Montag, 2. März 2026

Der Milchmarkt rutscht tief in die Krise

Die guten Preise verlockten zur Steigerung der Produktion. Die Folgen: Die Preise für die Bauern sinken. Der Druck seitens des Handels ist groß.

Hans Gmeiner

Salzburg. Es ist kein Jahr her, da war bei den Milchbauern und bei den Molkereien die Stimmung gut und die Welt in Ordnung. Die Preise passten und der Absatz auch. Jetzt aber steckt man wieder einmal im Tal der Tränen. „Der Milchmarkt ist aus dem Ruder“, tönt es von überall her. Die Bauernmilchpreise rutschen. Vor dem Hintergrund der gestiegenen Produktionskosten tut das den Bauern besonders weh.

32 Cent pro Liter Milch für irische Bauern

Seit vergangenem Herbst sinken die Preise, die die Bauern für ihre Milch bekommen. In Deutschland waren die Blauzungenkrankheit und die Maul- und Klauenseuche, die für einen starken Rückgang der Produktion sorgten, überwunden. Zudem sorgte das außerordentlich gute Futterangebot auf den Wiesen und Weiden international für einen starken Anstieg der Produktion, weil die Preise verlockend waren – auch in Österreich, wo die Bauern mit einem Mal rund sieben Prozent mehr Milch an die Molkereien lieferten als noch ein Jahr zuvor. „Wir werden überschüttet mit Milch“, heißt es aus den Molkereien. Und das ist auf den internationalen Märkten, aber auch in Österreich, Gift für die Preise. Dass die USA und China ihre Märkte mit Zöllen abschotteten, machte die Lage noch schwieriger. Die Preise purzelten. In Irland bekommen die Bauern gerade noch 32 Cent pro Kilogramm Milch, in den Niederlanden und Deutschland 38 Cent, gut 20 Prozent weniger als noch vor Jahresfrist.

Österreichs Milchbauern stehen vergleichsweise gut da. Auch sie mussten in den vergangenen Monaten gleich mehrere Preisreduktionen hinnehmen. Noch bekommen die Bauern aber deutlich über 40 Cent netto für ihre Milch. Der niedrigste Bauermilchpreis liegt derzeit bei 42 Cent netto. Das Gros der Molkereien zahlt derzeit 44 bis 46 Cent netto pro Kilogramm Milch. Noch.

Helmut Petschar, Chef der Kärntnermilch und Präsident des Milchverbandes Österreich, will den Bauern keine falschen Hoffnungen machen. Die Durststrecke werde bis in den Herbst hinein anhalten, meint er. „Die Preise werden sich wohl zwischen 42 und 44 Cent einpendeln“, erwartet er. „Aber über 40 Cent werden wir bleiben.“

Mehr Milch für Kälberaufzucht

Diese Einschätzung wird auch aus anderen Molkereien bestätigt. Eine Kehrtwende beim Milchpreis sei nicht in Sicht. Sorgen macht die unvermindert hohe Anlieferung. „Die Lieferspitze, die wir normalerweise in Österreich im Mai erreichen, haben wir heuer schon im Februar erreicht“, sagt ein Molkereichef im Gespräch mit den SN und fragt: „Was werden wir dann erst im Mai erleben?“

Auch wenn da und dort Eingriffe in den Markt und Lieferbeschränkungen gefordert werden, sind sich Politik, Bauernvertreter und Molkereien einig darin, dass sich der Markt selbst regulieren muss. Von den Bauern wünscht man sich vor allem, dass sie in der Kälberaufzucht mehr eigene Milch einsetzen und die Fütterungsintensität zurückfahren.

Dass Viertelkilo Butter um weniger als einen Euro

Aber auch vom Handel fordert man einen Beitrag. „Wenn man Versorgungssicherheit haben will, muss man auf die Bauern schauen“, sagt Molkereiensprecher Petschar. Wie schon so oft mahnt er vom Handel „Fairness entlang der Wertschöpfungskette“ ein. Im Fokus der Kritik stehen nicht nur bei den Molkereien, sondern auch bei den Bauern vor allem die aktuellen Schleuderaktionen. Das Viertel Butter war in den vergangenen Wochen schon um weniger als einen Euro zu haben, H-Milch um 63 Cent pro Liter. „Das ist nichts als Wertvernichtung“, schimpft Petschar. Zudem schadeten die Teuerungsdiskussion und die Mehrwertsteuersenkung für bestimmte Lebensmittel.

Damit nicht genug. Unter den Eigenmarken der Handelskonzerne kommen große Mengen ausländischer Ware, insbesondere Schnittkäse, in die heimischen Supermarktregale. Die Bauern und die Molkereien ärgert seit Langem, dass sich dabei insbesondere Handelsketten, die sich gerne damit brüsten, die heimische Landwirtschaft zu unterstützen, besonders hervortun. „Wir wünschen uns daher auch bei Handelsmarken die Einführung einer Herkunftskennzeichnung“, will Petschar diesem Trend einen Riegel vorschieben.

Bei Biomilch ist die Welt noch in Ordnung

Einigermaßen unbehelligt von den Schwierigkeiten blieb bisher der Markt für Biomilch. Dort ist die Welt noch in Ordnung. Dennoch wächst die Sorge, dass man in den Strudel hineingeraten könnte. „Wenn der Preisabstand zur konventionellen Milch zu groß wird, könnte es auch für uns eng werden“, heißt es dort.

Salzburger Nachrichten - Wirtschaft, 2. März 2026

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