Donnerstag, 27. August 2026

Wer ist das neben uns?

Er nannte sich "Fritz Berg" und trat mit einem gefälschten Spiegel-Cover mit dem Titel "Die gefährlichste Frau Österreichs" auf X eine beispiellose Hassorgie gegen unsere Außenministerin los. Sein Posting "Sogar der deutsche Spiegel warnt schon vor diesem niederträchtigen Individuum" war nur der Anfang. Dutzende Postings von X-Usern folgten, die Beate Meinl-Reisinger durch den Dreck zogen und alles Mögliche nannten. "Beate Häusl-Reiniger" zählte dabei noch zu den "geringeren" Verunglimpfungen. Zwei Tage später waren die Hasspostings und auch der Eintrag von "Fritz Berg" nicht mehr zu finden.

Im Vergleich dazu kam der Vizekanzler des Landes in der vorigen Woche glimpflich davon, als er sich zur Einigung über das Klimaschutzgesetz äußerte. "Vom Babler hör ich nur blabla" postete ein "dominik.v.H.","Ich will nicht von einem Clown wie ihnen vertreten werden" ein gewisser "Bob Shelton" oder schlicht "Der nächste sinnlose Schei einer sinnlosen regierung" von einem "Adrian Vollmann"."Schei " natürlich ausgeschrieben.

Der Landwirtschafts-und Klimaminister, der im Streit um die Dürreentschädigung von allen Seiten attackiert wurde, wurde vergleichsweise gnädig behandelt. Zu lachen hatte freilich auch er nichts, als die "Tagespresse" mit ihm Geld und Klicks zu machen versuchte. "Schnelle Hilfe nach Ernteausfällen -Fasten-Tipps von Norbert Totschnig" hieß es da, "Vorbild Saddam Hussein: Totschnig versteckt sich seit Wochen in einem Erdloch" oder schlicht "Vermisst -Klimaminister Norbert Totschnig seit 2022 spurlos verschwunden. Politisch kleinwüchsig, völlig unauffällig. Hinweise erbeten!"

Als Politiker muss man viel aushalten. Keine Frage. Es ist wohl das, was man gemeinhin dicke Haut nennt, die ihnen abverlangt wird.

Dass Politiker und natürlich auch Politikerinnen, man denke nur an die Kanzleramtsministerin, oft nachgerade als Freiwild gesehen werden, an dem man sein Mütchen kühlen kann und wo keinerlei Anstandsregeln gelten, ist das eine. Das wird auch immer wieder thematisiert. "Politikerinnen und Politiker müssen mehr, aber nicht alles ertragen", heißt es dann. Sie müssten auch einstecken können. Zumal auch die Politiker und Politikerinnen keine Unschuldslämmer sind.

Von der anderen Seite, die sich so ungeniert über Social Media und meist im Schutz der Anonymität Luft macht über ihren Unmut mit der Politik, ist hingegen kaum die Rede. Wer sind diese Menschen, für die Politikerinnen und Politiker Freiwild sind und die sich da so hemmungslos und weit jenseits der Grenzen jeglichen Anstands äußern? Was bewegt sie? Was geht in ihnen um? Und was treibt sie an? Und wozu sind sie fähig, wenn sie losgelassen sind?

Man mag gar nicht dran denken, dass der, der da beim Warten an der Ampel im Auto daneben ein Loch in die Luft starrt, so einer ist. Oder die, die vor einem an der Supermarktkassa in ihrem Geldbörsel kramt. Wer sind die neben uns? In welchem Umfeld leben die? Wie ticken die? Und was tickt in ihnen? Alles nur Fassade möglicherweise?

