
Ob Ab-Hof-Verkauf, Belieferung der Gastronomie oder Selbstbedienungsladen, fast jeder dritte landwirtschaftliche Betrieb setzt mittlerweile auf Direktvermarktung.
Hans Gmeiner
Salzburg Spätestens seit Corona gilt die Direktvermarktung bäuerlicher Produkte als eine der Erfolgsstorys in der Landwirtschaft, die immer wieder von Krisen durchgebeutelt wird. Damals, als die Supermarktregale nicht selten leer und die Versorgung auch bei Lebensmitteln unsicher war, wurden die Bauern regelrecht gestürmt. Das hat sich bei den Konsumenten eingebrannt. Auch wenn die Höfe nicht mehr überrannt werden wie damals, hat sich die Direktvermarktung als Einkaufsquelle etabliert. Besonders gern werden Fleisch und Fleischprodukte, Eier, Fruchtsäfte und Wein gekauft. Man schätzt es zu wissen, woher die Ware kommt, man schätzt die Qualität und man schätzt die Sicherheit.
Für 18.000 ist die Direktvermarktung Haupterwerb
„Die Direktvermarktung stellt für viele landwirtschaftliche Betriebe in Österreich ein tragfähiges Geschäftsmodell dar, das Einkommen sichert, Arbeitsplätze schafft und regionale Wertschöpfung in Österreich stärkt“, sagt Johannes Mayr vom Meinungsforschungsinstitut KeyQuest, der für die Landwirtschaftskammer Österreich die Bauern zum Thema „Situation und Zukunft der Direktvermarktung“ befragte. Für rund 18.000 der insgesamt noch 100.000 Bauern in Österreich ist die Direktvermarktung inzwischen sogar der Haupterwerb, schätzt Mayr.
Derzeit vermarkten rund 29 Prozent der österreichischen Betriebe zumindest einen Teil ihrer Produkte direkt ohne Zwischenhandel. Sie erzielen im Durchschnitt 36 Prozent des Einkommens damit. Tendenz steigend. Das macht den Betriebszweig interessant. Gaben vor zehn Jahren noch 13 Prozent der Bauern an, über Direktvermarktung nachzudenken, so sind es heute 18 Prozent. Die Bauern vermarkten heute ihre Produkte sehr professionell. Standards, Qualität und Vielfalt sind hoch. Längst geht das Angebot weit über Rohprodukte hinaus. Wichtigste Verkaufschiene ist mit großem Abstand der Ab-Hof-Verkauf. An zweiter Stelle aber folgt bereits die Gastronomie. Dahinter kommen Lieferdienste und Zustellung und der Lebensmitteleinzelhandel. An Bedeutung gewinnen SB-Läden und Online-Shops.
Vor allem Junge interessiert das Geschäftsmodell
Vor allem für junge Hofübernehmer gilt Direktvermarktung als einigermaßen zukunftssichere Möglichkeit im schwierigen agrarischen Umfeld mit den oft schlechten Preisen und unsicheren Märkten. Für Josef Moosbrugger, den Präsidenten der Landwirtschaftskammer Österreich, ist das keine Überraschung: „Die Direktvermarktung entwickelt sich nicht zuletzt so positiv, weil es eine Reihe von Betrieben gibt, die bei der traditionellen Vermarktung über den Handel mit der Wirtschaftlichkeit nicht mehr zurechtkommen.“
Für die Bauern mache vor allem die höhere Wertschöpfung die Direktvermarktung interessant, sagt der Kammerpräsident. „Das ist ja eigentlich der Kern der Direktvermarktung, dass mehr Wertschöpfung auf diese landwirtschaftlichen Betriebe kommt.“ Und das wirkt sich nicht nur auf das Einkommen, sondern auch auf die Absicherung der Arbeitsplätze auf den Höfen aus. „Direktvermarktung sichert einen zusätzlichen Arbeitsplatz auf einem Hof“, sagt Mayr. „Hochgerechnet sind das nicht weniger als 27.000 Arbeitsplätze.“ Denn während ein Hof mit herkömmlicher Vermarktung lediglich 1,6 Arbeitsplätze im Schnitt sichere, sichert ein Hof mit Direktvermarktung laut Mayr 2,5 Arbeitsplätze.
Mehr als die Hälfte will investieren
Die gute Stimmung spiegelt sich auch im Investitionsverhalten wider. Sagten 2016 noch 38 Prozent der Direktvermarkter, sie wollten in diesen Betriebszweig investieren, so sind es heute 53 Prozent. Derzeit werden von den Bauern rund 360 Millionen Euro pro Jahr in den Ausbau dieses Betriebszweigs investiert. Damit sichert man laut Mayr bei den Gewerbebetrieben und Zulieferern außerhalb der Landwirtschaft ungefähr 3500 Arbeitsplätze.Wir spüren überall, dass die Nachfrage steigt Für Karl Grabmayr, den Obmann des Verbands bäuerlicher Direktvermarkter, ist der Plafond noch lang nicht erreicht. „Wir spüren überall, dass die Nachfrage steigt.“ Die Direktvermarktung mache derzeit nur 2,5 Prozent des Lebensmittelhandels aus. „Das heißt für mich, dass wir noch sehr viel Luft nach oben haben und dass wir auch neue Betriebe dazu brauchen.“ Dabei setzt er darauf, dass derzeit auf sehr vielen Höfen überlegt wird, in die Direktvermarktung einzusteigen.
Bei aller Euphorie bleibt Bauernpräsident Moosbrugger aber realistisch. „Das Bild von der Direktvermarktung und die Aussichten sind sehr positiv“, sagt er. „Aber diese Art von Vermarktung passt nicht zu jedem Betrieb.“ Nachsatz: „Und Direktvermarktung ist auch kein Patentrezept, dass damit jeder Betrieb für die Zukunft gerettet werden kann.“
Salzburger Nachrichten - Wirtschaft, 23. Juli 2026
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