Sonntag, 19. Januar 2014

Politik mit Bienen: Honig zum Frühstück



Landwirtschaftsminister will ein süßes Frühstück an den Schulen
 
berlin (SN-gm). Auf allen Ebenen versucht die Landwirtschaft auf der derzeit laufenden „Grünen Woche“ in Berlin, ihre Produkte noch besser zu vermarkten. In den Hallen auf dem Messegelände rund um den Funkturm präsentieren Lebensmittelhersteller und Bauernverbände aus der ganzen Welt Tausenden Besuchern die neuesten Produkte und Ideen. In den Konferenzräumen nebenan stellen Agrarpolitiker aus allen Ländern und Institutionen ihre Pläne vor, wie sie den Absatz landwirtschaftlicher Produkte vorantreiben wollen. So kündigte etwa EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos ein mit 200 Mill. Euro dotiertes Programm an, mit dem die weltweite Vermarktung europäischer Agrarprodukte unterstützt werden soll.

Auch Österreichs Agrarier wollen sich da nicht untätig zeigen. Bauernbundpräsident Jakob Auer will Produzenten, Verarbeiter und Vermarkter zu einem „Milch-Dialog“ rufen. Ziel sei es, die Folgen der anstehenden Liberalisierung des Milchmarkts zu bewältigen und sich daraus ergebende Chancen möglichst gut zu nutzen. Auch auf die Bienen und die Imker, die sich um sie kümmern, vergisst man nicht. Schließlich hatten die Bienen doch Ex-Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich schwer unter Druck gebracht. Nachfolger Andrä Rupprechter will mit finanzieller Hilfe aus Brüssel ein „Honigfrühstück“ an den Schulen einrichten. Vorbild ist die Schulmilchaktion. Schon vor einer Woche kündigte er ein Förderungsprogramm für Imker mit fünf Mill. Euro an.
 
Salzburger Nachrichten - Wirtschaft, 18. Jänner 2014

Agrarexporte eilen von Rekord zu Rekord



Das Ziel heißt zehn Prozent Anteil an Gesamtexporten. Dafür muss aber mehr getan werden

HANS GMEINER Berlin (SN). Bei der „Grünen Woche“, der weltgrößten Messe für Ernährung und Landwirtschaft, präsentierte die AMA-Marketing gestern, Donnerstag, wie fast immer in den vergangenen Jahren, einen Exportrekord bei Agrarprodukten. Die Ausfuhren legten ersten Schätzungen zufolge 2013 gegenüber 2012 um weitere 4,5 Prozent auf rund 9,5 Mrd. Euro zu. Dem neuen Chef der AMA-Marketing, Michael Blass, ist das aber zu wenig. „Nach den Wirtschaftskrisenjahren ab 2008 ist jetzt der richtige Zeitpunkt, das Drehmoment, den das Exportgeschäft bietet, auf die Straße zu bringen.“

Blass will die Erfolgsstory der heimischen Lebensmittelausfuhren, die sich seit dem EU-Beitritt verfünffacht haben, fortsetzen. „Es gibt noch viel Luft nach oben“, sagt er. „Mittelfristig wollen wir den Anteil der Agrarexporte an den Gesamtexporten von derzeit acht auf zehn Prozent erhöhen.“

Im Zentrum seiner Pläne steht die Wiederbelebung der vom seinerzeitigen Landwirtschaftsminister Josef Pröll konzipierten „Exportinitiative 1-24“. „Das war eine der intelligentesten und smartesten Initiativen mit einer enormen Hebelwirkung.“ Mit der Politik als Türöffner und begleitet von AMA-Marketing und Wirtschaftskammer eroberte man mit geringem Kostenaufwand und effizienten Warenpräsentationen in wenigen Jahren Märkte wie Ungarn, Polen oder Russland. Vor zwei Jahren schlief die Initiative nach knapp zwanzig Auslandspräsentationen ein.

