Freitag, 9. Oktober 2026

Millionen an Dürrehilfe? Bitte warten!

Die Bäuerinnen und Bauern ziehen ihre Lehren aus dem Horrorsommer. Mit Hitze und Trockenheit versuchen sie umzugehen. Von den groß angekündigten Dürrehilfen bekamen sie bisher noch nichts.

LINZ. Die heimische Landwirtschaft hat ein Horrorjahr hinter sich. Zuerst im Frühjahr die lange Trockenheit, dann im Sommer die Dürre und der Wassermangel. Die Zahl der Schadensmeldungen bei der Hagelversicherung hat sich verfünffacht. Insgesamt werden die Dürreschäden auf eine Milliarde Euro geschätzt.

Zuerst erwischte es die Grünlandbauern, denen bald das Futter für die Kühe knapp wurde. Dann gab es auch im Ackerbau Probleme. Kam man bei der Getreideernte noch mit einem blauen Auge davon, so schlug bei der Herbsternte die Dürre auch bei den Ackerbauern voll zu. Die Ernte von Körnermais und Soja fiel um 25 Prozent und mehr geringer aus als im Vorjahr, bei den Kartoffelbauern fehlte die Hälfte. Und erstmals in der Geschichte können die Zuckerrübenbauern die Selbstversorgung in Österreich nicht sichern. Auch die Gemüsebauern tun sich schwer, die Märkte zu versorgen.

Zurufe und Ratschläge gibt es genug

Was nun, fragt man sich auf den Bauernhöfen. Zurufe und Ratschläge gibt es reichlich und von allen Seiten. Manche entbehren nicht einer gewissen Komik. So beklagt die Chefin der heimischen Biobauern in einem Interview die großen Schäden, die die Dürre auf ihrem Betrieb angerichtet hat, und preist gleichzeitig den Biolandbau als Rezept gegen die Dürre. Sie beweist damit wohl ungewollt nichts anderes, als dass es kein Patentrezept gibt, wie man in Zukunft mit dem Klimawandel und ähnlichen Wetterlagen wie heuer umgehen soll.

Der Bogen der Vorschläge und Ideen ist weit gespannt. Viele davon sind einfach und erscheinen logisch, andere weit hergeholt und kaum realistisch, bürden sie doch den Bauern nur neue Vorgaben auf, die ihnen das Überleben auf den immer schwieriger werdenden Märkten nur noch schwieriger machen. Zu den Vorschlägen, die logisch erscheinen, gehört wohl an vorderster Stelle der Rat eines Bauern, den kürzlich Franz Waldenberger, der Präsident der Landwirtschaftskammer in Linz, zitierte. „Der beste Rat ist der Vorrat“ – übrigens ein Rat, den schon im Sommer der Wifo-Agrarexperte Franz Sinabell an erster Stelle nannte. Er meinte damit nicht nur Futtervorräte, sondern auch finanzielle Rücklagen.

Das ist freilich nicht immer leicht, wurde aber in den vergangenen Jahren immer öfter vernachlässigt. Viele Milchviehbetriebe aber kamen trotz Dürre gut über die Runden, weil sie die Rekord-Grünlandernte im Vorjahr für die Einlagerung von Futtervorräten nutzten.

An vorderster Stelle wird auch ein sorgfältigeres Risikomanagement genannt. Vor allem bei Grünlandbauern ist die Dürreversicherung, die von der Österreichischen Hagelversicherung angeboten wird, noch keine Selbstverständlichkeit. Für das kommende Jahr wurden die Mittel dafür erhöht, um die Versicherung attraktiver zu machen.

Speicherteiche und tiefere Brunnen

Ein großes Thema ist auch das Nutzwasser-Management. Dazu gehören Speicherteiche genauso wie die Vertiefung von Brunnen, die heuer in vielen Landesteilen versiegten, was nicht wenige Bauern in Not brachte.

Im Ackerbau geht es vor allem darum, die Feuchtigkeit in den Böden zu halten. Schonende Bodenbearbeitungsmethoden, die vielerorts bereits Standard sind, werden dort wohl noch größeren Zuspruch bekommen. Erfolgreich ist die heimische Landwirtschaft auch beim Aufbau der Humusgehalte der Böden, zu dem nicht zuletzt auch der hohe Anteil des Zwischenfruchtanbaus über die Wintermonate beiträgt. Die Saatgutwirtschaft arbeitet schon seit Jahren an hitzeresistenten Sorten. Zudem stellen die Bauern ihre Fruchtfolgen um und bauen neue Früchte wie Sojabohnen und sogar Reis an, die mit Trockenheit und Hitze besser zurechtkommen. Nicht auf sich sitzen lassen wollen die Bauern, dass sie für den Klimaschutz zu wenig tun, obwohl sie selbst am meisten betroffen sind. „Diese Vorwürfe kommen aus einem gewissen Informationsdefizit heraus“, vermutet Oberösterreichs Kammerpräsident Waldenberger und verweist darauf, dass der Beitrag der Landwirtschaft zum Klimawandel nur bei zehn Prozent und damit deutlich geringer als der der Industrie und des Verkehrs liegt. Zudem habe die Landwirtschaft die Emissionen in den vergangenen Jahren deutlich gesenkt.

Auch wenn es heuer schlimm war, sind die Bauernvertreter durchaus optimistisch, dass die Situation im kommenden Jahr überwunden werden kann. Bei den Grünlandbauern könnte das schwieriger sein als bei den Ackerbauern. Dort ist man Ertragsschwankungen gewohnt. „Das ist jedes Jahr ein neues Spiel“, sagt Pflanzenbauexperte Helmuth Feitzlmayr. „Aber man darf den Kopf nicht in den Sand stecken.“

Langes Warten auf Dürrehilfe

Das fällt freilich nicht allen Bauern leicht. Nicht nur die Dürre und ihre Folgen machen ihnen das Leben schwer, sondern auch die hohen Kosten und die zuweilen – derzeit vor allem in der Fleischwirtschaft – schlechten Preise.

Damit aber nicht genug. Das groß angekündigte und ohnehin äußerst umstrittene Dürre-Hilfspaket ist noch nicht auf den Höfen angekommen. Und das wird wohl noch einige Zeit dauern. Bisher zahlte einzig die Hagelversicherung aus. Das Hilfspaket, auf das man sich politisch unter großen Problemen im August einigte, hingegen wurde erst Ende September im Parlament beschlossen. „Es ist noch kein Geld geflossen“, bestätigt Waldenberger. Und das wird wohl noch dauern und für Verärgerung sorgen, müssen doch die versprochenen Zinsenzuschüsse erst einmal beantragt und bewilligt werden, was seine Zeit braucht.

Noch schlimmer könnte der Ärger über die versprochene Aussetzung der Sozialversicherungsbeiträge für Oktober und November ausfallen, die den Bauern als Liquiditätshilfe verkauft worden ist. Sie wird erst mit der Vierteljahresvorschreibung im kommenden Februar spürbar.

Salzburger Nachrichten, 10. Oktober 2026

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