostösterreich mit Fleisch und Milch in Tschechien, der Slowakei oder Ungarn versorgen.

Da verspricht eine „Herkunftskennzeichnung“ schon mehr, muss sich aber den Hinweis gefallen lassen, dass Österreichs Bauern selbst zu einem guten Teil vom Export in andere Länder leben. Ganz abgesehen davon, dass auch hier gilt: Das ist kein Nachweis für eine besondere Qualität. Die Herkunftskennzeichnung funktioniert daher im Ausland oft besser als daheim. „Österreich gilt gerade in Deutschland viel“, betont Sinabell.

Aber auch der „Selbstversorgungsgrad“ und die „Ernährungssicherheit“ erweisen sich oft als Mythen, wenn man die Bedeutung der heimischen Landwirtschaft betonen will. In wichtigen Bereichen wie Obst, Gemüse und selbst Geflügel ist man auf Importe angewiesen. Bei Treibstoffen, aber auch Züchtungslizenzen, Saatgut oder Pflanzenschutzmitteln hängt die Landwirtschaft zuweilen völlig in der Luft.

Mitunter verbaut man sich auch selbst den Weg. Für Sinabell sitzen die Bauern mit ihrer ablehnenden Haltung gegenüber gentechnischen Verfahren selbst einem Mythos auf. Für ihn ist das nicht nachvollziehbar. „Dabei wäre es in Zukunft sicher von Vorteil, etwa dürreresistente Sorten, solche mit sichereren Erträgen oder verbesserter Pilzresistenz zu haben.“

Dennoch gelingt es immer mehr Bauern, sich vom Auf und Ab der Märkte zu lösen. Viele gehen eigene Wege mit Spezialprodukten oder setzen auf die direkte Vermarktung. Als Musterbeispiel nennt Sinabell die Heumilchproduzenten, denen es seit Jahren gelingt, für ihre Milch mehr zu erlösen. 

Eine Erfolgsgarantie ist auch das nicht. Trotz deutlich höherer Haltungsstandards mit mehr Platz und Licht tun sich beispielsweise die heimischen Geflügelbauern schwer, ihre Ware zu höheren Preisen am Markt unterzubringen.

Und einem der vielen landwirtschaftlichen Mythen will Sinabell demnächst wissenschaftlich auf den Grund gehen. Die These, dass Männer auf Bauernhöfen besser wirtschaften als Frauen, „wollen wir uns anschauen“. Er habe Zweifel, dass das stimmt, „allein schon deswegen, weil Frauen bei Investitionen vorsichtiger sind und dem Glanz von Traktoren nicht so schnell erliegen“.

Salzburger Nachrichten - Wirtschaft, 10.August 2026

Donnerstag, 6. August 2026

Vertrocknete Erwartungen

Wegen der Trockenheit wurde in Österreich heuer deutlich weniger Getreide geerntet als im Vorjahr. Warum viele Bauern dennoch gelassen bleiben können.

Hans Gmeiner

Wien Manchmal ist Humor auch dort, wo man ihn gar nicht vermutet. Unter dem Titel „Zwischen Staub und Hoffnung“ zog am Mittwoch die Agrarmarkt Austria (AMA), die von nicht wenigen Landwirten als eher humorlose Bürokratenhochburg eingeschätzt wird, Bilanz über die heurige Ernte.

Die fiel mit insgesamt 2,5 Millionen Tonnen Getreide – ohne Mais, der noch vor der Ernte steht – zwar wie erwartet mit einem Minus von 19 Prozent deutlich schlechter aus als im Vorjahr. Eine Katastrophenernte aber war es nicht. Gegenüber dem langjährigen Durchschnitt gibt die AMA das Minus mit 14,4 Prozent an. Abgesehen davon gab es im Jahr 2003 – einem ähnlich trockenen Jahr wie heuer –, aber auch in den Jahren 2012 oder 2018 noch deutlich schlechtere Ernten bei Weizen und anderen Feldfrüchten.

Schlechte Ernte zeichnete sich schon im Herbst ab

Dass es heuer Probleme geben wird, zeichnete sich schon beim Anbau im vergangenen Herbst ab, der bereits zu trocken war. Auch im Winter fehlte es an Niederschlägen, im Frühjahr folgte in weiten Landesteilen eine lange Trockenperiode. „In der ersten Jahreshälfte gab es um 27 Prozent weniger Niederschläge als im langjährigen Mittel“, erklärte AMA-Chef Günter Griesmayr. „In einzelnen Landesteilen war es noch nie so trocken. Trotz der schlechten Ernte bräuchten die Konsumentinnen und Konsumenten keine Sorge zu haben. „Die Versorgung mit Brot und Backwaren ist komfortabel gesichert“, betont Griesmayr.

Die fehlenden Niederschläge und die wachsenden Probleme mit der Trockenheit sind für die Bauern schon seit einigen Jahren Thema. Viele reagieren darauf mit Umstellung der Fruchtfolge auf Früchte, die leichter mit trockenen Bedingungen zurechtkommen, und ändern die Technik der Bodenbearbeitung, um die Feuchtigkeit besser im Boden zu halten.

Zudem sichern sich die meisten Ackerbauern, aber auch viele Grünlandbauern gegen das wachsende Risiko seit Jahren mit einer Dürreversicherung ab, die von der Österreichischen Hagelversicherung angeboten wird. Eine solche Versicherung haben etwa in Oberösterreich heuer 85 Prozent der Ackerbauern und rund 60 Prozent der Grünlandbauern abgeschlossen. Laut Einschätzung der Hagelversicherung wird es heuer beim Großteil der Betriebe Auszahlungen für Dürreschäden geben, heißt es aus der Landwirtschaftskammer Oberösterreich. So wie es aussieht, sind auch bei den Früchten, die im Herbst zur Ernte anstehen, keine guten Ergebnisse mehr zu erwarten. „Der Trockenstress setzt derzeit allen Früchten zu, die noch auf den Feldern stehen“, sagt Lorenz Mayr, der oberste Bauernvertreter in der AMA. „Mais wird teilweise schon jetzt als Futter siliert, weil keine Kolben dran sind.“ Auch bei Soja sei nicht viel zu erwarten. Einzig bei den Zuckerrüben könnten Niederschläge noch etwas retten, ist man in Fachkreisen überzeugt.

Sorgen machen Mayr die Situation auf den Märkten und die hohen Produktionskosten. Ausgehend von einem Durchschnittsertrag bei Weizen von 4,9 Tonnen, Produktionskosten von 300 Euro je Tonne und einem Erlös von 200 Euro je Tonne „zahlen die Bauern logischerweise drauf“, sagt er. Bei durchschnittlichen Erträgen von acht Tonnen und mehr pro Hektar, wie sie auch heuer in den guten Produktionsgebieten geerntet wurden, schaut die Rechnung freilich anders aus, zumal auch die Qualität des Weizens außerordentlich gut ist. Der Druck ist dennoch auch dort beträchtlich, musste man doch mit deutlich gestiegenen Preisen für Dünger und Treibstoffe zurechtkommen, während sich die Preise für Weizen gegenüber dem Vorjahr nicht verändert haben.

Davon, dass die Preise an den internationalen Produktbörsen in den vergangenen Wochen zulegten, spürten die Bauern bisher nichts. Der österreichische Handel will den Landwirten dem Vernehmen nach einstweilen nicht mehr für ihre Ware zahlen, weil noch Weizen aus der Vorjahresernte lagert.