Nun setzt Blass auf den neuen Wind im Landwirtschaftsministerium. „Minister Rupprechter war seinerzeit als Sektionschef verantwortlich für die Umsetzung des Konzepts“, hofft er auf Verständnis und Unterstützung vom neuen Landwirtschaftsminister.

Blass sieht nicht nur in den osteuropäischen Ländern noch enorme Möglichkeiten für die heimischen Lebensmittelerzeuger. Auch die Türkei, asiatische Länder und Nordafrika nennt er als Ziele. Der neue Exportrekord bringt die Lebensmittelwirtschaft auch dem Ziel näher, die Handelsbilanz auszugleichen. Weil die Importe nur um 1,7 Prozent auf 10,5 Mrd. Euro wachsen dürften, wird sich das Defizit auf rund 800 Mill. Euro verringern.

Salzburger Nachrichten - Wirtschaft, 17. Jänner 2014

Donnerstag, 16. Januar 2014

48.000 Sparmöglichkeiten



Superflott hat die neue Regierung die ersten Steuererhöhungen beschlossen. Tabaksteuer, Sektsteuer, Nova. Da hatte noch nicht einmal jeder Minister seinen Sessel oder, wie die Familienministerin Sophie Karmasin, das richtige Türschild. Dass dort immer noch der Name Fekter prangte, tat dem Tempo keinen Abbruch. Die Regierung, respektive der Staatshaushalt, braucht Geld. Dringend, wie wir wissen. Und da sind neue Steuern, Wahlversprechen hin oder her, die einfachste Möglichkeit zu ein paar Cent zu kommen. Mehr sind die 780 Millionen Euro im Anblick des Gesamtbedarfs nicht. Und die knapp 500 Millionen Euro, die alle Ministerien vor allem bei Ermessenausgaben sparen wollen, auch nicht. Das sind gerade einmal 0,3 Prozent der Staatsausgaben, haben die Experten der wirtschaftsliberalen Agenda Austria errechnet.

Die notwendige Eile und die Chuzpe, ein zentrales Wahlversprechen im Nu über Bord zu werfen, hat auch damit zu tun, dass in keinem anderen Land Europas so viel Geld für Förderungen aufgewendet wird wie bei uns. Dass Österreich den in dieser Disziplin durchaus als fragwürdig einzustufenden Titel Europameister trägt, ist nun sogar amtlich. "Die Geldleistungen aller Gebietskörperschaften (Bund, Länder, Gemeinden) zur Förderung von Unternehmen und Privatpersonen machten 2012 in Österreich insgesamt 80 Mrd. € oder 25,7 % des BIP aus", hält die Parlamentskorrespondenz penibel in einer Aussendung fest. "In Europa ist das ein Spitzenwert", fügt man an und nennt gleich auch die Vergleichszahlen. Demnach werden im europäischen Schnitt nur 19,4 Prozent des BIP für Förderungen verwendet, liegt der Durchschnitt im Euro-Raum bei 20,4 Prozent. Von Deutschland mit 18,4 Prozent ist man hierzulande himmelweit entfernt und selbst von Frankreich mit seinen 22,2 Prozent auch noch ein großes Stück.

Aber das passt zu einem Land, in dem sich Politik über das Ausschütten von Geldmitteln für die jeweilige Klientel definiert, in dem Anspruchsdenken mit der Muttermilch eingesaugt wird und in dem man nirgendwo daran denkt, einen eigenen Handgriff zu machen, ohne zuerst die Zusicherung von Fördergeldern in der Tasche zu haben. Das gilt für die Blasmusik genauso, wie für die Kulturinitiative, den Käufer eines Elektrofahrrades, den kleinen Bauern und den großen Konzern. Alle wollen nehmen. Und keiner will davon lassen. Und die meisten kriegen auch. 48.000 Förderungen gibt es in Österreich, hat der neue Finanzminister Spindelegger in einem seiner zahllosen Antrittsinterviews gesagt. Vom Bund, von den Ländern, von den Gemeinden.