Man mag sich das gar nicht vorstellen. Man könnte schnell Angst kriegen. Zumal, weil es scheint, dass die Stimmung im Land tatsächlich immer schriller wird, immer erbarmungsloser, immer ungnädiger. Dass es kein Verständnis mehr gibt für andere Meinungen und Haltungen. Auch gar kein Bemühen darum. Niemand fragt mehr, niemand hinterfragt, niemand will dem anderen zuhören oder gar versuchen ihn oder sie zu verstehen. Nur mehr schwarz und weiß, nur mehr Gut und Böse. Aber nichts mehr dazwischen. Nur mehr -man verzeihe -"Trotteln" und "Deppen", ganz gleich auf welcher Seite man steht. Für die auf der anderen Seite scheint das immer öfter zu gelten.

Viele Menschen in diesem Land scheinen jedes Maß verloren zu haben. Hemmungen gibt es oft keine mehr. Und kaum jemand, der dagegen auftritt. Selbst Gerichte geben Hasspostern recht, wie vor wenigen Monaten einem Gaza-Aktivisten, der die Außenministerin beflegelte.

Eher fassungslos fragt man, wann ist das passiert und wie bekommt man das wieder in den Griff oder zumindest auf ein erträgliches und verträgliches Niveau zurück?Die Aussichten dafür sind wohl eher schlecht. Zu bremsen mag und vermag das offenbar und offensichtlich niemand mehr.

Die Politik und die Medien spielen inzwischen damit. Angreifen will das Thema niemand. Man könnte es sich ja mit den Leuten vertun. Und das will schon gar niemand.

Meine Meinung - Raiffeisenzeitung, 27. August 2026

Donnerstag, 13. August 2026

Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner

Hitze, Hitze, Hitze. Und dann bleibt etwas hängen, das einen staunen und wundern lässt. Und nachdenklich macht. In Graz war in einem alten ORF-Beitrag zu sehen, der in der Social Media-Flut aufpoppte, war man regelrecht aus dem Häuschen, als man den heißesten Sommertag 1989 feierte - mit 31 Grad. Und aus Linz wurde wenige Jahre zuvor aufgeregt gemeldet, dass "an fast allen Tagen dieser Woche" die 30 Grad-Grenze überschritten worden sei. "Die Hitze steuerte dazu bei, dass viele Linzer aus den Kleidern und manche sogar aus der Haut fahren wollten." 

Und das ist keine vierzig Jahre her. 30 Grad als Rekordtemperatur im Sommer. Wie gerne hätten wir die heute, wo uns seit Wochen Temperaturen um die 40 Grad quälen. Mit allen Folgen. Brunnen vertrocknen und Bäche auch. Felder und Wiesen sind dürr und braun. Bauern geht das Futter für die Tiere aus. Selbst für die Wirtschaft und die Stromversorgung ist die Hitze längst zur Gefahr geworden. Dabei waren wir immer so stolz drauf, das "Wasserschloss Europas" zu sein, mit Vorkommen an bestem Grund-und Quellwasser ohne Ende. 

Dass wir nun in solchen Kalamitäten stecken, konnte und wollte sich nie jemand vorstellen. Heute ist Österreich Hitzepol Europas. Und alle stöhnen. Mit Kälte können wir umgehen, mit Hitze nicht. Da müssen wir noch viel lernen. Im Streit um die große Klima-und Umweltpolitik, wo zweifellos die Zeit immer drängender wird, hat man darauf wohl vergessen. Schließlich soll und muss die Welt ja doch noch überleben, bis diese Maßnahmen greifen. 

Man reagiert aber, wie anders, sehr österreichisch. Aussitzen scheint allerorten die Devise zu sein. Nicht einmal ein Krisenprogramm gibt es, sieht man davon ab, dass vielerorts die Feuerwehren die Wasserversorgung von Haushalten übernommen haben. Aber sonst? Die Bauernvertreter wurden aus dem Urlaub aufgeschreckt und bemühen sich derzeit mehr schlecht als recht, den Bauern mit vagen Ankündigungen zur Seite zu stehen. Der Landwirtschafts-und Umweltminister wird neuerdings kaum mehr ohne das wenig schmeichelhafte Wort "unsichtbar" in den Medien genannt. Mehr als Verweise auf seit langem diskutierte Pläne wie das Klimagesetz, die Anpassung von Klimaschutzmaßnahmen oder dass man sich "bemühe", gibt es nicht. Aja -und im Ministerrat wurde vorige Woche ein Hitzeschutzplan verabschiedet. Heuer wird man davon wohl nichts mehr spüren. 