Unberechenbare Preisentwicklung

Für Unsicherheit sorgt auch die internationale politische Lage. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine und der Konflikt der USA mit dem Iran sorgen für ein kaum berechenbares Auf und Ab der Preise. Dabei wären die Voraussetzungen für gute Preise nicht schlecht. Nicht nur in Österreich, auch in der EU insgesamt war die Getreideernte heuer nicht gut, auch in Osteuropa erntete man deutlich weniger. Die Importe aus der Ukraine, die wegen der Angriffe auf die Häfen kaum mehr Ware ins Ausland und nach Europa bringt, sind bereits deutlich zurückgegangen. Dafür baut Russland seine Position auf den internationalen Märkten aus. Auch weltweit dürften die Ernten heuer geringer als im Vorjahr ausfallen, während der Verbrauch weiter steigt. Dennoch beruhigt und betont AMA-Marktexperte Michael Meixner: „Die Versorgungslage ist stabil.“

Salzburger Nachrichten - Wirtschaft, 6. August 2026

Donnerstag, 30. Juli 2026

Ein hartleibiges Land

Man staunt nur mehr in diesen Wochen. Man wundert sich über die Hartleibigkeit der Institutionen, die in diesem Land das Sagen haben, und wie sich schwertun damit, von alten Unsitten zu lassen. Ein Wirtschaftskammerpräsident und ein Bürgermeister, die sich gegenseitig Posten und Geschäfte zuschieben, die ihnen Vorwürfe wie Nepotismus und Postenschacher, Freunderlwirtschaft, absolutistisches Gehabe einbringen. Zum Sittenbild gehören abfällige Zitate über Frauen, die gefallen sein sollen, aber auch Frauen, die das ihre dazu beitrugen und von denen kolportierte Äußerungen wie "Sie hat einen Befehl bekommen, sie hat salutiert und gesagt -okay, ich verzichte" als es um ein Amt ging, zeigen, wie sie mitspielten.

Dabei war der Fall Wöginger erst wenige Wochen zuvor in aller Munde und der Fall des ehemaligen ORF-Generaldirektors Weißmann, die ein Sittenbild der politischen Welt in diesem Land zeichneten, das zum Barmen ist.

Dabei dürfte es all diese Fälle, die in den vergangenen Wochen und Monaten das politische Leben im Land bestimmten und die Politik von der Arbeit abgehalten haben, längst nicht mehr geben, wenn man die politische Diskussion der letzten Jahrzehnte verfolgt hat. Was wurden in den vergangenen Jahren Gesetze umgeschrieben, Leitbilder und Richtlinien beschlossen, die genau das verhindern sollten, was wir heuer schon so oft erlebten.

Man kommt dennoch nur langsam voran mit diesen Bemühungen, viel zu langsam, wie es scheint. Wenn sie denn überhaupt ernst gemeint waren. Denn solche Fälle gibt es immer noch und überall. Da nutzen alle Gesetze nichts, wenn das Rückgrat und die Haltung fehlen und das Gespür - "ich habe nichts Unrechtes getan", sagt Ruck immer noch. Und es passt ins Bild, dass er Verständnis findet dafür.

Die Chuzpe ist beachtlich, die Ziele, die man verfolgt, sind nach wie vor oft unverschämt, und ein schlechtes Gewissen scheint man auch nicht zu haben, zählt man das, was jetzt wieder einmal so aufregt, doch vielerorts immer noch zum "guten" politischen Handwerk. Man ist nach wie vor ziemlich ungeniert, denkt, wird man ertappt, kaum je daran, von einem Amt zurückzutreten oder daran, ein Mandat zurückzulegen, selbst dann, wenn man aus der Partei ausgeschlossen wird oder wenn man gerichtlich verurteilt ist.

Wir haben in den vergangenen Wochen viel erlebt und gesehen. Der Eindruck, der hinterlassen wurde, war alles in allem verheerend. "Die Reihen dicht geschlossen halten", ist immer noch die Strategie der Wahl in solchen Fällen. "Pobacken zusammen und durch", gilt in den meisten Fällen immer noch als die beste Strategie. Und man muss sagen: sie funktioniert immer noch.

Dabei rütteln all diese Fälle längst an den Grundfesten des Staates. Nicht nur an denen der Parteien, sondern auch an denen der Kammern. Die ÖVP und die SPÖ sind dabei, mit ihrer Nibelungentreue politischen Selbstmord zu begehen. Auch wenn die ÖVP mit dem Ausschluss Rucks für ihre Verhältnisse sehr rasch reagierte, bleibt Ruck in der VP-Welt fest verankert. Immer noch ist er Präsident der tiefschwarzen Wirtschaftskammer mit einem beachtlichen Freundes-und Unterstützerkreis in seiner nunmehr ehemaligen Partei. Das macht ihn auch für die ohnehin angeschlagene Interessenvertretung zu einem Problem.

Auch wenn man so tut, als wäre nichts, ist der Fall Ruck längst auch für den Wiener Bürgermeister Ludwig zum Problem geworden und für die Bundes-SPÖ, die bisher den Kopf in den Sand steckte und so tut, als hätte man mit allem nichts zu tun.

Wem man damit in die Hände spielt, braucht nicht extra erwähnt zu werden. "Kickl reibt sich die Hände", heißt es allerorten, ist doch, was wir rund um Ruck und Freunderlwirtschaft erleben, nicht das Einzige, was zu dem zählt, was es längst nicht mehr geben dürfte. Denn in anderen Bereichen ist es nicht anders. Da ist man etwa gerade in Oberösterreich dabei, eine Altreifen-Deponie, mit der ein wifer Unternehmer vor Jahrzehnten Millionen machte, einfach zuzuschütten um sich die Sanierungskosten, auf denen das Land sitzenblieb, zu ersparen.

Auch das zeigt -wir haben einen langen Weg vor uns, den wir eigentlich gar nicht mehr haben sollten angesichts der Versprechungen und Erklärungen, die wir immer zu hören bekamen.

Nicht zuletzt deshalb sprechen in diesen Wochen viele von einem Kollateralschaden für die Politik und hören schon die Totenglocken für die Koalition läuten, zumal auch die NEOS angeschlagen sind. Wir werden sehen, ob sie recht bekommen.

Meine Meinung - Raiffeisenzeitung, 30. Juli 2026

Mittwoch, 29. Juli 2026

Gurkerl vom Ganges

Dass immer mehr Essiggurkerl aus Russland, aber auch aus Indien auf dem Jausentisch landen, stößt den heimischen Gemüsebauern sauer auf.

Hans Gmeiner

Hartkirchen. Sie mögen „Turşu“, „Solonyy ogurets“ oder auch „Khatta Kheerte Ka Achar“? Am liebsten in einer Wurstsemmel oder zur Jause? Kennen Sie nicht? Jede Wette, dass Sie sie kennen und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch schon gegessen haben. So heißen Essiggurkerl in der Türkei, in Russland und in Indien.

Aus diesen Ländern kommt inzwischen ein guter Teil dieses Kleinods der österreichischen Esskultur. Auf vielen Gurkerlgläsern steht nichts davon. Und das stößt den verbliebenen heimischen Gurkerlbauern sauer auf. Wie in vielen anderen Bereichen der Landwirtschaft müssen sie hilflos zuschauen, wie den Konsumenten in Handelsregalen ohne viel Kennzeichnung Waren aus fernen Ländern untergejubelt werden, während sie ihre Anbaufläche Jahr für Jahr reduzieren oder gar aus der Produktion aussteigen müssen, die für sie oft über Jahrzehnte wichtiges Einkommensstandbein war.

„Ein Viertel enthält Gurken aus Indien“

Laut gemeinsamen Erhebungen der Organisation Wirtschaften am Land, der Landwirtschaftskammer Oberösterreich und von Efko, dem größten heimischen Sauergemüsehersteller, ist bei rund zwei Dritteln der Essiggurkenprodukte in den heimischen Regalen die Herkunft nicht erkennbar. Besonders intransparent ist die Situation bei den Eigenmarken des Handels. Dort fehlt bei 80 Prozent der Produkte die Herkunftsangabe vollständig. „Ein Viertel enthält Gurken aus Indien, nur fünf von 40 Gurkengläsern enthalten Gurkerl österreichischer Herkunft“, beklagt man.

Das Interesse des Handels, die Herkunft offenzulegen und zu kennzeichnen, ist denkbar gering. „Auf Nachfrage von uns wurden zwar Informationen übermittelt“, sagt Robert Pichler, Obmann von Wirtschaften am Land. „Zum Teil wurden aber Listen mit bis zu 15 möglichen Herkunftsländern, von Serbien über Bosnien-Herzegowina, Russland bis hin zu Indien, genannt.“ Nachvollziehbarkeit des Produktionsprozesses, Dokumentationen oder Rückverfolgbarkeit, alles Dinge, auf die bei der heimischen Produktion größter Wert gelegt werde, spielten dort offenbar keine Rolle, kritisiert Pichler.

