Donnerstag, 7. Mai 2026

Folklore der Selbstüberschätzung

Die gesetzliche Gleichstellung der Frauen ist heute eine Selbstverständlichkeit. Die Ächtung von Antisemitismus auch. Und auch die Rechte von Minderheiten sind in Gesetzen festgeschrieben. Selbst die von Geflüchteten. Gar nicht zu reden vom Schutz der Umwelt und des Klimas, von Nachhaltigkeitsvorschriften, die Unternehmen abverlangt werden, und vieles andere mehr auch. Politisch wurde lange gekämpft darum, die Wogen gingen zuweilen hoch. Und dennoch, vieles von dem, was da so richtig und wichtig war und dessen Ziele zumeist unstrittig waren, ist nie bei allen Menschen angekommen. Mehr noch. Oft hat es sich geradezu ins Gegenteil verkehrt. Erschreckend ist oft, wie wenig diese Themen akzeptiert und gelebt werden. Die Gleichbehandlung von Frauen ist nicht nur in der Berufswelt, sondern auch und vor allem im Privaten so ein Thema. Auch der regelrecht explodierende Antisemitismus, die immer öfter ungezügelte Fremdenfeindlichkeit und der zuweilen zu beobachtende regelrechte Hass auf Umweltvorschriften. Es ist wie ein Flächenbrand -sogar die Menschenrechtskonvention ist nicht mehr unantastbar und wird inzwischen in Misskredit gezogen.

Wie konnte es dazu kommen, ist zu fragen? Was hat man falsch gemacht? Was wurde übersehen? Das hat wohl viel damit zu tun, dass man zu wenig darauf geachtet hat, möglichst alle Menschen ins Boot zu holen. Anstatt sie ernst zu nehmen, hat man sie nur geringgeschätzt. Man hat ihnen nicht zugehört und sie schnell weltanschaulich und politisch punziert und damit stigmatisiert. Viel zu oft wollte man nicht erkennen, dass sich viele Menschen angegriffen und abgewertet fühlen. Viele fühlen sich überfordert, viele können vieles nicht nachvollziehen, was da verlangt wird.

Aber anstatt sich ernsthaft der Anforderungen dieser Menschen anzunehmen und tatsächlich Fortschritte zu erreichen, ruft man lieber zum tausendsten Mal zu einer Demo auf oder zu einer Lichterkette, wo man die eigenen Ansichten und Vorgaben einer Monstranz gleich vor sich herträgt. Mit den immergleichen Argumenten, mit den immergleichen Methoden und ohne jeden Zweifel darüber, ob man nicht doch etwas falsch macht respektive ohne sich zu fragen, ob man etwas besser und anders hätte machen können, um die eigenen Ziele, die Menschen, die man überzeugen will, zu erreichen. Es ist längst Folklore geworden, was einst als Beginn einer Veränderung gedacht war -Märsche und Demonstrationen der Selbstzufriedenheit, bei denen man nicht erkennen will, dass sie der Sache kaum mehr dienen, sondern nur zusätzliche Widerstände erzeugen.

Und es ist wohl auch von der Verantwortung derer zu reden, die in der öffentlichen Diskussion gerne Gewicht und Bedeutung für sich in Anspruch nehmen und die davon überzeugt sind, zu wissen, was richtig ist. Solche Leute sitzen in politischen Zirkeln, in NGOs, in Medien und sie sind mit ihrem Hintergrund in der Position, die öffentliche Diskussion beeinflussen und nicht selten auch dominieren zu können, ohne auf irgendwen Rücksicht nehmen zu müssen. Sie wissen immer, was zu tun ist, und verschaffen zuweilen Randthemen ein übergebührliches Gewicht. Man kennt es. Gendern ist so ein Thema, LBGTQ wohl auch und manches andere mehr. Man ist nicht zimperlich dabei und teilt die Menschen schnell in Gute und in Schlechte. Dabei sei die Wichtigkeit solcher Themen gar nicht bestritten, aber es geht um die Gewichtung, die man ihnen gibt, und die für Irritation, Verärgerung und oft gar Hass sorgt.

Das hat Folgen. Und es schadet der Sache. Denn längst hat man bei vielen, auch großen Themen genau das Gegenteil erreicht. Längst hat sich die Politik all dieser Themen bemächtigt, die im Land in vielen Bereichen zu einer regelrechten Spaltung geführt haben. Die Gräben sind dabei, immer tiefer zu werden. Weil die einen eine Chance für ihre Interessen sehen und die Stimmung weiter anheizen. Und weil die anderen nicht erkennen wollen, dass sie nach anderen Wegen suchen müssen, wenn es ihnen wirklich ernst sein sollte, die Leute für ihre Anliegen zu gewinnen. Und das nicht nur bei LBGTQ und Gendern. Denn es geht um weitaus Weitreichenderes, das man mit dieser Haltung gefährdet, um die großen Themen, die eingangs genannt wurden -um die Gleichberechtigung von Frauen, um den Antisemitismus, um Umwelt und Klima und auch um die Menschenrechte.

Meine Meinung - Raiffeisenzeitung, 7. Mai 2026

Bauern sehnen sich nach Regen

Die Dürre trifft vor allem Grünlandbauern. Im Ackerbau ist es für Prognosen noch zu früh.