Schon gar nicht ist etwas von schnell wirksamen Maßnahmen zu sehen, die den Menschen in Städten, in Spitälern, in Altersheimen, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder anderswo akut Linderung verschaffen. Nicht einmal für den Einbau von Klimaanlagen gibt es rasche Lösungen. Und wo sind in den Städten Angebote gegen die Hitze? Trinkwasserspender? Kühlsprinkler? Gar nicht zu reden von Sprinklerflächen, wie es sie in südlichen Ländern gibt. 

"Wird schon wieder kühler", scheint allerorten die Devise zu. Und "Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner", bleibt das Motto der Wahl. Da nimmt nicht wunder, dass dieser Tage eine besorgte Tochter in Wien ihre hochbetagte Mutter in ein anderes Spital verlegen ließ, weil es im Zimmer 39 Grad hatte. 

"Die Politik unternahm kaum Anstalten, um das Land und seine Wirtschaft nachhaltig in eine klimafreundliche Zukunft zu steuern", ätzt der deutsche "Spiegel". Dass sich das ändern muss, zeigte dieser Sommer. Die Themen und Probleme werden immer drückender. Eines von vielen ist der Arbeitsschutz bei Hitze. Verfolgt man die Diskussion darüber, könnte man glatt auf die Idee kommen, dass Unternehmen in Zukunft möglicherweise ihr Personal, so wie im Winter auch, immer im Sommer beim Arbeitsamt parken, weil es keine Lösungen gibt. Schulen, Spitäler und Altersheime sind sowieso Entwicklungsgebiet. Und was machen die Landwirtschaft und der Tourismus? 

Die Hitzewelle geht irgendwann zu Ende. Und damit steht zu befürchten, dass all die recht kriegen, die aufs "Aussitzen" gesetzt haben. Dann wird man wieder in die alten Muster zurückkehren. Und froh sein darüber. 

So wie man schon jetzt vielerorts froh zu sein scheint, dass man endlich ein Sommerthema hat, das das Hitzethema ablöst -nämlich, dass sich der Bundeskanzler mit seiner unseligen Formulierung zur Familienarbeit der Frauen in die Nesseln gesetzt hat. 

Die Diskussion über dieses Thema ist auch hitzig. Aber sie lenkt dennoch vom Hitzethema ab.

Meine Meinung - Raiffeisenzeitung, 13. August 2026

Montag, 10. August 2026

Wertvoll oder doch nur austauschbar?

Österreichs Landwirte scheuen weder Mühen noch Kosten, um sich von der ausländischen Konkurrenz abzuheben. Was sie scheinbar unterscheidet, sind aber teils nur Mythen.

Hans Gmeiner 

Österreichs Bauern halten sich gerne zugute, besonders gut und wertvoll zu produzieren. Dabei müssen sie aber immer wieder erkennen, dass es doch der Preis ist, der auf dem Markt zählt. Erst jüngst sorgte für Unmut, dass österreichische Markenmilch in Deutschland um 69 Cent verkauft wird. Warum man sich da an Haltungsvorschriften halten müsse, wozu die ganzen Dokumentationen und Kontrollen gut seien und warum die Gütesiegel, wenn die Milch so billig verramscht werde, hallte die Kritik aus der Branche.

Die Erklärung mag für die Bauern hart klingen, auch wenn sie sich schwertun, damit zurechtzukommen: „Es ist schlicht der Markt“, sagt Agrarexperte Franz Sinabell vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo). Dem Markt sind die Milchbauern ganz besonders stark ausgeliefert, erzeugen sie doch seit Jahren um gut 50 Prozent mehr, als in Österreich verbraucht wird.