Nur noch jedes zweite Gurkerl ist aus Österreich

Der Marktanteil heimischer Essiggurkenprodukte in den Supermärkten beträgt mittlerweile nur mehr 50 Prozent. Vor 30 Jahren waren es noch mehr als 80 Prozent. Heute kommen viele Gurkerl aus Polen, aber auch aus Nicht-EU-Ländern wie der Türkei oder Russland. Besonders stark wächst seit geraumer Zeit der Anteil von Essiggurkerln, die aus Indien über mehr als 6000 Kilometer nach Österreich geliefert werden. Dem Vernehmen nach hat eine große heimische Handelskette, die, wie alle anderen auch, gerne mit Nachhaltigkeit, kleinem ökologischem Fußabdruck und der Treue zur heimischen Landwirtschaft wirbt, seine Einkäufer sogar angewiesen, Gurkerl und Gurkerlprodukte nur mehr von dort einzukaufen.

In Oberösterreich werden seit 200 Jahren Gurkerl erzeugt

Da nimmt es nicht wunder, dass sich die Lage des Gurkerlanbaus in Österreich in den vergangenen Jahren zugespitzt hat. In Oberösterreich, wo seit mehr als 200 Jahren Gurkerl erzeugt werden, produzieren nur mehr zwölf Bauern die so beliebte Gemüsesorte. Sie sind nach Einschätzung der Branchenvertreter ein Beispiel dafür, wohin gedankenloses Einkaufen, Preisdruck vom Handel, übertriebene Vorschriften, aber auch Strategien, die die Herkunft verschleiern, führen können. Auch die Politik wird in die Pflicht genommen. Seit Jahren kritisieren die Gemüsebauern die hohen Lohnkosten und das unflexible Entlohnungssystem für Saisonarbeit – ohne jedes Echo und ohne jeden Erfolg. „Dadurch, aber auch wegen des bei uns besonders strengen Pflanzenschutzes, haben wir gegenüber anderen Ländern, auch in der EU, einen Wettbewerbsnachteil“, sagt Franz Waldenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer Oberösterreich, und hofft, dass nicht nur die Gurkerl-, sondern die Gemüsebauern insgesamt auf mehr Verständnis für ihre Sorgen und Warnungen stoßen.„Es geht nicht nur um die Landwirtschaft“

Für die Bauern geht es um viel. „Aber es geht nicht nur um die Landwirtschaft“, sagt Efko-Chef Thomas Krahofer. „Es geht auch um die Zukunft der Lebensmittelproduktion, um Arbeitsplätze, um regionale Wertschöpfung, um die Erhaltung der Kulturlandschaft und natürlich auch um die Versorgungssicherheit.“ Was wäre zu tun? „Die Politik sollte die nötigen Rahmenbedingungen schaffen, der Handel sollte für Transparenz sorgen, damit die Herkunft sichtbar wird, und der Konsument sollte zu österreichischer Ware greifen.“

Salzburger Nachrichten - Wirtschaft, 29. Juli 2026

Donnerstag, 23. Juli 2026

Lieber direkt vom Bauernhof

Ob Ab-Hof-Verkauf, Belieferung der Gastronomie oder Selbstbedienungsladen, fast jeder dritte landwirtschaftliche Betrieb setzt mittlerweile auf Direktvermarktung.

Hans Gmeiner

Salzburg Spätestens seit Corona gilt die Direktvermarktung bäuerlicher Produkte als eine der Erfolgsstorys in der Landwirtschaft, die immer wieder von Krisen durchgebeutelt wird. Damals, als die Supermarktregale nicht selten leer und die Versorgung auch bei Lebensmitteln unsicher war, wurden die Bauern regelrecht gestürmt. Das hat sich bei den Konsumenten eingebrannt. Auch wenn die Höfe nicht mehr überrannt werden wie damals, hat sich die Direktvermarktung als Einkaufsquelle etabliert. Besonders gern werden Fleisch und Fleischprodukte, Eier, Fruchtsäfte und Wein gekauft. Man schätzt es zu wissen, woher die Ware kommt, man schätzt die Qualität und man schätzt die Sicherheit.

Für 18.000 ist die Direktvermarktung Haupterwerb

„Die Direktvermarktung stellt für viele landwirtschaftliche Betriebe in Österreich ein tragfähiges Geschäftsmodell dar, das Einkommen sichert, Arbeitsplätze schafft und regionale Wertschöpfung in Österreich stärkt“, sagt Johannes Mayr vom Meinungsforschungsinstitut KeyQuest, der für die Landwirtschaftskammer Österreich die Bauern zum Thema „Situation und Zukunft der Direktvermarktung“ befragte. Für rund 18.000 der insgesamt noch 100.000 Bauern in Österreich ist die Direktvermarktung inzwischen sogar der Haupterwerb, schätzt Mayr.

Derzeit vermarkten rund 29 Prozent der österreichischen Betriebe zumindest einen Teil ihrer Produkte direkt ohne Zwischenhandel. Sie erzielen im Durchschnitt 36 Prozent des Einkommens damit. Tendenz steigend. Das macht den Betriebszweig interessant. Gaben vor zehn Jahren noch 13 Prozent der Bauern an, über Direktvermarktung nachzudenken, so sind es heute 18 Prozent. Die Bauern vermarkten heute ihre Produkte sehr professionell. Standards, Qualität und Vielfalt sind hoch. Längst geht das Angebot weit über Rohprodukte hinaus. Wichtigste Verkaufschiene ist mit großem Abstand der Ab-Hof-Verkauf. An zweiter Stelle aber folgt bereits die Gastronomie. Dahinter kommen Lieferdienste und Zustellung und der Lebensmitteleinzelhandel. An Bedeutung gewinnen SB-Läden und Online-Shops.

Vor allem Junge interessiert das Geschäftsmodell

Vor allem für junge Hofübernehmer gilt Direktvermarktung als einigermaßen zukunftssichere Möglichkeit im schwierigen agrarischen Umfeld mit den oft schlechten Preisen und unsicheren Märkten. Für Josef Moosbrugger, den Präsidenten der Landwirtschaftskammer Österreich, ist das keine Überraschung: „Die Direktvermarktung entwickelt sich nicht zuletzt so positiv, weil es eine Reihe von Betrieben gibt, die bei der traditionellen Vermarktung über den Handel mit der Wirtschaftlichkeit nicht mehr zurechtkommen.“

Für die Bauern mache vor allem die höhere Wertschöpfung die Direktvermarktung interessant, sagt der Kammerpräsident. „Das ist ja eigentlich der Kern der Direktvermarktung, dass mehr Wertschöpfung auf diese landwirtschaftlichen Betriebe kommt.“ Und das wirkt sich nicht nur auf das Einkommen, sondern auch auf die Absicherung der Arbeitsplätze auf den Höfen aus. „Direktvermarktung sichert einen zusätzlichen Arbeitsplatz auf einem Hof“, sagt Mayr. „Hochgerechnet sind das nicht weniger als 27.000 Arbeitsplätze.“ Denn während ein Hof mit herkömmlicher Vermarktung lediglich 1,6 Arbeitsplätze im Schnitt sichere, sichert ein Hof mit Direktvermarktung laut Mayr 2,5 Arbeitsplätze.

Mehr als die Hälfte will investieren

Die gute Stimmung spiegelt sich auch im Investitionsverhalten wider. Sagten 2016 noch 38 Prozent der Direktvermarkter, sie wollten in diesen Betriebszweig investieren, so sind es heute 53 Prozent. Derzeit werden von den Bauern rund 360 Millionen Euro pro Jahr in den Ausbau dieses Betriebszweigs investiert. Damit sichert man laut Mayr bei den Gewerbebetrieben und Zulieferern außerhalb der Landwirtschaft ungefähr 3500 Arbeitsplätze.Wir spüren überall, dass die Nachfrage steigt Für Karl Grabmayr, den Obmann des Verbands bäuerlicher Direktvermarkter, ist der Plafond noch lang nicht erreicht. „Wir spüren überall, dass die Nachfrage steigt.“ Die Direktvermarktung mache derzeit nur 2,5 Prozent des Lebensmittelhandels aus. „Das heißt für mich, dass wir noch sehr viel Luft nach oben haben und dass wir auch neue Betriebe dazu brauchen.“ Dabei setzt er darauf, dass derzeit auf sehr vielen Höfen überlegt wird, in die Direktvermarktung einzusteigen.

