Donnerstag, 17. September 2026

Vor einer Zeit der "Superdummheit"?

Die jüngste PISA-Studie sorgte wieder für Schlagzeilen. Sie bestätigt die Hilflosigkeit der Bildungspolitik. Österreichs Schüler können immer schlechter lesen und rechnen. Leistungsbereitschaft und Wissensdurst der Schüler sind gesunken. Der Anteil der Jugendlichen, die das Lernen neuer Dinge langweilig finden, ist gestiegen. Und als ob das noch nicht genug wäre -ein Viertel der Schülerinnen und Schüler empfindet Schule als Zeitverschwendung. Man glaubt auch um die Gründe zu wissen. Der hohe Anteil an Migranten in vielen Schulklassen gilt als einer, vor allem aber auch das Handy und Social Media. Und natürlich die Bildungspolitik selbst. Selbst das wenige Positive, das die Studie bei 15-bis 16-Jährigen in 90 Ländern brachte, ist nicht wirklich positiv. Österreichs PISA-Ergebnis liegt zwar erstmals über dem Durchschnitt der OECD-Länder - das aber nicht, weil die hiesigen Schüler besser geworden sind, sondern die Schüler in anderen Ländern noch schlechter. 

Kurzum - "Es geht bergab", wie es nicht nur der Kommentator in der "Presse", sondern auch die meisten anderen zusammenfassten. Die Bildungspolitik steckt in einem Loch und bringt nichts weiter, obwohl man den Handlungsbedarf kennt und von ihm zuweilen erdrückt wird. 

Und dieser Handlungsbedarf ist hoch. Sehr hoch. "Alle Welt schmiert bei PISA ab", schreibt die deutsche Wochenzeitung "Die Zeit" und fragt "Werden wir immer dümmer?". Diesen Verdacht hegen wohl nicht wenige schon länger, nun scheinen ihnen auch die Zahlen recht zu geben. Und die sind noch viel besorgniserregender als die PISA-Zahlen. Nahmen laut der Fachzeitschrift "Psychological Bulletin" im 20. Jahrhundert die IQ-Werte weltweit deutlich zu, so beobachtet man seit dem Beginn des 21. Jahrhunderts, dass diese Entwicklung zum Stillstand gekommen ist, wenn sie nicht gar eher ins Gegenteil geschlagen hat, schreibt "Die Zeit". Die Wissenschaft bringt das mit der Entwicklung und Verbreitung von Smartphones, mit Socia Media-Plattformen und mit den mit ihnen in die Welt gekommenen Like-Buttons in Zusammenhang. Dass das dem Lernen schadet, gilt als wissenschaftlich belegt. Studien zeigen immer wieder einen Zusammenhang zwischen einer frühen Social-Media-und Smartphone-Nutzung und schwächeren Schulleistungen und teilweise sogar einem verminderten Hirnvolumen -vor allem in den für das Lesen relevanten Hirnregionen. 

Dabei ist gerade das Lesen besonders relevant. Aber: es wird heute kaum mehr gelesen, anspruchsvolle Bücher verschwinden zusehends. Lasen 2003 noch 43 Prozent der Jugendlichen in Deutschland täglich Bücher, so waren es 2024 nur noch 17 Prozent. Bei uns wird es wohl kaum anders sein. Lange Texte, Bücher gar? Kann man auch in Auszügen lesen. Meist gilt ohnehin -was länger ist als eine WhatsApp-Mitteilung, wird kaum mehr gelesen. 

"Die Texte werden immer kürzer und simpler und sie führen zu einem simpleren Denken", heißt es. Es fehle an Leseerfahrung und es fehle schlicht an der nötigen Konzentration. Die Sprache verarme. "Gemma Billa" heißt es dann. Wissen und Kreativität leiden. Und jetzt breitet sich auch noch KI mit rasender Geschwindigkeit aus, die, wie ein Autor formulierte, "nun auch noch scheinbar kostenlos das Denken abnimmt". 

Die Folgen haben das Zeug, verheerend zu sein. Wenn sie es nicht schon sind. "Ein Szenario der Superdummheit entsteht", befürchten nicht wenige. Sie versuchen dem die "Superkraft des Lesens" entgegenzuhalten und verweisen darauf, dass Leser durch die Bank meist intelligenter sind. "Weniger lesen bedeutet, dass wir als Personen und Nationen dümmer werden." 

Das ist schlimm genug. Dabei sind die politischen und gesellschaftlichen Folgen und deren Relevanz für unser Leben noch gar nicht diskutiert worden. Wer nichts liest, weiß weniger. Der Diskurs verarmt. Während die eine Seite Wissen ausspielen und argumentieren kann, bleiben der anderen Seite nur Bauchgefühle, die nicht selten in einem undifferenzierten Schwarz-Weiß-Denken und Hassgefühlen münden. 

"Wer nichts weiß, muss alles glauben", heißt es nicht zu Unrecht. Und denen kann man alles erzählen. Die populistischen Parteien haben das längst erkannt. Und sie spielen auch damit und nutzen die Schieflage ganz gezielt. Und das, wie wir in diesen Jahren und Monaten erleben, sehr erfolgreich. So erfolgreich, dass sie dabei sind, Europa und unsere Zukunft auszuhebeln.

Meine Meinung - Raiffeisenzeitung, 17. September 2026

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