Messbar sind Unterschiede oft nicht

„Die Landwirtschaft produziert ‚Commodities‘, also austauschbare Güter“, sagt Sinabell. Was messbare Eigenschaften, aber auch was Hygiene betreffe, werde in Österreich nicht anderes produziert als in anderen Ländern. „Wenn man zwei Gläser Milch nebeneinander hinstellt, merkt man den Unterschied nicht.“ Das sei bei Getreide nicht anders, nicht bei Fleisch und auch nicht bei Bioprodukten.

Das macht es für die heimischen Bauern wegen der im internationalen Vergleich geringen Betriebsgrößen und damit vergleichsweise hohen Kosten schwierig – trotz aller Ausgleichszahlungen. Denn die heimischen Ackerbauern und auch die Tierhalter produzieren um keinen Deut anders als die Bauern in Norddeutschland und anderswo in Europa. Die Größenordnungen sind allenfalls anders, die Technik, die man einsetzt, die Produktionsverfahren aber sind es nicht. Auch, wenn es da und dort Schlampereien geben mag. Und weil die Vorschriften und Auflagen in den vergangenen Jahren überall in der EU strenger wurden, tun sich die heimischen Bauern immer schwerer, sich auf dem Markt von der Konkurrenz abzuheben.

Franz Sinabell, Wifo-Agrarexperte Was sie sich zugutehalten, zählt gerade bei den Massengütern wie Milch, Getreide und auch Fleisch wenig. Selbst in Ländern wie Brasilien oder Argentinien sind die Produktionsstandards vor allem für international gehandelte Ware durchaus mit den europäischen zu vergleichen. Die Bauern übersehen meist, dass die Argumente für die besondere Qualität ihrer Produkte oft nicht viel mehr sind als „Mythen“, die der Realität kaum standhalten.

Der „bäuerliche Familienbetrieb“ etwa steht als Begriff im Landwirtschaftsgesetz, wird aber sonst nicht weiter definiert. Schon gar nicht ist er ein Qualitätsmerkmal, ist doch keine besondere Produktionsweise damit verbunden. Die Zahl der Mitarbeiter ist genauso wenig definiert wie die Größe des Tierbestandes, der Ackerflächen oder der Wälder. Die klassischen Bauernhöfe mit wenigen Hektar zählen genauso dazu wie die Güter von Adeligen und Industriellen mit Hunderten oder Tausenden von Hektar. „Die meisten Leute verbinden mit einem Familienbetrieb dennoch einen sorgsameren Umgang“, sagt Sinabell.

Geht es um Nähe, müssten Ostösterreicher in Ungarn einkaufen

Ähnlich gelagert ist die Sache mit der „Regionalität“. Regional einzukaufen, klingt gut. Was damit gemeint ist, ist freilich eher Geschmackssache. Denn auch „Regionalität“ ist nirgendwo definiert und schon gar nicht ist sie ein Qualitätsmerkmal. Nicht einmal um die Entfernung kann es immer gehen, sonst müssten sich viele in Ostösterreich mit Fleisch und Milch in Tschechien, der Slowakei oder Ungarn versorgen.

Da verspricht eine „Herkunftskennzeichnung“ schon mehr, muss sich aber den Hinweis gefallen lassen, dass Österreichs Bauern selbst zu einem guten Teil vom Export in andere Länder leben. Ganz abgesehen davon, dass auch hier gilt: Das ist kein Nachweis für eine besondere Qualität. Die Herkunftskennzeichnung funktioniert daher im Ausland oft besser als daheim. „Österreich gilt gerade in Deutschland viel“, betont Sinabell.