Bei aller Euphorie bleibt Bauernpräsident Moosbrugger aber realistisch. „Das Bild von der Direktvermarktung und die Aussichten sind sehr positiv“, sagt er. „Aber diese Art von Vermarktung passt nicht zu jedem Betrieb.“ Nachsatz: „Und Direktvermarktung ist auch kein Patentrezept, dass damit jeder Betrieb für die Zukunft gerettet werden kann.“

Salzburger Nachrichten - Wirtschaft, 23. Juli 2026

Donnerstag, 16. Juli 2026

Der "Wetter-Wumms" hält uns im Schwitzkasten

Die deutsche Bild-Zeitung kann Schlagzeile immer noch am besten. Natürlich auch im Sommer. Und natürlich auch wenn es um die Hitze geht. "Jeden Tag heiß -Diese Woche kommt der Wetter-Wumms" hieß es am Montag dieser Woche deftig. Der allseits bekannte schweizerisch-deutsche Wetterfrosch Jörg Kachelmann gab bereits in der vorigen Woche die Losung aus, dass das heuer ein, verzeihen sie den Ausdruck, "Scheiß-Sommer" werde.

Das Wetter gibt einiges her in diesen Wochen. Nicht nur bei "Bild", nicht nur in Deutschland, auch bei uns. Überall purzelten heuer bereits die Hitzerekorde. Der Juni war der heißeste Juni seit den Temperaturaufzeichnungen. Die Meere sind warm wie nie. Vor Hitzetoten wird gewarnt. Regen ist nicht in Sicht. Und 40 Grad sind keine magische Grenze mehr, sondern gelten vielerorts schon fast als das neue Sommer-Normal.

Mittlerweile macht die Hitze nicht nur den Bauern Sorgen. "Anhaltende Dürre verschärft die Lage" vermelden die Medien. Das Wasser wird da und dort bereits knapp, die Grundwasserspiegel sinken, Brunnen fallen trocken und die eine oder andere Gemeinde hat bereits Richtlinien für die Wassernutzung herausgegeben, namentlich das Füllen von Pools, das Sprengen von Rasenflächen und das Wässern der Gemüsepflanzen im Garten.

Und dennoch macht sich keine große Aufregung breit. Immer noch streitet man gerne darüber, ob das nun der "Klimawandel" sei oder bloß das "Wetter"."Heiß war es früher auch", ist immer wieder zu hören. Und wenn irgendwo ein Gewitter niedergeht, findet sich immer jemand, der sich über die Warnungen lustig macht. "Ja, ja, heiß und trocken ist es", postet man dann samt zahllosen Smileys. Längst ist das Thema Klimaschutz auch politisch besetzt. Wer warnt, ist links und grün, wer all die Warnungen für überzogen hält, ist rechts. Beide Seiten versuchen daraus politisches Kapital zu schlagen. Für den Beobachter drängt sich der Eindruck auf, als seien die Rechten dabei weitaus erfolgreicher. Dort redet man allenfalls vom "sogenannten Klimawandel", meist aber gänzlich ungeniert von "Klimahysterie".

Die dazwischen, wie in Österreich die Regierungsparteien, namentlich die ÖVP, tun sich schwer, ihre Position zu finden. Auf der einen Seite erkennen und anerkennen sie sehr wohl den Klimawandel, auf der anderen Seite fühlen sie sich aber auch in der Verantwortung, dass sie die Wirtschaft nicht abwürgen dürfen und auch die Bevölkerung bei Laune halten müssen, wenn es um Klimaschutz geht.

Das aber scheint nur auf dem Papier zu gelingen. Erst jüngst veröffentlichte das Umweltbundesamt, dass die Österreicherinnen und Österreicher dem Thema Klima-und Umweltschutz durchaus verständnisvoll gegenüberstehen. Nur acht Prozent halten demnach das Thema für Humbug, der große Rest aber steht dem Thema durchaus verständnisvoll gegenüber -wenn es Förderungen gibt, bessere Kennzeichnung und Ähnliches. Kurzum: Wenn sie selbst nicht allzu viel dazu tun müssen.

Umfragen sind, man weiß es, das eine, die Realität ist das andere. Und das ist und bleibt wohl die Krux. Unverständlich ist das freilich nicht. Denn in der Realität gilt eher "Da kann man eh nichts machen, schon gar nicht das kleine Österreich." Das nimmt nicht wunder angesichts der Kriege in der Welt, der Entwicklung des internationalen Flugverkehrs, der Umweltzustände außerhalb Europas und der geringen Bereitschaft der internationalen Gemeinschaft, das Thema Klimawandel ernsthaft anzugehen.

Einstweilen versucht man sich selbst zu helfen und will sich nicht irre machen lassen. Man richtet sich in der Hitze ein, um mit den hohen Temperaturen zumindest einigermaßen zurechtzukommen. Das wirkt schneller. Zu tun gibt es auch abseits der zuweilen irrlichternden nationalen und internationalen Klimapolitik ohnehin genug. Der Bogen reicht von Klimatisierung von Altenheimen, Spitälern und Schulen bis hin zu Öffis.

Dennoch gilt es am Bewusstsein für schnellwirkende und effiziente Maßnahmen noch zu arbeiten. Wie anders ist zu erklären, dass immer noch Parkflächen vor Supermärkten ohne Baumbestand bewilligt werden und in Städten und Gemeinden Plätze mit Steinen und Asphalt versiegelt werden, auf denen allenfalls eine paar kleine Alibi-Bäume ihre trauriges Leben fristen.

Wenn sich das ändern würde, käme man zumindest mit einem "Wetter-Wumms", wie er angeblich wieder droht, besser zurecht.

Meine Meinung - Raiffeisenzeitung, 16. Juli 2026

Donnerstag, 9. Juli 2026

Österreich braucht mehr "Woodstock der Blasmusik"

Die Ferienzeit hat begonnen. Mit dieser Woche in Wien, in Niederösterreich und im Burgenland. Nächste Woche folgen die anderen Bundesländer. In dieser Zeit ist Österreich anders. So wie man es sich wünschen würde. Man ist lockerer und offener. Man fährt aufs Land zur Oma und zum Opa. Man fährt in die Berge oder an einen See. Man macht Ausflüge in die Umgebung. Um sich zu erholen, um aus dem Alltag auszubrechen. Um die Natur zu genießen, die Schönheiten des Landes und auch die Gastfreundschaft und die Gastronomie. Einfach, weil es halt guttut und weil es schön ist. Man erfreut sich am Land, daran, dass wir es gut und schön und sauber haben und man erfreut sich auch daran, dass sich jemand darum annimmt, dass es so ist. Es fühlt sich auch oft an, als wären diese Wochen Wochen der Versöhnung zwischen Stadt und Land, zwischen den oft hochnäsigen und eingebildeten Städtern und dem Landvolk außerhalb der Ballungsgebiete, dem man gerne eine gewisse Rückständigkeit nachsagt, die sich aber um nichts weniger hochnäsig verhalten können gegenüber den "Stadterern". Nicht zu Unrecht ist da oft von Kluft die Rede und von Gräben.

Diese, nennen wir es friedvolle Stimmung dieser Wochen zeigt sich exemplarisch, einem Konzentrat Österreichs und seiner Möglichkeiten gleich, Jahr für Jahr zu Ferienbeginn in einem Festival im Innviertel. An keinem Platz, er nennt sich übrigens Ort im Innkreis, zeigt Österreich an einem Wochenende, was es kann und was in dem Land steckt und wozu es fähig ist.

Da, auf der einen Seite, beim "Woodstock der Blasmusik", das Jahr für Jahr weit mehr als 100.000 Menchen anzieht, um gemeinsam ihrer Leidenschaft, der Blasmusik, nachzugehen. Und dort, auf der anderen Seite und ebenfalls in Ort im Innkreis, die Fertigungshallen der FACC, die Flugzeugkomponenten für Hersteller in aller Welt erzeugt -von Airbus über Boeing bis zu Embraer. Das moderne Österreich. International orientiert, aufgeschlossen, auch in der Hochtechnologie daheim und erfolgreich.

Es ist nicht nur das. Man mag einen anderen Musikgeschmack haben und auch Lederhose und Tracht mag nicht die Kleidung sein, die man präferiert, es geht um etwas anderes. Es geht darum, Lebensfreude zu leben und zu erleben und sich über alle sozialen und gesellschaftlichen Grenzen hinweg zu verstehen. Da verbringen die Leute mit Begeisterung Tage voller Freude miteinander. Gleich ob vom Dorf oder aus der Stadt, gleich ob vom Bauernhof oder vom Penthouse in der Stadt. Höhepunkt des Festivals ist das sogenannte "Gesamtspiel", bei dem rund 20.000 der Gäste mit ihren mitgebrachten Instrumenten gemeinsam Musikstücke spielen. Sogar Ö3 sendet inzwischen von dort.

