Mit rund 400 Traktoren fuhren Landwirte am Mittwoch in Wien auf. Sie beklagen steigende Kosten – und das bei sinkenden Preisen.
Hans Gmeiner
Salzburg. Die Bilder erinnerten ein bisschen an die großen Bauerndemonstrationen vor zwei Jahren in Deutschland, Brüssel und Frankreich. Hunderte Bauern trafen sich am Mittwochnachmittag vor dem Landwirtschaftsministerium in Wien zu einer Demo, rund 400 nahmen mit ihren Traktoren teil. Das Motto: „Mit den Bauern scherzt man nicht.“ Aufgerufen zur Demo hatte ursprünglich das Bündnis Zukunft Landwirtschaft, das seine Wurzeln im Burgenland hat. Schlussendlich haben sich mit dem Protest praktisch alle Bauernorganisationen solidarisiert. Sogar der ÖVP-Bauernbund und Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP), an die sich der Protest eigentlich richtete, nahmen an der Veranstaltung teil, mit der man auf die aktuellen Bauernsorgen aufmerksam machen wollte.
Die heimischen Landwirte leiden unter den derzeit rasant steigenden Kosten für Treibstoff und Betriebsmittel im Gefolge der internationalen Krisen ganz besonders, weil auf der anderen Seite die Preistendenz bei Getreide, Milch und auch Fleisch seit Monaten deutlich nach unten zeigt. Eine Wende ist nicht in Sicht. Mitunter sind die Bauern freilich selbst nicht unschuldig daran. Obwohl seit mittlerweile fünf Monaten die Preise, die sie für Milch bekommen, kontinuierlich sinken, liegt die monatliche Anlieferung an die Molkereien immer noch um sechs Prozent über dem Vorjahresniveau.
Besonders unter Druck sind die Getreidebauern. „Momentan ist die Rentabilität des Ackerbaus infrage gestellt“, sagte erst dieser Tage der Präsident der oberösterreichischen Landwirtschaftskammer, Franz Waldenberger. Eine Wende ist nicht in Sicht, die Getreidelager sind gut gefüllt. „Es müsste irgendwo zu einer großen Missernte kommen, damit die Preise anspringen“, macht der Pflanzenbau-Experte Helmut Feitzlmayr den Bauern wenig Hoffnung.
Einer Berechnung aus Oberösterreich zufolge kostet die derzeitige Krise die Ackerbauern bei einer durchschnittlichen Fruchtfolge durch die Verteuerungen rund 150 Euro je Hektar, das ist rund ein Drittel, oft sogar die Hälfte von dem, was vom Erlös nach Abzug der Kosten bleibt. Rund ein Drittel davon entfällt demnach auf höhere Dieselkosten und zwei Drittel auf höhere Düngekosten.
Eine der zentralen Forderungen ist seit Tagen die Wiedereinführung des verbilligten Agrardiesels, der im Vorjahr abgeschafft wurde. Sie würde den Staat insgesamt rund 80 Millionen Euro kosten und für den einzelnen Bauern den Preis für Diesel um rund 37 Cent verringern.
Beim Dünger wird allerdings heißer gekocht als gegessen. Die aktuell so stark gestiegenen Preise werden für die meisten Bauern erst ab dem kommenden Jahr spürbar – wenn die Preise so hoch bleiben. Für dieses Jahr hat sich der Großteil der Landwirte bereits im Herbst mit damals noch günstigem Dünger eingedeckt, der für die heurige Ernte verwendet wird.
Dass bei der Demo im letzten Abdruck auch der Bauernbund aufgesprungen ist und der Landwirtschaftsminister teilnahm, entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie: Bei einer der zentralen Forderung – der verpflichtenden Herkunftskennzeichnung – holen sie sich ausgerechnet bei ihren Parteikollegen vom VP-Wirtschaftsbund und der Wirtschaftskammer seit Jahren regelmäßig Abfuhren.
Für die Bauern ist das unverständlich, zumal auch in Brüssel Bemühungen, die Herkunft der agrarischen Produkte besser auszuschildern, nicht vorankommen, wo Totschnig sagt, sich dafür einzusetzen. Auch bei der Forderung nach weniger Bürokratie fühlen sie sich noch zu wenig gehört.
Salzburger Nachrichten - Wirtschaft, 2. April 2026

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