48.000 Förderungen, das ist nicht wenig. 48.000 Förderungen, die von tausenden Beamten ausgetüftelt wurden, 48.000 Förderungen, die von tausenden anderen Beamten verwaltet werden müssen, 48.000 Förderungen, die von weiteren tausenden Beamten berechnet werden müssen, 48.000 Förderungen, die von abermals tausenden Beamten kontrolliert werden müssen. Und weil man längst den Überblick über all die 48.000 Förderungen verloren hat, arbeiten weitere tausende Beamte seit Jahren an etwas, was als Transparenzdatenbank Durchblick bringen soll.

So betrachtet ist es allein von da her müßig, sich über den heimischen Verwaltungsapparat und die Kosten, die er verschlingt, zu wundern. Und müßig, sich zu wundern ist auch, dass man längst den Überblick über all die Förderungen verloren hat. Kreuz und quer geht es längst, Doppel-und Dreifachförderungen sind gang und gäbe. Und ob die Förderungen dort ankommen, wo sie hin sollen, ist in vielen Fällen längst genauso anzweifeln, wie ihr Nutzen oft in Frage zu stellen ist. Viel zu oft gelangt das Geld nicht bei denen, die es wirklich brauchen, sondern zu denen, die am lautesten schreien und die sich am besten drauf verstehen, sich im Dschungel zwischen Bund, Ländern und Gemeinden zurecht zu finden.

"Das österreichische Fördersystem ist intransparent und nicht effizient genug", wird von Experten kritisiert. "Aufgebläht" gilt es dem Wirtschaftsforschungsinstitut und "intransparent". Und schlampig verwaltet noch dazu. "Allein durch wirksamere Kontrolle könnte eine Milliarde Euro eingespart werden", mutmaßen die Wirtschaftsforscher.

Aber das bräuchte dann wohl wieder tausende Beamte. Möglicherweise.

Es besteht freilich der Verdacht, dass die leichter aufzubringen wären, als endlich den Dschungel zu lichten - was dann freilich kontraproduktiv wäre und Österreichs zweifelhaften europäischen Spitzenplatz einzementieren würde.

Meine Meinung - Raiffeisenzeitung, 16. Jänner 2014

Dienstag, 14. Januar 2014

Rupprechter ganz pragmatisch



Klare Absage an Sonderwünsche – Neues Modell der Almvermessung ab 2015

Hans Gmeiner Wien (SN). „Das Regierungsabkommen ist umzusetzen.“ Das ist die Leitlinie, an der Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter seine Arbeit orientiert. Das freilich bedeutet eine klare Absage an eine Reihe von Wünschen von bäuerlichen Gruppierungen, die in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder lanciert wurden. So denkt Rupprechter nicht daran, auch in Zukunft die Höhe der Mutterkuhprämie wie bisher von der Zahl der gehaltenen Tiere abhängig zu machen. „Die Entkoppelung der Ausgleichzahlungen von der Produktion ist politisch vereinbart und daran wird nicht gerüttelt“, sagt er.

Mit der gleichen Begründung zerstreut er auch allfällige Hoffnungen, dass künftig die Flächenprämien für extensives Grünland wie Almen gleich hoch sein werden wie jene für intensiv bewirtschaftetes Grünland oder Ackerland. „Diese Prämie wird, wie politisch akkordiert, nur 25 Prozent davon ausmachen.“

Beide Punkte sind zentrale Themen bei der Umsetzung der EU-Agrarreform in Österreich. Dritter wichtiger Punkt in diesem Zusammenhang ist die Ausarbeitung der Maßnahmen im Bereich der Ländlichen Entwicklung. Dazu gehören die Umweltprogramme genauso wie die Ausgleichszahlungen für Bergbauern und die Investitionsförderung. „Die Arbeiten laufen auch Hochtouren“, sagt der Landwirtschaftsminister. Spätestens im März will er die konkreten Vorschläge präsentieren und sie dann in Brüssel zu Genehmigung vorlegen. Bei der Gestaltung dieser Programme gehe es auch darum, Härten, die sich durch die bis 2019 geplante Angleichung der Hektarprämien ergeben, abzufedern. „Die Bauern in Westösterreich und in den Extensivgebieten profitieren davon“, sagt er, „aber wir werden die Verlierer nicht alleinlassen“.