Da ist alles, was Österreich so oft fehlt und was wir so dringend bräuchten. Alles arbeitet in eine Richtung, alle unterstützen einen Weg, alle halten zusammen und geben ihr Bestes. Keine Gräben, keine sozialen Unterschiede, stattdessen gegenseitige Wertschätzung. Keine Spur vom Missmut, der Österreich so zu schaffen macht und von der ewigen Jammerei.

Doch die Stimmung, die man beim "Woodstock der Blasmusik" erleben konnte und die wir in den kommenden Wochen oft allerorten im Land erleben, hat, man weiß es, kurze Beine. Das Raunzen und die Unzufriedenheit werden sich schnell wieder breitmachen und der Missmut auch. Von der Stimmung in diesen Wochen bleibt wohl kaum etwas. Und auch nichts von der kurz aufgeflammten Solidarität zwischen Stadt und Land auch. Man weiß es.

Die Stimmung bleibt wohl weiterhin alles andere als gut und das Gefälle zwischen Stadt und Land, zwischen Stadtbewohnern und Landbevölkerung, groß. Auch, weil die in der Stadt immer noch viel zu oft auf die am Land herabschauen. Geringschätzung ist gängig. Oft glaubt man alles besser zu wissen und hat keine Scheu, das auch zu sagen. Man fordert vom Land, woran man in der Stadt nicht einmal denkt, das zu tun. Umgekehrt ist es freilich kaum anders. Auch dort hat man oft wenig Verständnis für die in der Stadt, ihre Welt und ihre Bedürfnisse.

Dem Land tut das nicht gut. Es bremst allerorten, weil man sich schwer tut zusammenzufinden. Man sollte mehr darüber reden. Die Ferienzeit und das "Woodstock der Blasmusik" zeigen, was möglich wäre in diesem Land.

Meine Meinung - Raiffeisenzeitung, 9. Juli 2026

Donnerstag, 2. Juli 2026

Wo findet man den Wählerwillen?

Sie tun es wieder. Politiker gehen auf Sommertour. "Österreich im Gespräch mit Bundeskanzler Stocker", heißt es da. Oder "Ordnen statt spalten" bei seinem Vize Andreas Babler. Freiheitliche Politiker wie Oberösterreichs Manfred Haimbuchner gehen auf -was sonst? -"Heimattour", Grüne ziehen durch die Wirtshäuser. Andere halten sich noch bedeckt. Irgendwann in den frühen 2000er Jahren verfiel man auf die Idee, den Sommer über in Veranstaltungen Wählernähe zu zeigen und, so zumindest die offiziellen Erklärungen, den Wählerwillen respektive den Willen der Wählerinnen zu erkunden. Unwidersprochen, aber auch nicht wirklich bewiesen ist, dass Hansi Hinterseer den Anstoß dazu gab. 2001 lud er zur ersten seiner Fan-Wanderungen, die tausende Mit-Wanderer anlockten.

So etwas war natürlich auch für die Politik verlockend. Die Landeshauptleute taten es, der damalige Kanzler Wolfgang Schüssel und auch Jahre später sogar Sebastian Kurz. Die Massen kamen nicht wie beim skifahrenden Barden aus Kitzbühel, die Bergwanderungen brachten aber ab und an zumindest doch veritablen Erfolg. Vor allem bescherten sie uns unvergessliche Bilder wie den schwitzenden damaligen Kanzler Gusenbauer in zu engem Wandershirt und Radlerhosen.

Was da Jahr für Jahr dem Wahlvolk als ernsthaftes Bemühen daherkommt, ernst genommen zu werden, zeigt, wie das meiste andere, das jahraus jahrein probiert wird, meist doch nur eines - die Hilflosigkeit die Wählerinnen und Wähler zu erreichen und zu erkunden, was sie wirklich wollen.

Es gehe darum, "Menschen abseits von Mitgliedschaften und Parteipolitik zu treffen", ist aus der Umgebung von Bundeskanzler Stocker zu vernehmen. Was die Menschen beschäftige, erfahre man nicht in Sitzungen und schon gar nicht in Umfragen, sondern nur im direkten Gespräch. Darum lade man ganz gezielt und mithilfe eines Meinungsforschers Gäste zu Veranstaltungen in ganz Österreich ein, bei denen dem Kanzler Vera Russwurm und Arabella Kiesbauer als Moderatorinnen zur Seite stehen, weil die ursprünglich für diese Rolle vorgesehene Christa Kummer krankheitsbedingt ausfällt. Ein Schelm, wer Böses denkt, dass heuer ganz offiziell das Kanzleramt zu diesen Events lädt und nicht Stockers Volkspartei, in deren Kassen bekanntermaßen Ebbe herrscht. Aber sei`s drum. "Gute Politik" entstehe nicht hinter verschlossenen Türen, sondern "im Kontakt mit den Menschen", meint man auch in Bablers Lager und anderswo wohl auch.

Man mag es glauben oder auch nicht. Schwierig ist es auf jeden Fall zu erfahren und zu erspüren, was Wählerinnen und Wähler wirklich wollen und wünschen und woran sie ihr Stimmverhalten ausrichten. Parteiveranstaltungen sind dazu wohl eher wenig geeignet. Sie stärken allenfalls das Wir-Gefühl. Stockers heuriges Sommerkonzept mag plausibel klingen, ob es erfolgreicher und zielführend ist, darf bezweifelt werden, finden diese Treffen doch in einem Setting statt, das eher Laborbedingungen als dem wirklichen Leben entspricht. Die Frage bleibt, wie kommen Politikerinnen und Politiker, zumal Spitzenpolitiker wie Kanzler oder Minister, die sich jahraus jahrein unter ihresgleichen, abgeschottet in Fanzirkeln und umgeben von Ja-Sagern bewegen, zu einem Gefühl dafür, was die Menschen bewegt? Zeit haben sie kaum, bei Veranstaltungen sind sie auch meist wieder von Funktionären umgeben. Sprechtage und Sprechstunden sind in Verruf geraten. Und was früher oft funktioniert hat, können sie sich heute nicht mehr leisten -lange sitzen zu bleiben und vielleicht das eine oder andere Achterl oder Seiterl zu trinken.

Dabei ist das eine durchaus sehr wichtige Frage. Sie zu beantworten wird nicht leichter in dem politisch aufgeheizten Klima, in dem wir seit Jahren leben, in dem es nur eine Welt zwischen "Deppen" und unbeirrbaren "Fanboys und -girls" gibt, aber offenbar nichts dazwischen.

Doch dieses "Dazwischen" gibt es. Es ist wohl das, was die politische Mitte zu nennen ist, die schweigende Mehrheit. Die Leute, die man nicht hört, die gelassen sind und nicht daueraufgeregt, die in Ruhe ihre Schlüsse ziehen und sich das Ihre Denken. Die von der Politik angewidert sind und nicht -mehr -interessiert daran. Die kaum je sagen, was sie bewegt. Und die sich nicht verwenden lassen wollen für irgendetwas.

Sie sind die größte Gruppe, die wichtigste auch und wohl auch die schwierigste. Und die, um die sich auch heuer im Sommer offenbar niemand kümmert.

So wie das ganze Jahr über.

 Meine Meinung - Raiffeisenzeitung, 2. Juli 2026

Donnerstag, 25. Juni 2026

Neues vom ewigen Monster

Kommende Woche ist der 1. Juli. Dieser Tag bringt uns eine besonders schillernde Blüte der heimischen Bürokratie. Der Tag beschert uns die politisch zweifelhafte und von vielen bezweifelte Wohltat der Senkung der Mehrwertsteuer auf bestimmte Lebensmittel, den Betroffenen nur mehr etwas, was sie "Bürokratiewahnsinn" nennen, und dem einen oder anderen Begünstigten vielleicht auch Ärger, Rätsel, aber zumindest Kopfschütteln. Kaufen Sie ab 1. Juli beim Bäcker eine Semmel, beträgt dafür die Mehrwertsteuer nur mehr 4,9 statt 10 Prozent. Kaufen Sie vielleicht noch Butter, dann beträgt die Mehrwertsteuer auch nur mehr 4,9 statt 10 Prozent. Bestellt man allerdings zum schnellen Espresso am Stehtisch eine Buttersemmel, gilt für alles ein Mehrwertsteuersatz von 10 Prozent. Das Gleiche gilt übrigens für Käsesemmeln und für vieles andere, was so tagaus, tagein konsumiert wird.

