Die Einkommen der Landwirte legten im Vorjahr um 21,2 Prozent zu. Ein Auf und Ab bei den Preisen und Produktionsmengen ist normal. Das Wirtschaften macht es aber schwierig.
Hans GmeinerSalzburg Die Bauernproteste in Brüssel waren zuletzt heftig wie lang nicht. Mit dabei war auch eine Delegation österreichischer Landwirte. „Bauerntod ist Hungersnot“ war auf der Tafel zu lesen, die Josef Moosbrugger, der Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, trug, der die österreichische Delegation anführte. „Immer mehr Auflagen und Kosten bei immer weniger Erlös gehen sich auf Dauer nicht aus“, hieß es. Die Statistik sagt anderes.
Nach einer ersten Schätzung der Statistik Austria legten die Bauerneinkommen im Vorjahr inflationsbereinigt um nicht weniger als 21,2 Prozent gegenüber dem Jahr davor zu. Die Nettounternehmensgewinne wuchsen demnach sogar um 31,7 Prozent. Der wichtigste Grund dafür: Der Produktionswert des agrarischen Wirtschaftsbereichs legte um zehn Prozent zu, die Aufwendungen für die Vorleistungen, also die Kosten für Futter, Energie und Düngemittel, legten hingegen um nur 3,7 Prozent zu.
Im EU-Vergleich liegt Österreich im Spitzenfeld
Im EU-Vergleich liegt Österreich mit diesen Zahlen im Spitzenfeld. Besser lief es im Vorjahr für die Landwirtschaft nur in Luxemburg, Polen, Estland und Rumänien. Im Durchschnitt legte in der Europäischen Union die landwirtschaftliche Bruttowertschöpfung um 10,3 Prozent zu.
Die größten Zuwächse gab es in Österreich wegen des unvermindert hohen Preisniveaus in der Rinderproduktion. Dort lag der Gesamtproduktionswert um knapp 25 Prozent über dem Niveau von 2024. Auch bei Milch, wo die Preise seit Oktober unter Druck sind, gab es mit plus 13 Prozent einen kräftigen Anstieg des Produktionswerts. Im Pflanzenbau gab es immer noch ein Plus von zehn Prozent. Rückgänge verzeichneten nur die Schweinebauern (minus 6,8 Prozent), die Erdäpfelproduzenten (minus 9,5 Prozent) und die Zuckerrübenbauern (minus 39,6 Prozent).
Einkommen schwanken stark
Überbewerten darf man diese Zahlen freilich nicht. Die Bauerneinkommen gleichen seit Jahren einer Hochschaubahn, auf der Zuwächse von mehr als 20 Prozent, aber auch Rückgänge in derselben Größenordnung die Regel sind. So pendelte der Index für das Einkommen je Arbeitskraft in den vergangenen 20 Jahren zwischen 137,9 (2022) und 93,2 (2014). Für 2025 schätzt die Statistik Austria den Index auf 135,8.
Gerade diese Volatilität aber, dieses Auf und Ab, macht das Wirtschaften für viele Bauern so schwierig. Und auch das Wetter spielt dabei eine entscheidende Rolle. Die größte Herausforderung aber ist die Entwicklung der Preise. Angesichts der internationalen Verflechtungen sind Abschätzungen hier schwer. Zu schnell erweist sich Optimismus als falsch, und zu lang dauert es – gerade in der landwirtschaftlichen Produktion mit ihren langen Vorlaufzeiten –, reagieren zu können. Tiere kann man nicht kurzfristig einfach entfernen, Felder nicht einfach umackern und neu bestellen.
Probleme bei Milch und Schweinefleisch
„Der größte Feind des guten Preises ist der gute Preis.“ Den Wahrheitsgehalt dieses Satzes erleben seit dem Herbst wieder einmal die heimischen Milchbauern. Angesichts der guten Preise steigerten sie die Produktion binnen weniger Monate um nicht weniger als sechs Prozent. Weil auch international die Anlieferungen deutlich stiegen, stürzten nicht nur die Produktpreise im Handel in den Keller, sondern auch die Erzeugermilchpreise. Seither ist bei den Milchbauern – wieder einmal – Feuer am Dach. In den vergangenen Wochen nahmen alle Molkereien im Land die Bauernmilchpreise zurück. Wie es weitergehen wird, bleibt spannend. In der Schweinezucht läuft die Entwicklung nicht anders. Dort ist das Auf und Ab der Preise als „Schweinezyklus“ zum Begriff in der Wirtschaftswissenschaft geworden.
Die Politik hat seit Jahrzehnten keine Antwort auf diese Fragen gefunden, sie kann allenfalls die Aufregung moderieren. Bei wirklich großen Themen sind die Erfolge bescheiden. Bei kleineren Themen, die man in der Hand hätte, wie etwa bei der Schaffung einer durchgängigen Herkunftsbezeichnung für die Produkte, ist es nicht anders.
Nur vier von 100 Euro, die für Lebensmittel ausgegeben werden, landen beim Bauern
Die Versuche der Bauern und ihrer Vertreter, ihre Arbeit und ihre Rolle für die Gesellschaft ins Spiel zu bringen, verfangen immer weniger, wenn sie sich nicht überhaupt längst totgelaufen haben. In der Wertschöpfungskette spielt die Landwirtschaft eine untergeordnete Rolle. Diese auszubauen, gelingt nicht. Nur 4 von 100 Euro, die für Lebensmittel ausgegeben werden, landen bei den Bauern. Die Landwirtschaft wird immer öfter als Partner nicht mehr ernst genommen. Die Bauern müssen damit zurechtkommen.