Wie mit dem Regierungsabkommen hält er es auch mit den jüngsten Sparvorgaben aus dem Finanzministerium, die in seinen beiden Ressorts Einsparungen in der Höhe von 45 Mill. Euro vorsehen. Zu mehr Details, als dass er zwei Sektionen in seinem Haus auflösen will, will er sich nicht äußern. „Aber es ist klar, dass wir alle den Gürtel enger schnallen müssen“, sagt er.

In der Alm-Causa hält er an seinem Ziel fest, die Probleme „bis zur Ausaperung im Frühjahr“ gelöst zu haben. „Nicht alle, aber den Großteil“, fügt er hinzu, „ich bin ja nicht der Wunderwuzzi“. Mit konkreten Schuldzuweisungen hält sich Rupprechter zurück. „Aber da hat ein jeder der Beteiligten seinen Beitrag geleistet“, sagt er. Es sei ja nicht zu erklären, dass bei der Vermessung verschiedene Behörden unterschiedliche Ansätze gewählt haben. Klarheit sollen die Almbauern jedenfalls im Jahr 2015 haben. „Dann wird es ein neues Modell geben“, kündigt der neue Minister an.

Salzburger Nachrichten - Wirtschaft, 14. Jänner 2014

Donnerstag, 9. Januar 2014

Schlammbad Europa



Einen ersten Vorgeschmack gibt es schon auf das, was da schon wieder, kaum erholt von den Nationalratswahlen und all den Ränken darum, auf uns zukommt. In den vergangenen Wochen versuchte man nach Kräften mit der Öffnung des Arbeitsmarktes für Bulgaren und Rumänen politische Stimmung zu machen. Ende Mai stehen ja die Europa-Wahlen an, und da will man sich nichts vergeben. Das Schlammbad ist angerichtet. Schon jetzt kann man sicher sein, dass auch diese Wahlen, wiewohl, offiziell von den Parteien als untergeordnet eingestuft, zu einer Schlammschlacht werden.

Innenpolitisch sind die Wahlen zum Europäischen Parlament die erste Prüfung für die neue große Koalition und damit Anlass für heftige Auseinandersetzungen. Viele Wählerinnen und Wähler werden wohl die Gelegenheit nutzen, zu zeigen, was sie von der Arbeit Faymanns und Spindeleggers und ihrem Koalitionspakt halten. Und es braucht keine hellseherischen Fähigkeiten um vorauszusagen, was wohl nicht wenige Wählerinnen und Wähler daran denken, die Mai-Wahlen zu nutzen, um den ausgefüllten Wahlzettel zu einem Denkzettel zu machen.

Auf europäischer Ebene bieten die Schuldenkrise, die Sorgen um den ohnehin wenig geliebten Euro und dem zögerlichen Vorankommen einer selbstständigen europäischen Politik, so man sie denn überhaupt für nötig hält, und zuweilen drollige bürokratische Vorschriften reichlich Angriffspunkte. Und dass mit Strasser und Ranner die Tätigkeit von zwei Europa-Politikern sogar gerichtsanhängig wurde, hob das Ansehen der europäischen Politik in Österreich auch nicht gerade.

Dass in Österreich die Zustimmung zum gemeinsamen Europa, zumal zu jenem in Form der Europäischen Union, ohnehin auf einer sehr fragilen Basis steht, tut wohl sein Übriges dazu, dass der Europa-Wahlkampf nicht eben erfreulich zu werden verspricht. Die Zustimmung zur EU geht seit Jahren zurück.

