Dienstag, 23. Juni 2026

Ernte gerettet, Sorgen bleiben

Ackerbauern rufen nach Aussetzen des EU-Klimazolls für Düngemittel und nach Erhöhung des Bio-Anteils bei Benzin und Diesel.

Hans Gmeiner 

Salzburg, Linz. So wie es aussieht, sind die Ackerbauern noch einmal davongekommen. Im Großen und Ganzen haben die Feldfrüchte die Trockenheit im Mai überstanden. „Wir stehen vor einer passablen Ernte“, sagt etwa Oberösterreichs Landwirtschaftskammerpräsident Franz Waldenberger. Damit ist aber alles Positive gesagt. Denn von einem „Albtraum“ reden Getreideaufkäufer, wenn sie nach den heurigen Getreidepreisen gefragt werden

Die Getreidepreise rutschen ab

Noch hält man sich zwar bedeckt, aber die Markteinschätzungen und die Kurse an den Warenterminbörsen lassen nichts Gutes erwarten. In den vergangenen Wochen kannten die Kurse nur eine Richtung – abwärts. Einzig bei Raps sei ein einigermaßen guter Preis zu erwarten. Die Preise für Weizen und Gerste aber werden weit unter dem liegen, was die Bauern bräuchten. Auch bei Soja und Mais sind die Preisaussichten nicht gut.

Damit bekommt das Thema Düngerpreise noch mehr Brisanz. Der enorme Anstieg seit dem Iran-Krieg sorgte in den vergangenen Monaten bereits für Verunsicherung. Schlechte Preise für die Produkte und hohe Preise für Dünger und auch Treibstoffe sind Gift für die Geldbörsel der Bauern. Weil für die heurige Ernte noch mit günstigem Dünger gearbeitet wurde, den die meisten Bauern bereits im vergangenen Herbst kauften, drohen die Probleme für das kommende Jahr, für das in diesen Wochen die Anbaupläne gemacht werden.

Klimazoll verringert Angebot und treibt die Preise

Dabei ist den Bauern vor allem die Klimaschutzabgabe CBAM ein Dorn im Auge, die im Vorjahr eingeführt wurde, um die europäische Düngerindustrie zu schützen. Waldenberger nennt diese Abgabe eine „strukturelle Kostenfalle“. Sie macht bei vielen Produkten rund die Hälfte des Anstiegs der Düngerpreise aus. „Die europäische Düngemittelindustrie wird geschützt, die Landwirtschaft muss die dadurch entstehenden Mehrkosten tragen, weil sie die Kosten nicht an den Markt weitergeben kann“, beklagt Waldenberger. 

Von der angekündigten Hilfe der EU will sich der Kammerpräsident nicht blenden lassen. „Damit könne man Liquiditätsengpässe überwinden, sie machen aber Düngemittel nicht günstiger“, sagt er. Entscheidend sei ein ausreichendes und günstiges Angebot auf dem europäischen Markt. „Wir fordern daher eine Aussetzung der Klimazölle für Düngemittel.“

Damit nicht genug. Sorgenfalten treibt den Bauern auch die geplante Einstufung von europäischem Sojaöl als Hochrisikostoff für indirekte Landnutzungsänderungen auf die Stirn. Wie schon bei der Entwaldungsverordnung verstehen die Bauern nicht, dass sie in die Pflicht genommen werden sollen, obwohl für den Sojaanbau in Europa nachweislich keine Waldflächen gerodet wurden. „Es wäre völlig widersinnig, ausgerechnet jene Kultur zu benachteiligen, die einen wesentlichen Beitrag zur europäischen Eiweißversorgung leistet“, sagen die Bauern und hoffen, dass der Kelch an ihnen vorübergeht.

Bioanteil bei Benzin und Diesel erhöhen

Diese Nöte bringen die Fantasie der Ackerbauern wieder in Schwung. „Wir brauchen Zukunftsperspektiven“ ist die Devise und bringt bekannte Ideen und Forderungen wieder aufs Tapet. So besinnt man sich der Bedeutung regionaler Wertschöpfungsketten und der Lebensmittel- und Verarbeitungsindustrie im Land. „Diese Stärke muss künftig noch mehr genutzt werden“, sagt etwa Waldenberger, freilich ohne konkrete Vorschläge in Diskussion zu bringen.

Bei Biokraftstoffen ist Oberösterreichs Kammerpräsident weitaus konkreter. Er fordert eine Anhebung der Biodiesel-Beimischung zu Diesel von derzeit sieben (B7) auf 10 Prozent (B10), wie das auch in Deutschland, Frankreich und anderen EU-Ländern üblich sei. Bei Benzin könne er sich sogar eine Erhöhung des Ethanolanteils von derzeit zehn auf 20 Prozent vorstellen. Das schaffe nicht nur für die Bauern zusätzliche Absatzmöglichkeiten, sondern trage auch zum Schutz des Klimas bei. Zudem wäre dieser Schritt rasch umsetzbar und sei praxiserprobt, sagt Waldenberger.

Salzburger Nachrichten - Wirtschaft, 23. Juni 2026

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