Bei einem Handsemmerl könnte es allerdings noch um einen Tick komplizierter ausfallen ganz nach dem Motto: "Die Antwort auf Probleme mit der Überregulierung lautet in Österreich immer: noch mehr Regulierung". Denn Semmeln dürfen nicht mehr als fünf Prozent Fett enthalten, damit sie mehrwertsteuersenkungsfähig sind. Handsemmerl enthalten aber der Qualität zuliebe mitunter mehr Fett. Dann gilt für sie weiterhin der Mehrwertsteuersatz von zehn Prozent. Als "Grenzgänger" gelten auch Vollkornbrote und Spezialbrote oder Nahrungsmittel mit zu viel Zucker.

Kein Wunder, dass in den vergangenen Wochen die betroffenen Betriebe rotierten. Mussten sie doch Extraschichten einlegen, um alles korrekt einzustufen und die Kassen zu programmieren. Je kleiner die Betriebe, desto größer der Aufwand, weil sie EDV-mäßig nicht entsprechend ausgestattet sind.

Die Bürokratie ist ein ewiges Monster. Wie Spinnweben, die sich in allen Winkeln eines alten Hauses wabernd einnisten und nicht wegzubringen sind, sondern immer mehr zu werden scheinen. Die Nachrichten aus dieser krausen Welt wollen einfach nicht abreißen. Der Bogen reicht von der Luftsteuer, die von Hotels selbst für vorstehende Simse kassiert wird, bis hin zum Einbau des Brandschutzes -wie dies in einem Betrieb verlangt wurde, mit der gleichzeitigen Auflage, diesen Brandschutz auch kontrollieren zu lassen. So weit, so normal. Wenn es da nicht einen Nebeneffekt des Bürokratiewahnsinns gäbe -man kann auch verdienen damit. "Dreimal dürfen Sie raten, wer für die Kontrolle zuständig ist", fragt der entnervte Betroffene. Man wagte den Gedanken noch gar nicht zu denken, kommt schon die Antwort: Der, der den Brandschutz eingebaut hat.

Da verwundert nicht, dass Bürokratie und Vorschriftenwahnsinn immer zuerst genannt werden, wenn in der Wirtschaft, aber auch in Bereichen wie der Landwirtschaft und zahllosen anderen nach den größten Problemen gefragt wird.

Laut jüngsten Berechnungen der KMU Forschung Austria kostet die Bürokratie die heimische Wirtschaft inzwischen bereits 21,1 Milliarden Euro jährlich oder 320 Millionen Arbeitsstunden. Das entspricht 200.000 Vollzeit-Arbeitsstellen.

Auch wenn es da und dort Erfolge zu verzeichnen gibt, greift der Wahnsinn nach wie vor rasend um sich. Ein Beispiel: Rund 1.900 Seiten umfasst heuer der Kodex Steuergesetze. Das ist mehr als doppelt so viele wie im Jahr 2000. Das ist längst auch Steuerberatern zu viel, die davon leben. "Das Steuerrecht ist komplex und kaum noch handhabbar", klagen selbst sie.

Oft ist der Wahnsinn selbst gemacht und politisch durchgedrückt. Etwa dann, wenn NGOs sich mit unpraktikablen und oft unsinnigen Vorschriften wie der Entwaldungsverordnung oder jüngst einer Richtlinie für erneuerbare Energieträger durchsetzen.

Einen Mann im Land regte das alles immer ganz besonders auf. So sehr, dass man ihn sogar zum Entbürokratisierungs-Staatssekretär machte. Jetzt ist er der Minus-Mann in der Regierung und dabei, zu einer Lachnummer gemacht zu werden, weil von den ohnehin mageren 113 angekündigten Maßnahmen, auf die das Land lange warten musste, erst 19 umgesetzt wurden.

Als Beobachter ist man dennoch geneigt, ihn zu verteidigen. Er hat es mit der Politik zu tun. Er hat es mit Österreich zu tun. Und da ist "Bohren in harten Brettern" ein Hilfsausdruck. Vor allem wenn es um Bürokratie geht.

Gar nicht zu reden, wenn einem von niemand Erfolg gegönnt wird. Schon gar nicht von den Regierungspartnern.

Meine Meinung - Raiffeisenzeitung, 25. Juni 2026

Dienstag, 23. Juni 2026

Ernte gerettet, Sorgen bleiben

Ackerbauern rufen nach Aussetzen des EU-Klimazolls für Düngemittel und nach Erhöhung des Bio-Anteils bei Benzin und Diesel.

Hans Gmeiner 

Salzburg, Linz. So wie es aussieht, sind die Ackerbauern noch einmal davongekommen. Im Großen und Ganzen haben die Feldfrüchte die Trockenheit im Mai überstanden. „Wir stehen vor einer passablen Ernte“, sagt etwa Oberösterreichs Landwirtschaftskammerpräsident Franz Waldenberger. Damit ist aber alles Positive gesagt. Denn von einem „Albtraum“ reden Getreideaufkäufer, wenn sie nach den heurigen Getreidepreisen gefragt werden

Die Getreidepreise rutschen ab

Noch hält man sich zwar bedeckt, aber die Markteinschätzungen und die Kurse an den Warenterminbörsen lassen nichts Gutes erwarten. In den vergangenen Wochen kannten die Kurse nur eine Richtung – abwärts. Einzig bei Raps sei ein einigermaßen guter Preis zu erwarten. Die Preise für Weizen und Gerste aber werden weit unter dem liegen, was die Bauern bräuchten. Auch bei Soja und Mais sind die Preisaussichten nicht gut.

Damit bekommt das Thema Düngerpreise noch mehr Brisanz. Der enorme Anstieg seit dem Iran-Krieg sorgte in den vergangenen Monaten bereits für Verunsicherung. Schlechte Preise für die Produkte und hohe Preise für Dünger und auch Treibstoffe sind Gift für die Geldbörsel der Bauern. Weil für die heurige Ernte noch mit günstigem Dünger gearbeitet wurde, den die meisten Bauern bereits im vergangenen Herbst kauften, drohen die Probleme für das kommende Jahr, für das in diesen Wochen die Anbaupläne gemacht werden.

Klimazoll verringert Angebot und treibt die Preise

Dabei ist den Bauern vor allem die Klimaschutzabgabe CBAM ein Dorn im Auge, die im Vorjahr eingeführt wurde, um die europäische Düngerindustrie zu schützen. Waldenberger nennt diese Abgabe eine „strukturelle Kostenfalle“. Sie macht bei vielen Produkten rund die Hälfte des Anstiegs der Düngerpreise aus. „Die europäische Düngemittelindustrie wird geschützt, die Landwirtschaft muss die dadurch entstehenden Mehrkosten tragen, weil sie die Kosten nicht an den Markt weitergeben kann“, beklagt Waldenberger. 

Von der angekündigten Hilfe der EU will sich der Kammerpräsident nicht blenden lassen. „Damit könne man Liquiditätsengpässe überwinden, sie machen aber Düngemittel nicht günstiger“, sagt er. Entscheidend sei ein ausreichendes und günstiges Angebot auf dem europäischen Markt. „Wir fordern daher eine Aussetzung der Klimazölle für Düngemittel.“

Damit nicht genug. Sorgenfalten treibt den Bauern auch die geplante Einstufung von europäischem Sojaöl als Hochrisikostoff für indirekte Landnutzungsänderungen auf die Stirn. Wie schon bei der Entwaldungsverordnung verstehen die Bauern nicht, dass sie in die Pflicht genommen werden sollen, obwohl für den Sojaanbau in Europa nachweislich keine Waldflächen gerodet wurden. „Es wäre völlig widersinnig, ausgerechnet jene Kultur zu benachteiligen, die einen wesentlichen Beitrag zur europäischen Eiweißversorgung leistet“, sagen die Bauern und hoffen, dass der Kelch an ihnen vorübergeht.

