Montag, 1. Juni 2026

Schweinebauern rutschen tief in die roten Zahlen

162 Euro für ein ausgewachsenes Mastschwein: Das sei deutlich zu wenig, um die Kosten decken zu können, klagt die Branche. Jetzt hofft man auf die Grillsaison – und die Fußball-WM.

Hans Gmeiner

Salzburg. Bis vor wenigen Monaten war die bäuerliche Welt noch einigermaßen in Ordnung. Bei den meisten Produkten waren die Erzeugerpreise hoch wie selten zuvor. Seither hat sich das Blatt freilich gewendet. Im Monatstakt kommen Hiobsbotschaften aus der Landwirtschaft. Zuerst schlugen die Ackerbauern Alarm, weil die Düngerpreise und die Treibstoffpreise explodierten. „Ackerbau wird unrentabel“, hieß es mit einem Mal. Dann folgten die Milchbauern, weil die Erzeugerpreise einbrachen und auf ein Niveau fielen, von dem man glaubte, dass man es dauerhaft überwunden habe. Dann schlugen die Rinderhalter Alarm. Und nun meldeten sich auch die Schweinemäster zu Wort. „Uns fehlen derzeit rund 50 Euro pro Mastschwein, um die Kosten decken zu können“, sagt Raimund Tschiggerl, Chef der Österreichischen Schweinebörse.

Pro Mastschwein fehlen 50 Euro, um die Kosten decken zu können

Der Basispreis für ein Mastschwein liegt derzeit bei 1,62 Euro pro Kilogramm. Das sind gerade einmal 162 Euro für ein ausgewachsenes, schlachtreifes Schwein, das in der Regel 100 Kilogramm auf die Waage bringt. Vor einem Jahr erhielten die Bauern mit 1,83 Euro noch um gut 15 Prozent mehr, gar nicht zu reden von den 2,22 Euro, die Mitte 2024 für ein Kilogramm gezahlt wurden. „Dass wir in der Schweinemast negative Deckungsbeiträge schreiben, also die Produktionskosten nicht abgedeckt werden können, war in den vergangenen Jahrzehnten selten der Fall“, sagt der Chef der Schweinebörse, die für die Bauern der wichtigste Vermarkter ist.Wir sind ja den Schweinezyklus gewohnt Raimund Tschiggerl, Schweinebörse „Wir sind ja den Schweinezyklus, das Auf und Ab der Preise, gewohnt“, sagt Tschiggerl. Aber heuer laufe es anders. Der Markt habe sich vom traditionellen Tief nach dem Weihnachtsgeschäft nicht erholt. Auch Ostern brachte nicht die erwartete Wende. „Dabei hätten sich viele Bauern eigentlich erwartet, dass sich der Preis wegen der gestiegenen Kosten nach oben bewegt.“

Danach freilich schaut es nicht aus. Der Markt ist voll. Die guten Preise vor zwei Jahren haben das Angebot angekurbelt. Daran leidet man bis heute. „Der größte Feind des guten Preises ist der sehr gute Preis“, zitiert Tschiggerl eine alte Handelsweisheit. Waren es zunächst die großen Schlachtbetriebe, die eine Preiserholung verhinderten, weil sie ihre Kühllager räumten, so leidet man derzeit vor allem unter dem Überangebot auf dem europäischen Markt. „Billigst-Fleischangebote aus Spanien sind momentan der Renner“, sagt Tschiggerl. Die deutschen Bauern stehen dem kaum nach. Dazu kommen Verschiebungen auf den internationalen Märkten, mit denen die EU-Schweineproduzenten zu kämpfen haben. Sie erschweren es, durch Exporte den Markt zu entlasten. Insbesondere China kauft weniger Schweinefleisch, das dann auf anderen Märkten untergebracht werden muss.

In der Gastronomie zählt die Herkunft wenig

Besonders schmerzt die Schweinebauern, dass bei den Gastro-Zulieferern und damit in der Folge in der Gastronomie die Herkunft wenig zählt. Dieses Fleisch komme vorzugsweise aus Spanien und Deutschland. Tschiggerl: „Das wichtigste Schild ist ganz offensichtlich nicht das Herkunftsschild, sondern das Preisschild.“ Die Unterschiede sind oft enorm. „Wir sind mit Angeboten konfrontiert, die um 50 Prozent unter den Preisen für österreichische Ware liegen“, sagt Tschiggerl.

Tierwohlhaltung stagniert

Das erklärt zu einem Teil auch, dass die Nachfrage nach Schweinen aus Tierwohlhaltung stagniert. Die großen Erwartungen und auch Versprechungen kann sie kaum erfüllen. „Wir wollen so vielen Betrieben wie möglich den Umstieg auf tierwohlgerechtere Haltungsformen ermöglichen“, meint Tschiggerl. „Das muss allerdings im Einklang mit den Anforderungen des Marktes passieren.“ Daran hapert es allerdings. Vom Ziel, im Jahr 2030 in Österreich eine Million Schweine pro Jahr aus Bio- und Tierwohlhaltung zu vermarkten, ist man weit entfernt. Im Vorjahr waren es gerade einmal 270.000 Schweine aus diesen Haltungsformen. Rund die Hälfte der Schweine in Österreich wird immer noch außerhalb aller Gütesiegelprogramme erzeugt.

Unterkriegen wollen sich die Schweinebauern freilich nicht lassen. Sie hoffen, dass die Grillsaison, aber auch die Fußball-WM den Markt beleben, und darauf, dass die Umfragen stimmen, die davon reden, dass Fleisch zu essen wieder in ist. Dass sich die Lage rasch verbessert, glauben sie nicht. „Es wird wohl bis Weihnachten dauern, bis wir wieder positive Deckungsbeiträge erreichen“, sagt Tschiggerl.

Salzburger Nachrichten - Wirtschaft, 1. Juni 2026

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