
Wie findige Landwirte aus einem Geflügelbetrieb einen Marktführer bei Bioeiern und der Aufzucht von Biomastküken machten.
KREMSMÜNSTER. Bauern, die abseits von städtischen Einzugsgebieten und agrarischen Gunstlagen ihre Höfe bewirtschaften, sind oft besonders kreativ. Weitab der Märkte will man sich nicht auf Großabnehmer oder die Politik verlassen, sondern ergreift selbst die Initiative. Beispiele dafür gibt es im ganzen Land. Neben den großen Genossenschaften wie Molkereien oder Lagerhäusern, die schon vor Jahrzehnten entstanden, zeugen heute findige Direktvermarkter vom Unternehmergeist der Bauern.
Landwirte verbreitern ihre Produktpalette
Die Bandbreite der gelungenen Gründungen reicht von bäuerlichen Initiativen wie „Waldland“ im niederösterreichischen Waldviertel über Landwirte, die gemeinsam die besonders hochwertige A2-Milch erzeugen, bis zu den vielen Fernheizwerken, die abseits der Zentralräume eine nicht unbedeutende Rolle in der Energieversorgung spielen.
Zu den erfolgreichsten dieser Bauern-Unternehmen zählt die Eiermacher GmbH im oberösterreichischen Kremsmünster. Vor vierzig Jahren als Geflügel GmbH gegründet, gehört die Gesellschaft heute 34 Bauern aus dem Kremstal, erzielt einen Jahresumsatz von 113 Millionen Euro, der heuer auf 120 Millionen wachsen soll, und beschäftigt 190 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Starker Fokus auf Bioprodukte
Für rund 330 Bauern, die mittlerweile aus ganz Österreich zuliefern und mit Jungtieren beliefert werden, spielt man in der Produktion und Vermarktung eine wichtige Rolle. „Die Produktion von Eiern und Eierprodukten, Küken und Junghennen und von Geflügelfleisch von Hähnen und Enten sind unsere Unternehmenssäulen“, sagt Geschäftsführer und Landwirt Manfred Söllradl, der rund 30 Prozent der Geschäftsanteile hält.
Eiermacher ist heute in vielen Sparten des Geschäftes rund um Geflügel Marktführer. „Bei allem, was mit Bioei zu tun hat, halten wir einen Marktanteil von 50 Prozent“, sagt Söllradl. „Bei Biomastküken geht unser Marktanteil in Richtung 90 Prozent und auch bei Junghennen sind wir sehr stark.“
Jährlich werden nicht weniger als 190 Millionen Eier, die von 186 landwirtschaftlichen Betrieben geliefert werden, vermarktet. Rund zwei Drittel davon sind Eier aus biologischer Produktion. Hubers Landhendl und Wech, die beiden größten Geflügelmäster in Österreich, sind wichtige Partner. „Die Brüterei zählt zu den größten Europas“, sagt Söllradl.
Auch männliche Küken werden gemästet
Rund 60 Prozent des Umsatzes macht Eiermacher heute mit Bioprodukten. Das Unternehmen ist Packstelle und Lieferant der meisten Bioeier, die im Handel unter Marken wie Ja! Natürlich oder Tonis Freilandeier von den großen Handelsketten verkauft werden. „Biohaltung und Tierwohl sind uns seit jeher ein Anliegen“, sagt Söllradl. Das Unternehmen setzte vor zehn Jahren mit dem Projekt Bruderhahn neue Maßstäbe. Söllradl: „Das war damals einzigartig in Europa.“ Die männlichen Küken aus der Kükenproduktion werden seither, wie bis dahin üblich, nicht mehr sofort getötet, sondern gemästet wie die Masthühner auch.
Mit diesem Projekt fasste Eiermacher auch in der Fleischproduktion Fuß. In Nußbach bei Kirchdorf wurde ein Schlachthof gebaut. Von da war es zum nächsten Schritt, auf den Söllradl besonders stolz ist, nicht mehr weit. „Wir wollten die Ente in Österreich wieder heimisch machen.“ Der Erfolg blieb nicht aus. „Begonnen haben wir mit einem Eigenversorgungsanteil von vier Prozent in Österreich, heute liegen wir bei 25 Prozent.“
Zum Huhn gesellte sich die Ente
Die Fleischproduktion ist mittlerweile ein wichtiges Umsatzstandbein. Fertig-Burger und Sous-Vide-Produkte sind längst wichtige Sparten. „Der Markt wächst speziell im Bereich artgerechte Tierhaltung und Bio“, meint Söllradl. „Die Aussichten sind gut.“ Diesen Trend will man nutzen. „Wir wollen mit den Kunden mitwachsen.“ Die Verarbeitungskapazitäten sollen verdoppelt werden, dazu soll ein neues Tiefkühllager kommen.
Auch die Bauern kommen angesichts der Schwierigkeiten auf anderen Märkten auf den Geschmack. „Das Interesse, wieder im Geflügelbereich zu investieren, ist groß“, beobachtet Söllradl. „Es sind jetzt mehr Anfragen da, als wir aufnehmen können.“ Vor allem Ackerbauern zeigten Interesse. „Wir haben heuer schon Beratungsgespräche gehabt und es kommen wirklich einige dazu, die mit Hühnerhaltung anfangen.“
Salzburger Nachrichten - Wirtschaft, 20. September 2026
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