Bioanteil bei Benzin und Diesel erhöhen

Diese Nöte bringen die Fantasie der Ackerbauern wieder in Schwung. „Wir brauchen Zukunftsperspektiven“ ist die Devise und bringt bekannte Ideen und Forderungen wieder aufs Tapet. So besinnt man sich der Bedeutung regionaler Wertschöpfungsketten und der Lebensmittel- und Verarbeitungsindustrie im Land. „Diese Stärke muss künftig noch mehr genutzt werden“, sagt etwa Waldenberger, freilich ohne konkrete Vorschläge in Diskussion zu bringen.

Bei Biokraftstoffen ist Oberösterreichs Kammerpräsident weitaus konkreter. Er fordert eine Anhebung der Biodiesel-Beimischung zu Diesel von derzeit sieben (B7) auf 10 Prozent (B10), wie das auch in Deutschland, Frankreich und anderen EU-Ländern üblich sei. Bei Benzin könne er sich sogar eine Erhöhung des Ethanolanteils von derzeit zehn auf 20 Prozent vorstellen. Das schaffe nicht nur für die Bauern zusätzliche Absatzmöglichkeiten, sondern trage auch zum Schutz des Klimas bei. Zudem wäre dieser Schritt rasch umsetzbar und sei praxiserprobt, sagt Waldenberger.

Salzburger Nachrichten - Wirtschaft, 23. Juni 2026

Donnerstag, 18. Juni 2026

Wir sollten auch über uns reden

Das Doppelbudget, das der Finanzminister vorige Woche vorstellte, sorgt für viel Aufregung. Die Kritiken fielen durchwegs schlecht aus. Man ist allerorten unzufrieden. Zu wenig ambitioniert heißt es, ein mutloser Kompromiss. Marterbauer verteidigt, die Regierung hält zu ihm, soweit sie zu ihm halten muss, Wirtschaftsfachleute, selbsternannt oder anerkannt, analysieren mit spitzer Feder und die Opposition schäumt.

Kurzum, in der Meinung vieler ist das Doppelbudget nicht das, was Österreich jetzt bräuchte und voranbringen könnte. Viele fühlen sich benachteiligt, zu wenig berücksichtigt, über den Tisch gezogen oder einfach übersehen. Die Pensionisten, die Unternehmer, die NGOs, die Universitäten, sogar die Bauern. Viele wissen mit dem Brustton der Überzeugung, was anders gemacht gehört, wo was zu holen wäre, wo man Kürzungen vertragen würde und worauf man überhaupt verzichten könnte. Und das selbstredend immer bei "den anderen", dort, wo man nicht selbst betroffen ist.

Dieses Verhalten, dieses Denken, dieser Neid auch ist in den vergangenen Jahren Kultur geworden im Land. Angeheizt von einer Opposition, die sich auf Ablehnung und Besserwisserei ohne Verantwortung verlegt hat und es dabei aber nicht für nötig hält, taugliche Lösungen anzubieten, schon gar nicht umsetzbare. Hauptsache dagegen, man hat ja keine Verantwortung.

Das hat längst abgefärbt. In der Meinung, sich damit zu behaupten und nicht vollends unterzugehen, haben sich inzwischen alle Parteien dieser Art von Populismus verschrieben, der sich nicht an der langfristigen Zukunft des Landes orientiert, sondern am kurzfristigen Wahlerfolg.

Das hat Folgen. Der Ruf der Politik könnte, eine Folge des um sich greifenden Populismus und des damit einhergehenden Vertrauensverlusts, kaum schlechter sein. Wir wissen immer schnell, wer schuld ist. Politiker werden gerne für dumm gehalten und als solches bezeichnet, sie seien nur auf den eigenen Vorteil bedacht, dienten einer Lobby oder generell einfach feig. Genauer hinschauen mag keiner mehr. Und etwas verstehen auch nicht. Längst ist es nicht mehr nur der Stammtisch, der weiß, woran es liegt, dass in der Politik nichts weitergeht.

Spätestens an diesem Punkt kommt aber auch unsere Verantwortung ins Spiel. Unsere Verantwortung als Wähler und Staatsbürger. Ohne die Politikerinnen und die Politiker freisprechen zu wollen von ihrer Verantwortung -aber von unserer Verantwortung redet man nur selten. Viel zu selten. "Auch wir, die Wähler, sind schuld an der Misere", schrieben kürzlich die "Salzburger Nachrichten". Lassen wir der Politik und den Politikerinnen und Politikern, angestachelt und aufgeheizt von billigem Populismus, überhaupt noch irgendeinen Spielraum, um übergeordnete Interessen und langfristige Ziele und Konzepte umzusetzen? Oder messen wir nur mit den eigenen Interessen, ohne jedes Gefühl oder Verständnis für Zusammenhänge und für Verantwortung? Haben wir in diesem Klima alle Eigenverantwortung abgegeben und wollen nur mehr vom Staat versorgt werden? Sind wir nicht mehr bereit, etwas mitzutragen, auch wenn das keinen Vorteil bringt?

Wir lassen die Politiker nicht mehr arbeiten. Wir haben uns verführen lassen und zu einem Klima beigetragen, in dem sich alles nur mehr an der nächsten Wahl orientiert und daran, was Umfragen ergeben, statt zu handeln und das zu tun, was das Gemeinwohl, die Wirtschaft und die Gesellschaft brauchen. Man wagt es nicht den Gesundheitsbereich anzugreifen, schiebt die nötigen Reformen bei Pensionen und in der Bildung und anderswo seit Jahren vor sich her.

Man traut sich nichts mehr angreifen. Überall wird sofort aufgeschrien. Und keine Rede davon, dass wir damit den ganzen Staat in eine Selbstblockade hineintreiben. Und das ist in einer Situation wie in der, in der wir jetzt sind, eine unerträgliche Belastung. Man will für nichts Verständnis aufbringen, weil man sich schnell übervorteilt fühlt. Man könnte ja zu kurz kommen.

Wir haben uns in ein Klima hineinmanövrieren lassen und stehen jetzt nicht nur vor Schuldenbergen und ungelösten strukturellen Problemen. In Österreich -und auch in Deutschland - stehen jetzt Parteien vor der Regierungstür, die dieses Klima lautstark erzeugt haben, aber keine Lösungen anbieten können und an der Realität und der eigenen Überschätzung scheitern.

Die Amerikaner erleben gerade, wie das ausgehen kann. Und so wie es aussieht, sind wir wohl die Nächsten.

Meine Meinung - Raiffeisenzeitung, 18. Juni 2026

Donnerstag, 11. Juni 2026

Wir sind unter Attacke

In Oberösterreich sorgte dieser Tage eine Geschichte in den OÖ Nachrichten insbesondere bei den Bauern für beträchtliches Aufsehen. Unter dem Titel "Putins Sprachrohr auf dem Welser Acker", zeigte Gerald Mandlbauer auf, wie sich führende Funktionäre eines Bauernverbandes, der das Wort "unabhängig" im Namen führt und die auch in der Vollversammlung der oö. Landwirtschaftskammer sitzen, vom russischen TV-Sender Rossija 1 bereitwillig benutzen und vorführen ließen. "Das ist die Giftpolitik Brüssel" schimpften sie über die EU-Agrarpolitik ins Mikrofon des Senders, der als Putins Sprachrohr in Europa gilt. Sie richte sich nicht gegen die Ukraine, nicht gegen Lateinamerika, sondern "gegen uns". Bei der aktuellen politischen Lage könnten "bald alle österreichischen Höfe schließen", meinte der eine, während mit dem Bild des anderen die Aussage unterlegt wurde, dass die EU "die Bauern mäht" und alles tue, damit die ukrainischen Bauern gedeihen. Damit nicht genug. "Die Schädlinge aus Brüssel haben uns auch das Gas abgedreht", heißt es da.

Man staunt. "Ist das Naivität oder gezielte Agitation?" fragt Mandlbauer, der ehemalige Chefredakteur und nunmehrige Chefkommentator der OÖN. Es ist wohl beides -und auch Zeichen dafür, wohin aufgeblasene Wichtigtuerei führen kann. Und nicht nur das. Es ist auch Beleg dafür, dass das, was als "Informationskrieg" seit Jahren für Aufregung, Verunsicherung und wachsende Besorgnis sorgt, längst auch die "kleine Politik" erreicht hat. Längst geht es auf dieser Ebene nicht mehr nur um Corona-Schwurbler, die sich zum willfährigen Vehikel gesteuerter Interessen an Stamm-und Wohnzimmertischen machen ließen.