Hans Gmeiner 

Salzburg. Landauf, landab wischen sich derzeit die Bäuerinnen und Bauern auf ihren Mobiltelefonen auf der Suche nach Regen durch die Welt der Wetter-Apps. Viel mehr als die Ankündigung von regionalen Gewittern und Schauern mit geringen Regenmengen finden sie derzeit nicht. Größere Regenmengen prognostiziert österreichweit keine der Wetter-Apps. „Dabei bräuchten wir dringend ein paar Tage mit einem ordentlichen Landregen“, sagt Helmut Feitzlmayr, Pflanzenbau-Chef in der Landwirtschaftskammer Oberösterreich. „Es zeichnen sich aber keine größeren Niederschläge ab.“ Auf den Wiesen steht das Gras nur kurz, bereits gemähte Grünlandflächen sind oft mehr braun als grün. Die Felder sind staubtrocken, die Saat geht da und dort nur zögerlich auf, in Getreidefeldern sind die Probleme an den Aufhellungen zu erkennen. Statt eines satten Grüns zeigen blasse Bestände, dass sie Wasser bräuchten.

Statt sattem Grün nur blasse Bestände

Die Monate März und April waren heuer nach Angaben von Geosphere Austria so trocken wie noch nie seit Messbeginn im Jahr 1898. Allein im April betrug das Niederschlagsdefizit in Österreich rund 70 Prozent. Auf einer Österreich-Karte, die die Niederschlagsdefizite von März und April zeigt, zieht sich die rote Fläche, die Regionen mit 60 bis 100 Prozent Defizit markiert, vom Wald- und Mühlviertel über das Innviertel bis hinein in den Salzburger Flachgau. Dunkelrot markiert sind auch Teile des Salzburger Pongaus, der gesamte Lungau, Osttirol, Kärnten und die südliche Steiermark. In Salzburg fehlten laut Geosphere Austria allein im April 72 Prozent der Niederschläge gegenüber dem Mittel der Jahre 1991 bis 2020.

Bauern haben gelernt, mit Trockenphasen umzugehen

Die Bauern haben in den vergangenen Jahren gelernt, mit Trockenphasen umzugehen. Fruchtfolgen wurden umgestellt, Früchte wie Sommergerste verschwanden von den Feldern, während der Anbau von Soja und Mais ausgeweitet wurde. Zudem wurde die Bodenbearbeitung angepasst und neue Aussaatverfahren entwickelt, um das schnelle Austrocknen der Felder zumindest zu bremsen. Tierhalter mit Ackerflächen weichen auf Ganzpflanzensilage aus oder setzen beim Zwischenfruchtanbau bewusst auf Futterpflanzen.

Das freilich ist nicht überall möglich. Die größten Probleme mit der Trockenheit haben derzeit die reinen Grünlandbauern. Der erste Schnitt, der in diesen Wochen eingebracht wird, ist der wichtigste Teil der Grünlandernte. „Darauf entfällt normalerweise rund ein Drittel der Jahresernte“, sagt Michael Wöckinger von der Landwirtschaftskammer Oberösterreich. Heuer sind die Wiesenbestände nur halb so hoch wie in Normaljahren. Wenn die Bauern die Hälfte ernten, müssen sie schon zufrieden sein. Für Panik sieht man allerdings dennoch keinen Grund. „Wir haben 2025 ein sehr gutes Jahr gehabt, viele Bauern können noch auf Futtervorräte von damals zurückgreifen“, sagt Wöckinger. „Es kommt sehr viel auf die Strategie der Betriebe an und darauf, wie sich das Wetter zum zweiten Schnitt hin entwickelt, der im Juni ansteht.“

Noch kein Grund zur Panik

Einen positiven Effekt könnte die derzeitige Situation freilich auf den Milchmarkt haben. Im Vorjahr wuchs die Milchproduktion nicht zuletzt auch wegen des hohen Futterangebots stark und sorgte wegen des Überangebots gegen Jahresende für einen starken Rückgang des Erzeugermilchpreises, von dem sich der Markt bisher nicht erholt hat. Dass es heuer weniger Futter gibt, könnte sich auf die Lieferungen dämpfend und stabilisierend auf den Markt auswirken.

Wind trocknet die Böden aus

Im Ackerbau ist die Lage angespannt, aber noch nicht verloren. „Für ernsthafte Prognosen über Auswirkungen auf die Ernte ist es jetzt noch zu früh“, sagt Feitzlmayr. Bei Wintergetreide sehe man aber schon seit Wochen, dass es vor allem auf Standorten mit leichten Böden Probleme gebe. Das werde sich sicherlich auch in schlechteren Ernteerträgen zeigen. „Aber auch auf den besseren Böden sehen wir jetzt seit Tagen zunehmend Auswirkungen.“ Zudem mache der ständige Wind, der das Austrocknen der Böden beschleunigt, zunehmend Probleme. Früh angebautes Wintergetreide sei noch etwas im Vorteil, weil es besser verwurzelt ist und die Bestände dichter seien. „Aber auch da muss in den nächsten Tagen Regen kommen, weil sonst haben wir auch auf den guten Standorten Probleme.“

Wenn die Saat tief genug in den noch feuchten Bodenhorizont ausgebracht und kein Fehler in der Bodenbearbeitung gemacht wurde, ist bei den Frühjahrssaaten Zuckerrüben, Mais und Sojabohne derzeit noch alles in Ordnung. „Diese Kulturen halten trockene Verhältnisse am längsten aus“, sagt Feitzlmayr.

Probleme sieht er nur beim Ölkürbis, der in diesen Tagen nicht nur in der Steiermark, sondern auch in Nieder- und in Oberösterreich gesät wird. „Den legt man jetzt in den trockenen Staub, dazu kommt, dass der Pflanzenschutz auch nicht wirkt.“

Salzburger Nachrichten - Wirtschaft, 7. Mai 2026 

 
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