Europa steht nicht hoch im Kurs in diesen Land. Das Europa-Parlament und die Kommission werden als unpersönliche Bürokatie- und Abstimmungsmaschinen empfunden, die wenig mit der Realität des heimischen Alltags zu tun haben und die gemeinsame Ergebnisse allenfalls bei der Bemessung der Spülkästen in Toiletten vorweisen können, auf dem politischen Parkett aber denkbar schlechte Figur machen. Der Missmut ist nachvollziehbar. Die Bemühungen, das gemeinsame Europa voranzubringen, sind überschaubar und allzu oft erfolglos - in Österreich, in Brüssel und im Rest Europas auch.

Die europäische Integration kommt nur langsam voran. Dort wo gemeinsames Handeln und gemeinsame Politik notwendig und erwünscht sind, bleibt man schnell stecken. Je größer die Krise ist, desto stärker zeigen sich die Defizite. Ausgerechnet viele der Maßnahmen wie die Stärkung des Europäischen Parlaments, die mehr Demokratie und Transparenz bringen sollten, erwiesen sich oft als zu schwerfällig, um in der Krise zu reagieren.

Den handelnden Politikern blieb nichts anderes, als kurze Wege zu suchen, um die immer wieder aufdräuenden Katastrophen zu verhindern. Die ursprünglichen Absichten kehrten sich dadurch genau ins Gegenteil. Unter dem Druck der Zeit und der Fakten entscheiden heute viel zu oft ein paar wenige Politiker ohne viel demokratische Legitimation den Kurs Europas. Das zu ändern ist eine der wichtigen Aufgaben künftiger europäischer Politik. Und es ist nicht die einzige. Europa braucht wohl mehr Flexibilität um zu wachsen und sich zu festigen. Die Länder brauchen Freiräume, alleine, um auf Widerstände ihrer Bürger besser reagieren zu können.

Die Europäische Union muss sich bewegen und ihre Bürger zurückgewinnen. Vor allem gilt es, die Bürger in den alten EU-Ländern zurückzugewinnen. In den neuen Ländern von Polen bis Bulgarien, von Tschechien bis Lettland, ist das anders. Dort lebt Europa und die europäische Idee, dort ist die Stimmung so, wie man sie für ganz Europa wünschen würde. Und das nicht allein, weil Brüssel diese Länder mit viel Geld in die Gegenwart holte, sondern auch, weil man die Chancen sieht und spürt, die das gemeinsame Europa bieten kann.

In den alten EU-Ländern hingegen tut man das oft nicht mehr. Dass man dort auch vom Aufschwung der neuen Länder profitiert, gilt nicht viel. Auch nicht in Österreich, das vom Beitritt der neuen Länder profitierte wie kaum ein anderes Land.

Dabei kann Österreich darauf, genau betrachtet, nicht verzichten. Und auch nicht Europa.

Meine Meinung - Raiffeisenzeitung, 9. Jänner 2014

Donnerstag, 2. Januar 2014

Zwischen Weihrauch und Speed


 

Ein neuer Landwirtschaftsminister kam übers Land. Der Schwur auf das heilige Herz Jesu Christi, die forsche Ankündigung einzig vor dem Herrgott Angst zu haben, die nicht enden wollende Betonung des Tirolerischen und seiner Werte und die Interpretation des Wortes Schützenhilfe für die Bauern in dessen ureigenster Bedeutung - als Hilfe unter Beiziehung der Schützen.

Um Andrä Rupprechter, den neuen Landwirtschaftsminister gab es in den vergangenen Wochen kein Herumkommen. Ein Mann in allen Gassen und Schlagzeilen, ein Mann, der Staunen machte und verstörte, mitunter ein Mann zum Fremdschämen. Ein Minister wie auf Droge, einer zwischen Weihrauch und Speed. Zuweilen wie fremdgesteuert und abgehoben und von einem Selbstbewusstsein, das im vermeintlichen Streben nach Sympathie keine Plattheit ausließ und sei sie auch noch so peinlich - vom ungefragten Bekenntnis Rosenkranz zu beten und gerne in Kirchen Einkehr zu halten, bis zu einem koketten "Ich bin ein Grüner der ersten Stunde und war Aubesetzer". Selbst die Mutter zu verkaufen, hatte er keine Scheu: "Sie beichtete, weil sie Kreisky wählte", ließ er die Gazetten wissen.