Aus der Politik kennt man das bisher eher aus den oberen Etagen. Von der FPÖ und von Kickl, von der AfD in Deutschland oder bis vor kurzem auch vom ehemaligen ungarischen Ministerpräsident Orbán. Dort stehen viele seit Jahren in Verdacht, "Putins Sprachrohr im Westen" zu sein. Der "Informationskrieg", die gezielte Manipulation von Informationen und Medien, um Politik, öffentliche Meinung und Wirtschaft zu beeinflussen, ist längst gefürchtete Waffe geworden. Deutungshoheit bei Themen, Destabilisierung politischer Verhältnisse und die Spaltung der Gesellschaft stehen dabei als Ziele ganz oben. Fake News, Desinformation und Propaganda sind die Mittel der Wahl, um Meinungen, Stimmung und Wahlen in fremden Ländern zu beeinflussen. Auch wenn Russland als Hauptverdächtiger im Informationskrieg gilt und als besonders stark, ist diese Art der Kriegsführung auch anderen Staaten durchaus geläufig. Was den Russen die "Trolle" sind, also echte Menschen oder künstlich generierte Bots, deren Ziel es ist, Desinformation vorwiegend über Social Media zu verbreiten oder öffentliche Diskussionen zu manipulieren, sind anderswo Algorithmen. Die sind vor allem bei den großen US-amerikanischen Informations-und Kommunikationsplattformen Facebook, X und Google, aber vor allem auch bei TikTok und Instagram das Mittel der Wahl, um Information und vor allem auch Konsumverhalten zu steuern.

Man scheut sich aber auch nicht, ganz offen und unverblümt zu versuchen, das politische Meinungsklima außerhalb der USA zu beeinflussen. Im Vorjahr sorgte international für Empörung, als X-Chef Elon Musk persönlich Alice Weidel, die Chefin der deutschen AfD, vor der Bundestagswahl auf X interviewte und ihr damit eine riesige Plattform verschaffte. Und auch innerhalb der USA ist man nicht zimperlich. Trump betreibt mit Truth Social seine eigene Info-Plattform und versteht die Medien vor allem als Instrument, ihn in bestem Licht erscheinen zu lassen. Medienfreiheit ist in den USA dabei zu einem Fremdwort geworden, zumal Trumps Methoden nicht zimperlich sind.

Zugegeben, es ist mühsam geworden, sich verlässlich zu informieren in unserer Zeit. Aber es ist immer noch möglich wie kaum sonstwo auf der Welt. Auch wenn man auch dort zuweilen von der Rolle des um Objektivität bemühten Beobachters in jene eines Beteiligten mit Interessen schlüpft, sind es nach wie vor die klassischen Medien und die klassischen - meist öffentlich-rechtlichen -Rundfunk-und Fernsehanstalten, Verlagshäuser und Zeitungsund Zeitschriftentitel, die es möglich machen.

Das schützt nach wie vor zuverlässig davor, zu Putins oder Trumps "Sprachrohr" oder Musks oder Zuckerbergs Opfer zu werden.

Meine Meinung - Raiffeisenzeitung, 11. Juni 2026

Samstag, 6. Juni 2026

Gemüsebauern klagen über Benachteiligung

 


Erleichterungen bei den Lohnkosten für Saisonarbeiter fordert die Branche seit Langem.

Hans Gmeiner

Salzburg. Seit Jahren klagen die heimischen Gemüsebauern wegen hoher Lohnnebenkosten über Wettbewerbsnachteile auf dem Markt. Außer Versprechungen und Vertröstungen auch von höchsten Stellen gab es freilich wenig für sie. Verbesserungen wurden bisher immer verhindert. „Wir haben es satt“, nimmt sich Stefan Hamedinger, Geschäftsführer des Gemüsebauernverbandes in Oberösterreich, kein Blatt vor den Mund. Auch der Branchenverband Obst und Gemüse forderte erst kürzlich in einem Schreiben an Finanzminister Markus Marterbauer sozialversicherungsrechtliche Erleichterungen für Saisonarbeitskräfte, „um mehr Netto vom Brutto ermöglichen zu können“.

Lohnnebenkosten machen bis zu 50 Prozent der Gesamtkosten aus

„Ständig wird über die höheren Lebensmittelkosten geklagt und bei uns stellt man auf stur, wenn wir Entlohnungsmodelle, wie sie in Bayern und Südtirol üblich sind, fordern“, beklagt Hamedinger. Dort gibt es Modelle, die die speziellen Verhältnisse und Anforderungen im Gemüse- und Obstbau berücksichtigen. Die Lohnnebenkosten insbesondere für Saisonarbeitskräfte seien dort deutlich niedriger. „In vielen europäischen Ländern hat man erkannt, dass man Gemüsebauern und Produzenten von Spezialkulturen, die besonders handarbeitsintensiv sind, entgegenkommen muss.“ In Deutschland etwa bekommen die Saisonarbeitskräfte dank der Sonderregelungen laut Hamedinger mindestens 13,90 Euro pro Stunde. „Unsere Bauern können wegen der hohen Lohnnebenkosten nur neun Euro zahlen, weil bisher nichts geschehen ist.“ Er will nicht akzeptieren, dass Politik und Sozialpartner weiter wegschauen. „Für die Schwerindustrie und andere gibt es Energie- und Stromkostenzuschüsse, für die Landwirtschaft gibt es diesbezüglich bei den Arbeitskosten nichts.“

Bei manchen Gemüsearten machen die Lohnkosten mehr als 50 Prozent der Gesamtkosten aus. Da wächst sich die Differenz bei den Löhnen schnell zu einer drückenden Last im Wettbewerb aus. Pro Hektar Salat beziffern die Gemüsebauern die Mehrkosten mit rund 4000 Euro. Bei Einlegegurken betrage der Nachteil wegen der höheren Arbeitskosten sogar 14.000 Euro pro Hektar. Da verwundert es nicht, dass der Druck aus dem Ausland auf die Gemüsebauern beständig wächst. So ist etwa in Oberösterreich seit dem EU-Beitritt der Marktanteil bei Einlegegurken von 80 auf heute 50 Prozent gesunken. Auch bei frischem Gemüse wie Spargel werden bereits zwei Drittel importiert. Selbst Salat kommt immer öfter aus dem Ausland. Seit Jahren sinkt der Selbstversorgungsgrad.

Bierradi verschwand in Österreich ganz

Verschärfend zu den höheren Arbeitskosten kommt die in Österreich besonders strenge Auslegung der Regeln für Pflanzenschutzmittel hinzu. Während man in Bayern und anderen Ländern die Vorschriften großzügiger auslegt, müssen die heimischen Gemüsebauern auf wichtige Mittel zum Schutz ihres Anbauguts verzichten. Schlagzeilen macht immer wieder der Bierradi, der von Österreichs Gemüsefeldern praktisch verschwunden ist und aus dem benachbarten Bayern importiert werden muss.

Mit der strengen Auslegung der Vorschriften hat auch zu tun, dass heimische Radieschen und heimischer Kohlrabi in den Supermärkten oft ohne Blattgrün verkauft werden, weil Gemüse mit abgefressenen oder löchrigen Blättern liegen bleibt. „Man greift stattdessen leider lieber zur Ware aus dem Ausland, die daneben feilgeboten wird, weil dort wegen der Behandlung mit Pflanzenschutzmitteln, die bei uns nicht erlaubt sind, das Blattgrün dran und nicht zerfressen und löchrig ist“, sagt Hamedinger.

19.600 Hektar Gemüse

In Österreich wird laut Agrarmarkt Austria auf 19.600 Hektar Gemüse angebaut, von denen im Vorjahr rund 726.800 Tonnen Feld- und Gartenbaugemüse geerntet wurden. Die Anbauflächen für Gemüse liegen überwiegend im für den Gemüsebau klimatisch günstigeren Osten des Landes, vor allem in Niederösterreich (mehr als 11.000 Hektar), Oberösterreich (knapp 2000 Hektar) und dem Burgenland (rund 1500 Hektar).

Salzburger Nachrichten - Wirtschaft, 6. Juni 2026


 
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