Donnerstag, 16. Juli 2026

Der "Wetter-Wumms" hält uns im Schwitzkasten

Die deutsche Bild-Zeitung kann Schlagzeile immer noch am besten. Natürlich auch im Sommer. Und natürlich auch wenn es um die Hitze geht. "Jeden Tag heiß -Diese Woche kommt der Wetter-Wumms" hieß es am Montag dieser Woche deftig. Der allseits bekannte schweizerisch-deutsche Wetterfrosch Jörg Kachelmann gab bereits in der vorigen Woche die Losung aus, dass das heuer ein, verzeihen sie den Ausdruck, "Scheiß-Sommer" werde.

Das Wetter gibt einiges her in diesen Wochen. Nicht nur bei "Bild", nicht nur in Deutschland, auch bei uns. Überall purzelten heuer bereits die Hitzerekorde. Der Juni war der heißeste Juni seit den Temperaturaufzeichnungen. Die Meere sind warm wie nie. Vor Hitzetoten wird gewarnt. Regen ist nicht in Sicht. Und 40 Grad sind keine magische Grenze mehr, sondern gelten vielerorts schon fast als das neue Sommer-Normal.

Mittlerweile macht die Hitze nicht nur den Bauern Sorgen. "Anhaltende Dürre verschärft die Lage" vermelden die Medien. Das Wasser wird da und dort bereits knapp, die Grundwasserspiegel sinken, Brunnen fallen trocken und die eine oder andere Gemeinde hat bereits Richtlinien für die Wassernutzung herausgegeben, namentlich das Füllen von Pools, das Sprengen von Rasenflächen und das Wässern der Gemüsepflanzen im Garten.

Und dennoch macht sich keine große Aufregung breit. Immer noch streitet man gerne darüber, ob das nun der "Klimawandel" sei oder bloß das "Wetter"."Heiß war es früher auch", ist immer wieder zu hören. Und wenn irgendwo ein Gewitter niedergeht, findet sich immer jemand, der sich über die Warnungen lustig macht. "Ja, ja, heiß und trocken ist es", postet man dann samt zahllosen Smileys. Längst ist das Thema Klimaschutz auch politisch besetzt. Wer warnt, ist links und grün, wer all die Warnungen für überzogen hält, ist rechts. Beide Seiten versuchen daraus politisches Kapital zu schlagen. Für den Beobachter drängt sich der Eindruck auf, als seien die Rechten dabei weitaus erfolgreicher. Dort redet man allenfalls vom "sogenannten Klimawandel", meist aber gänzlich ungeniert von "Klimahysterie".

Die dazwischen, wie in Österreich die Regierungsparteien, namentlich die ÖVP, tun sich schwer, ihre Position zu finden. Auf der einen Seite erkennen und anerkennen sie sehr wohl den Klimawandel, auf der anderen Seite fühlen sie sich aber auch in der Verantwortung, dass sie die Wirtschaft nicht abwürgen dürfen und auch die Bevölkerung bei Laune halten müssen, wenn es um Klimaschutz geht.

Das aber scheint nur auf dem Papier zu gelingen. Erst jüngst veröffentlichte das Umweltbundesamt, dass die Österreicherinnen und Österreicher dem Thema Klima-und Umweltschutz durchaus verständnisvoll gegenüberstehen. Nur acht Prozent halten demnach das Thema für Humbug, der große Rest aber steht dem Thema durchaus verständnisvoll gegenüber -wenn es Förderungen gibt, bessere Kennzeichnung und Ähnliches. Kurzum: Wenn sie selbst nicht allzu viel dazu tun müssen.

Umfragen sind, man weiß es, das eine, die Realität ist das andere. Und das ist und bleibt wohl die Krux. Unverständlich ist das freilich nicht. Denn in der Realität gilt eher "Da kann man eh nichts machen, schon gar nicht das kleine Österreich." Das nimmt nicht wunder angesichts der Kriege in der Welt, der Entwicklung des internationalen Flugverkehrs, der Umweltzustände außerhalb Europas und der geringen Bereitschaft der internationalen Gemeinschaft, das Thema Klimawandel ernsthaft anzugehen.

Einstweilen versucht man sich selbst zu helfen und will sich nicht irre machen lassen. Man richtet sich in der Hitze ein, um mit den hohen Temperaturen zumindest einigermaßen zurechtzukommen. Das wirkt schneller. Zu tun gibt es auch abseits der zuweilen irrlichternden nationalen und internationalen Klimapolitik ohnehin genug. Der Bogen reicht von Klimatisierung von Altenheimen, Spitälern und Schulen bis hin zu Öffis.

Dennoch gilt es am Bewusstsein für schnellwirkende und effiziente Maßnahmen noch zu arbeiten. Wie anders ist zu erklären, dass immer noch Parkflächen vor Supermärkten ohne Baumbestand bewilligt werden und in Städten und Gemeinden Plätze mit Steinen und Asphalt versiegelt werden, auf denen allenfalls eine paar kleine Alibi-Bäume ihre trauriges Leben fristen.

Wenn sich das ändern würde, käme man zumindest mit einem "Wetter-Wumms", wie er angeblich wieder droht, besser zurecht.

Meine Meinung - Raiffeisenzeitung, 16. Juli 2026

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