Aber auch der „Selbstversorgungsgrad“ und die „Ernährungssicherheit“ erweisen sich oft als Mythen, wenn man die Bedeutung der heimischen Landwirtschaft betonen will. In wichtigen Bereichen wie Obst, Gemüse und selbst Geflügel ist man auf Importe angewiesen. Bei Treibstoffen, aber auch Züchtungslizenzen, Saatgut oder Pflanzenschutzmitteln hängt die Landwirtschaft zuweilen völlig in der Luft.

Mitunter verbaut man sich auch selbst den Weg. Für Sinabell sitzen die Bauern mit ihrer ablehnenden Haltung gegenüber gentechnischen Verfahren selbst einem Mythos auf. Für ihn ist das nicht nachvollziehbar. „Dabei wäre es in Zukunft sicher von Vorteil, etwa dürreresistente Sorten, solche mit sichereren Erträgen oder verbesserter Pilzresistenz zu haben.“

Dennoch gelingt es immer mehr Bauern, sich vom Auf und Ab der Märkte zu lösen. Viele gehen eigene Wege mit Spezialprodukten oder setzen auf die direkte Vermarktung. Als Musterbeispiel nennt Sinabell die Heumilchproduzenten, denen es seit Jahren gelingt, für ihre Milch mehr zu erlösen. 

Eine Erfolgsgarantie ist auch das nicht. Trotz deutlich höherer Haltungsstandards mit mehr Platz und Licht tun sich beispielsweise die heimischen Geflügelbauern schwer, ihre Ware zu höheren Preisen am Markt unterzubringen.

Und einem der vielen landwirtschaftlichen Mythen will Sinabell demnächst wissenschaftlich auf den Grund gehen. Die These, dass Männer auf Bauernhöfen besser wirtschaften als Frauen, „wollen wir uns anschauen“. Er habe Zweifel, dass das stimmt, „allein schon deswegen, weil Frauen bei Investitionen vorsichtiger sind und dem Glanz von Traktoren nicht so schnell erliegen“.

Salzburger Nachrichten - Wirtschaft, 10.August 2026

Donnerstag, 6. August 2026

Vertrocknete Erwartungen

Wegen der Trockenheit wurde in Österreich heuer deutlich weniger Getreide geerntet als im Vorjahr. Warum viele Bauern dennoch gelassen bleiben können.

Hans Gmeiner

Wien Manchmal ist Humor auch dort, wo man ihn gar nicht vermutet. Unter dem Titel „Zwischen Staub und Hoffnung“ zog am Mittwoch die Agrarmarkt Austria (AMA), die von nicht wenigen Landwirten als eher humorlose Bürokratenhochburg eingeschätzt wird, Bilanz über die heurige Ernte.

Die fiel mit insgesamt 2,5 Millionen Tonnen Getreide – ohne Mais, der noch vor der Ernte steht – zwar wie erwartet mit einem Minus von 19 Prozent deutlich schlechter aus als im Vorjahr. Eine Katastrophenernte aber war es nicht. Gegenüber dem langjährigen Durchschnitt gibt die AMA das Minus mit 14,4 Prozent an. Abgesehen davon gab es im Jahr 2003 – einem ähnlich trockenen Jahr wie heuer –, aber auch in den Jahren 2012 oder 2018 noch deutlich schlechtere Ernten bei Weizen und anderen Feldfrüchten.

Schlechte Ernte zeichnete sich schon im Herbst ab

Dass es heuer Probleme geben wird, zeichnete sich schon beim Anbau im vergangenen Herbst ab, der bereits zu trocken war. Auch im Winter fehlte es an Niederschlägen, im Frühjahr folgte in weiten Landesteilen eine lange Trockenperiode. „In der ersten Jahreshälfte gab es um 27 Prozent weniger Niederschläge als im langjährigen Mittel“, erklärte AMA-Chef Günter Griesmayr. „In einzelnen Landesteilen war es noch nie so trocken. Trotz der schlechten Ernte bräuchten die Konsumentinnen und Konsumenten keine Sorge zu haben. „Die Versorgung mit Brot und Backwaren ist komfortabel gesichert“, betont Griesmayr.