Das Staunen wurde langsam zu Entsetzen. "Wahnsinn, ich habe die Nase derartig voll von Politikern wie Rupprechter. Hauptmerkmale nach Eigendefinition: katholisch, Tiroler", twitterte einer von denen, denen das schon nach ein paar Tagen zuviel wurde.

"Der Kdolsky der neuen Regierung", ätzten Kommentatoren. "Der Herz-Jesu-Schrittmacher", hieß es. Ratlosigkeit machte sich breit. "Warum macht der Mann das?", begann man selbst in Kreisen zu rätseln, die Rupprechter lange kennen.  Dort hatte man anderes von ihm erwartet. "Schwur hin oder her - Rupprechter ist als echter Fachmann mit langer EU-Erfahrung die beste Neuerung dieser Regierung", wurde da ebenfalls auf Twitter formuliert.

Das freilich muss Rupprechter erst beweisen. Die Aussagen zur Agrarpolitik und zum Regierungsprogramm waren bisher mager. Der Protestbrief an die ungarische Regierung wegen der drohenden Enteignung österreichischer Grundbesitzer, seine erste Amtshandlung im eigentlichen Sinn, steht eher im Geruch eine Gefälligkeit für eine kleine Lobby zu sein. Und dass die flugs einberufene Almen-Task-Force mehr ist als ein neuer Namen für die Soko-Alm, muss sich auch erst zeigen. 

Dass Rupprechter mehr und neues kann, zeigte allenfalls sein Plan, künftig den jeweiligen Vorsitzenden der Agrarlandesräte nach Brüssel mitzunehmen. Nicht umsonst machte er wohl in Brüssel eine staunenswerte Karriere. Er hat zweifelsfrei das Zeug zu einem guten Landwirtschaftsminister und ist für die neue Aufgabe bestens prädestiniert. Daher haben Österreichs Bauern ein Recht darauf, von seinem Können, seinem Wissen und seinen Beziehungen zu profitieren. Seine Gott- und Tirolgefälligkeit hingegen wird ihnen wenig weiterhelfen. Vor allem dann nicht, wenn sie, wie in den vergangenen Wochen, als nichts, denn als eitle Selbstgefälligkeit daherkommt.

Die haben dann nämlich nicht nur jene Leute im heimischen Agrar-Apparat zu fürchten, mit denen Rupprechter noch alte Rechnungen offen hat. Sie waren seinerzeit erleichtert, als der nicht überall beliebte Sektionschef das ihm zu eng gewordene Österreich in Richtung Brüssel verließ und sind nun alles andere als froh, dass er als mächtiger Landwirtschaftminister wiederkehrt. Zu fürchten hätten diese Selbstgefälligkeit wohl auch die Bauern und mit ihnen die österreichische Landwirtschaft, könnte sie doch im Handumdrehen die politische Durchsetzungskraft des Ministers torpedieren.

Gmeiner meint - Blick ins Land, 2. Jänner 2014

Die Landwirtschaft zwischen zwei Welten



 Bio hält sich für den einzigen Weg in die Agrarzukunft. Dabei ist in diesem Bereich nicht alles so golden, wie es glänzen soll. Und in der konventionellen Landwirtschaft ist nicht alles so schlecht wie oft dargestellt.

Hans Gmeiner Salzburg (SN). Die heimische Biolandwirtschaft tritt sehr selbstbewusst auf. „Leitbild für eine neue Agrarkultur kann nur eine biologische Landwirtschaft sein“, sagt Rudi Vierbauch, Obmann von Bio Austria, gern. Die allgemeinen Folgekosten seien geringer und bio sei in Bereichen wie Bodenerosion, Artenvielfalt oder Nachhaltigkeit der konventionellen Landwirtschaft überlegen. Dabei liegen die Fakten gar nicht so klar. Längst hat bio vielfach mit ähnlichen Problemen zu kämpfen wie die konventionelle Landwirtschaft. Umgekehrt ist diese, zumal in Österreich, bei Weitem nicht so schlecht und verantwortungslos, wie sie gern dargestellt wird.