Nach einer ersten Schätzung der Statistik Austria legten die Bauerneinkommen im Vorjahr inflationsbereinigt um nicht weniger als 21,2 Prozent gegenüber dem Jahr davor zu. Die Nettounternehmensgewinne wuchsen demnach sogar um 31,7 Prozent. Der wichtigste Grund dafür: Der Produktionswert des agrarischen Wirtschaftsbereichs legte um zehn Prozent zu, die Aufwendungen für die Vorleistungen, also die Kosten für Futter, Energie und Düngemittel, legten hingegen um nur 3,7 Prozent zu.
Im EU-Vergleich liegt Österreich im Spitzenfeld
Im EU-Vergleich liegt Österreich mit diesen Zahlen im Spitzenfeld. Besser lief es im Vorjahr für die Landwirtschaft nur in Luxemburg, Polen, Estland und Rumänien. Im Durchschnitt legte in der Europäischen Union die landwirtschaftliche Bruttowertschöpfung um 10,3 Prozent zu.
Die größten Zuwächse gab es in Österreich wegen des unvermindert hohen Preisniveaus in der Rinderproduktion. Dort lag der Gesamtproduktionswert um knapp 25 Prozent über dem Niveau von 2024. Auch bei Milch, wo die Preise seit Oktober unter Druck sind, gab es mit plus 13 Prozent einen kräftigen Anstieg des Produktionswerts. Im Pflanzenbau gab es immer noch ein Plus von zehn Prozent. Rückgänge verzeichneten nur die Schweinebauern (minus 6,8 Prozent), die Erdäpfelproduzenten (minus 9,5 Prozent) und die Zuckerrübenbauern (minus 39,6 Prozent).
Einkommen schwanken stark
Überbewerten darf man diese Zahlen freilich nicht. Die Bauerneinkommen gleichen seit Jahren einer Hochschaubahn, auf der Zuwächse von mehr als 20 Prozent, aber auch Rückgänge in derselben Größenordnung die Regel sind. So pendelte der Index für das Einkommen je Arbeitskraft in den vergangenen 20 Jahren zwischen 137,9 (2022) und 93,2 (2014). Für 2025 schätzt die Statistik Austria den Index auf 135,8.
Gerade diese Volatilität aber, dieses Auf und Ab, macht das Wirtschaften für viele Bauern so schwierig. Und auch das Wetter spielt dabei eine entscheidende Rolle. Die größte Herausforderung aber ist die Entwicklung der Preise. Angesichts der internationalen Verflechtungen sind Abschätzungen hier schwer. Zu schnell erweist sich Optimismus als falsch, und zu lang dauert es – gerade in der landwirtschaftlichen Produktion mit ihren langen Vorlaufzeiten –, reagieren zu können. Tiere kann man nicht kurzfristig einfach entfernen, Felder nicht einfach umackern und neu bestellen.
Probleme bei Milch und Schweinefleisch
„Der größte Feind des guten Preises ist der gute Preis.“ Den Wahrheitsgehalt dieses Satzes erleben seit dem Herbst wieder einmal die heimischen Milchbauern. Angesichts der guten Preise steigerten sie die Produktion binnen weniger Monate um nicht weniger als sechs Prozent. Weil auch international die Anlieferungen deutlich stiegen, stürzten nicht nur die Produktpreise im Handel in den Keller, sondern auch die Erzeugermilchpreise. Seither ist bei den Milchbauern – wieder einmal – Feuer am Dach. In den vergangenen Wochen nahmen alle Molkereien im Land die Bauernmilchpreise zurück. Wie es weitergehen wird, bleibt spannend. In der Schweinezucht läuft die Entwicklung nicht anders. Dort ist das Auf und Ab der Preise als „Schweinezyklus“ zum Begriff in der Wirtschaftswissenschaft geworden.
Die Politik hat seit Jahrzehnten keine Antwort auf diese Fragen gefunden, sie kann allenfalls die Aufregung moderieren. Bei wirklich großen Themen sind die Erfolge bescheiden. Bei kleineren Themen, die man in der Hand hätte, wie etwa bei der Schaffung einer durchgängigen Herkunftsbezeichnung für die Produkte, ist es nicht anders.
Nur vier von 100 Euro, die für Lebensmittel ausgegeben werden, landen beim Bauern
Die Versuche der Bauern und ihrer Vertreter, ihre Arbeit und ihre Rolle für die Gesellschaft ins Spiel zu bringen, verfangen immer weniger, wenn sie sich nicht überhaupt längst totgelaufen haben. In der Wertschöpfungskette spielt die Landwirtschaft eine untergeordnete Rolle. Diese auszubauen, gelingt nicht. Nur 4 von 100 Euro, die für Lebensmittel ausgegeben werden, landen bei den Bauern. Die Landwirtschaft wird immer öfter als Partner nicht mehr ernst genommen. Die Bauern müssen damit zurechtkommen.
Salzburger Nachrichten - Wirtschaft, 12. Jänner 2026

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