Die fehlenden Niederschläge und die wachsenden Probleme mit der Trockenheit sind für die Bauern schon seit einigen Jahren Thema. Viele reagieren darauf mit Umstellung der Fruchtfolge auf Früchte, die leichter mit trockenen Bedingungen zurechtkommen, und ändern die Technik der Bodenbearbeitung, um die Feuchtigkeit besser im Boden zu halten.

Zudem sichern sich die meisten Ackerbauern, aber auch viele Grünlandbauern gegen das wachsende Risiko seit Jahren mit einer Dürreversicherung ab, die von der Österreichischen Hagelversicherung angeboten wird. Eine solche Versicherung haben etwa in Oberösterreich heuer 85 Prozent der Ackerbauern und rund 60 Prozent der Grünlandbauern abgeschlossen. Laut Einschätzung der Hagelversicherung wird es heuer beim Großteil der Betriebe Auszahlungen für Dürreschäden geben, heißt es aus der Landwirtschaftskammer Oberösterreich. So wie es aussieht, sind auch bei den Früchten, die im Herbst zur Ernte anstehen, keine guten Ergebnisse mehr zu erwarten. „Der Trockenstress setzt derzeit allen Früchten zu, die noch auf den Feldern stehen“, sagt Lorenz Mayr, der oberste Bauernvertreter in der AMA. „Mais wird teilweise schon jetzt als Futter siliert, weil keine Kolben dran sind.“ Auch bei Soja sei nicht viel zu erwarten. Einzig bei den Zuckerrüben könnten Niederschläge noch etwas retten, ist man in Fachkreisen überzeugt.

Sorgen machen Mayr die Situation auf den Märkten und die hohen Produktionskosten. Ausgehend von einem Durchschnittsertrag bei Weizen von 4,9 Tonnen, Produktionskosten von 300 Euro je Tonne und einem Erlös von 200 Euro je Tonne „zahlen die Bauern logischerweise drauf“, sagt er. Bei durchschnittlichen Erträgen von acht Tonnen und mehr pro Hektar, wie sie auch heuer in den guten Produktionsgebieten geerntet wurden, schaut die Rechnung freilich anders aus, zumal auch die Qualität des Weizens außerordentlich gut ist. Der Druck ist dennoch auch dort beträchtlich, musste man doch mit deutlich gestiegenen Preisen für Dünger und Treibstoffe zurechtkommen, während sich die Preise für Weizen gegenüber dem Vorjahr nicht verändert haben.

Davon, dass die Preise an den internationalen Produktbörsen in den vergangenen Wochen zulegten, spürten die Bauern bisher nichts. Der österreichische Handel will den Landwirten dem Vernehmen nach einstweilen nicht mehr für ihre Ware zahlen, weil noch Weizen aus der Vorjahresernte lagert.

Unberechenbare Preisentwicklung

Für Unsicherheit sorgt auch die internationale politische Lage. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine und der Konflikt der USA mit dem Iran sorgen für ein kaum berechenbares Auf und Ab der Preise. Dabei wären die Voraussetzungen für gute Preise nicht schlecht. Nicht nur in Österreich, auch in der EU insgesamt war die Getreideernte heuer nicht gut, auch in Osteuropa erntete man deutlich weniger. Die Importe aus der Ukraine, die wegen der Angriffe auf die Häfen kaum mehr Ware ins Ausland und nach Europa bringt, sind bereits deutlich zurückgegangen. Dafür baut Russland seine Position auf den internationalen Märkten aus. Auch weltweit dürften die Ernten heuer geringer als im Vorjahr ausfallen, während der Verbrauch weiter steigt. Dennoch beruhigt und betont AMA-Marktexperte Michael Meixner: „Die Versorgungslage ist stabil.“

Salzburger Nachrichten - Wirtschaft, 6. August 2026

 
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