„Biolandbau steht unter ökonomischem Druck und geht in eine ähnliche Richtung wie der konventionelle Landbau“, sagt Michael Groier von der Bundesanstalt für Bergbauernfragen. Der Co-Autor der Studie „Wie weit darf bio gehen?“ sorgt sich um die Zukunft des Biolandbaus. Er verfolgt mit Kopfschütteln, wie Handelsketten den Biobauern ihre Strategien aufdrücken und sie immer weiter von einstigen Idealen wegbringen. „Wenn die Entwicklung so weitergeht, wird das Profil bald völlig abgeschliffen sein und der Konsument kaum mehr höhere Preise für Bioprodukte zahlen wollen.“ Zu ähnlich seien sich Bio- und konventionelle Landwirtschaft bereits oft.

In der Grünlandwirtschaft etwa gebe es hinsichtlich Intensität und Schutz der Artenvielfalt nur mehr relativ geringe Unterschiede, sagt er. Längst gebe es auch Biomilcherzeuger, die auf einen Stalldurchschnitt von 9000 Kilogramm Milch pro Kuh und Jahr stolz sind, der selbst von konventionellen Milcherzeugern selten erreicht wird. Auch im Biogemüsebau werde sehr intensiv gearbeitet.

Wie bei den Biobauern nicht alles Gold ist, was gern glänzend dargestellt wird, ist umgekehrt im traditionellen Landbau nicht alles so schlecht, wie mitunter glauben gemacht wird. Viele Vorhaltungen lösen sich bei näherer Betrachtung in Luft auf. „Bei den Humusgehalten etwa liegt die konventionelle Landwirtschaft zu 90 Prozent im grünen Bereich“, sagt Experte Christian Krumphuber von der LK Oberösterreich. „Maßnahmen wie die Winterbegrünungen im Rahmen der Umweltprogramme haben in den vergangenen 20 Jahren die Humusgehalte tendenziell erhöht.“ Nicht gelten lässt er Vorwürfe, konventionelle Landwirtschaft begünstige die Bodenerosion. „Dass bio da besser dasteht, hat vor allem damit zu tun, dass es kaum Biomais und Biozuckerrüben gibt“. Keinen Zusammenhang sieht er zwischen Biolandbau und Wasserpufferkapazität von Böden, auch der Verbrauch von Düngemitteln sei klar gesunken. Die Risikodiskussion beim Thema Pflanzenschutz sei überzogen. „Da geht es nur um Emotionen.“ Wissenschaftlich seien die meisten Vorwürfe nicht haltbar, der konventionelle Landbau müsse sich nicht verstecken.

Selbst Rudi Vierbauch will den konventionellen Landbau nicht pauschal verurteilen. „Es gibt eine große Bandbreite, aber je intensiver er betrieben wird, desto größer sind die negativen Effekte.“ Martina Hörmer, bei Rewe zugleich für konventionelle Eigenmarken und die Biomarke ja!natürlich zuständig, sieht das pragmatisch. „Hinter bio steht die Grundidee eines Kreislaufs des Respekts, hinter konventioneller Landwirtschaft dagegen ein egozentrischer Ansatz, bei dem es um Verfügbarkeit, geringe Kosten und Wohlstand für möglichst viele geht.“ Aber auch da sei die Qualität sehr gut.

Entscheiden muss der Konsument. Der tut sich schwer – zumal, wenn wenig Geld im Börsel ist. Laut Untersuchung der steirischen Arbeiterkammer ist ein Biowarenkorb um gut 70 Prozent teurer als ein vergleichbarer mit konventionell erzeugten Produkten.

Salzburger Nachrichten - Wirtschaft, 2. Jänner 2014
 
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