
Es sollte besonders sein, doch es war wie immer bei Veranstaltungen dieser Art. Vom „Land der Leistung“ sprach der Landeshauptmann beim Parteitag seiner Partei in Oberösterreich, das er seit Jahren und seine Partei seit Jahrzehnten regiert. Vom „Land des Miteinander“ und vom „Land der Möglichkeiten“. Und natürlich vom „Kinderland“, vom „Kulturland“ und vom „Uni-Land“. Und davon, dass in Zeiten wie diesen kein „Luftschlösserbauen“ gefragt sei und „keine Show“.
Und dennoch war der Parteitag der oberösterreichischen ÖVP, der vorigen Freitag in Linz über die Bühne ging, eine Show. Eine, wie viele andere auch, wenn Parteien meinen, Eindruck machen zu müssen beim Volk. Und das gilt nicht nur für die Volkspartei, das gilt für alle. Sprechblasen, Superlative, Aussagen, die beeindruckend klingen mögen, aber ganz sicher zu einem nicht reichen – die Menschen draußen, um die es bei ihrer Politik vorgeblich geht, zu erreichen.
Selbst Funktionäre tun sich zuweilen schwer damit hinauszutragen, was ihnen dort eingebläut und eingeimpft wurde. Denn dort ist die Wirklichkeit oft eine andere, und nicht selten scheitert ihr aufgepimptes Engagement schon an den ersten Wider-Sätzen. Schnell müssen sie erkennen, dass der Politsprech vom Parteitag bei denen, die ihre Partei wählen sollen, nicht ankommt. Und das aus vielerlei Gründen. Weil die Lebenswelten und die Sorgen, Wünsche und Bedenken andere sind, als man in den Zentralen meint. Weil man ihnen nicht mehr glaubt, was sie versprechen, weil sie schon zu oft enttäuscht haben, und weil, was sie versprochen haben, zu oft nicht eingehalten wurde und sich als Windei entpuppte. Und, das vor allem, weil man nicht die Sprache der Leute spricht, weil man auf ihre Fragen keine Antworten hat, und wohl auch, weil man das vorsorglich zur Seite schiebt, was unangenehm ist – Themen wie Probleme in den Schulen, mit dem Verkehr, mit Immigranten, mit der Teuerung und mit vielem anderem. Antworten auf Fragen von Eltern, deren Kinder in Klassen sitzen, in denen kaum jemand Deutsch versteht, hat man nicht. Und auch nicht für junge Paare, die davon träumen, zu Wohnungseigentum zu kommen und sagen, „bei unseren Eltern ist das gegangen, aber wir können nicht einmal dran denken, weil alles so unerschwinglich ist“.
Dieser Bogen, der in den vergangenen Jahren auch von einer intellektuellen Elite mit zunehmendem Druck, der immer auch eine Verachtung für Andersdenkende innewohnte, entwickelt wurde, reicht weit – auch, was man „nicht mehr sagen darf“ gehört dazu, Verständnis für LGBTQ, das Gendern und vielerlei Geschlechter und andere Themen, die gesellschaftlicher Mainstream geworden sind, gegen den sich zu stellen kaum jemand wagt. Das reicht tief und geht in die persönliche Betroffenheit, dorthin, wo selbst Menschen, die sich um Aufgeschlossenheit bemühen, ihre Grenzen haben.
Da greift man schnell zu Floskeln, redet um klare Antworten herum, will nicht auf den Punkt kommen und vergrault dabei die Menschen mit Belehrungen und Aufforderungen, die sie nicht nachvollziehen können. Und das nicht so sehr, weil sie das nicht wollen, sondern, weil sie die Antworten, die sie gerne hätten, aber nicht kriegen, woanders bekommen. Bei einer Partei und bei deren Anführer, die keine oder kaum Verantwortung trägt in diesem Land. Die nichts lösen müssen und die alles versprechen können. Sie schauen, wie es so schön heißt, nicht nur dem „Volk auf den Mund“, sondern sie reden dem Volk auch „nach dem Mund“.
Alle anderen können das nicht mehr. Haben es verlernt im Gestrüpp der politischen Verantwortung, in der man sich verheddert hat und vor allerlei Rücksichtnahmen von den Bedürfnissen der Leute entfernt hat. Sie meiden die Auseinandersetzung mit den heiklen Themen und haben keine Antworten darauf, die befriedigen könnten. Die Menschen, deren Stimme man haben will, zu überzeugen, schafft man immer weniger.
Derweil klettert der, der auf diesem Klavier die klaren Töne anschlägt und den Leuten zumindest das Gefühl gibt, gehört zu werden, in den Umfragen immer höher. In der vorigen Woche legte Kickl in der Kanzlerfrage-Hochrechnung um zwei Prozent auf nunmehr 45 Prozent zu, während Stocker und Babler, ohnehin weit abgehängt, je einen Prozentpunkt verloren. „Das freut mich sehr und ist eine schöne Bestätigung unserer Arbeit – vielen Dank“ postete er auf Facebook. Man kann es ihm nicht verdenken.
Meine Meinung - Raiffeisenzeitung, 30. Mai 2026
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