Mittwoch, 23. September 2026

Die Krise erreicht die Einkaufskörbe

Vor allem Familien mit mittlerem Einkommen sparen beim Lebensmitteleinkauf und setzen verstärkt auf Aktionsware.

WIEN. Die Teuerung, die unsichere wirtschaftliche Lage und die angespannte internationale Situation sind auch im Einkaufsverhalten der Österreicherinnen und Österreicher bei Lebensmitteln deutlich zu spüren. Es wird gespart. Vor allem Familien mit Kindern mit mittlerem Einkommen, größere Haushalte mit vier und mehr Personen und Haushalte, deren Haushaltsführer zwischen 40 und 50 Jahre alt sind, drehen beim Einkaufen jeden Euro zwei Mal um. Das geht aus einer Untersuchung des Meinungsforschungsinstitutes YouGov für die AMA-Marketing hervor.

„Vor allem in diesen Gruppen wird gezielt und mit Einkaufsliste eingekauft“, sagt Christina Mutenthaler-Sipek, die Chefin der AMA-Marketing. Es werde mehr darauf geachtet, was man kaufe, und es werde nur das Notwendige gekauft. Und es lande offenbar auch weniger Essen im Müll.

Das schlägt sich deutlich in den Zahlen nieder. Demnach kauften die genannten Gruppen in der ersten Hälfte dieses Jahres mengenmäßig um rund ein Sechstel weniger Lebensmittel ein als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Damit schränkte man sich deutlich mehr ein als andere Gruppen. Junge Familien ohne Kinder kauften nur um 5,7 Prozent weniger ein, Einpersonenhaushalte um 3,3 Prozent weniger. Familien mit älteren Personen ließen sich von Krisen und Teuerung weniger beeindrucken und kauften sogar um etwas mehr als ein Prozent mehr Lebensmittel ein als im Jahr zuvor.

Dazu passt, dass Preisaktionen noch nie so stark genutzt wurden wie in den ersten sechs Monaten dieses Jahres. „Mehr als jeder dritte Euro wird inzwischen für Aktionsware ausgegeben“, sagt Mutenthaler-Sipek. „Man kauft bewusst in Aktion, vergleicht die Preise und sucht auch für den täglichen Bedarf unterschiedliche Supermärkte auf.“ Bei Fleisch und Wurstwaren, wo der Aktionsanteil schon bisher mit Abstand am höchsten war, gab es den höchsten Zuwachs. In dieser Sparte stieg er von 41,0 auf 42,8 Prozent. Bei Milchprodukten liegt der Aktionsanteil bei fast 32 Prozent, bei Obst und Gemüse bei 30 Prozent und bei Eiern bei 26 Prozent.

Und dazu passt auch, dass der Anteil der meist billigeren Handelsmarken von 63,5 Prozent auf 66,1 Prozent zulegte und so viel wie noch nie bei Diskontern gekauft wurde. Laut RollAMA erreichten die Diskonter im ersten Halbjahr einen Umsatzanteil an den Gesamtausgaben für Lebensmittel von mehr als 30 Prozent. Die klassischen Supermärkte hingegen hätten verloren, heißt es.

Insgesamt ging der Verkauf von Lebensmitteln im ersten Halbjahr mengenmäßig um 4,6 Prozent zurück. Wertmäßig lag das Minus bei 3,2 Prozent, ein Zeichen dafür, dass der Preisdruck hoch war und die Lebensmittel nicht die Preistreiber sind, als die sie vielen immer noch gelten. In dieser eher tristen Statistik gab es aber einige kräftige Ausreißer nach oben. So wuchs der Absatz von grünem Salat um nicht weniger als 16 Prozent, der von Vollkornbrot um 14,2 Prozent und der von Joghurt und Skyr um 9,2 Prozent, gefolgt von Getreide, Samen und Getreideflocken, Kürbiskernöl und Knäckebrot. „Während die einen sparen, wuchsen die teureren Segmente stark an“, sagt Mutenthaler-Sipek den SN. Das gilt für AMA-Gütesiegel-Ware genauso wie für Bioprodukte oder bäuerliche Direktvermarkter. Der Bio-Anteil an Lebensmitteln im RollAMA-Warenkorb, der nur einen Teil des Gesamtangebotes umfasst, erreichte mit 12,6 Prozent einen neuen Rekordwert. Einen Anstieg von 0,7 Prozentpunkten gab es zwar schon lange nicht mehr, dennoch gelingt der Biosparte trotz aller Werbung und obwohl man die öffentliche Meinung, was die Produktionsweise angeht, hinter sich zu haben glaubt, kein wirklicher Sprung nach vorn.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge schauen hingegen die heimischen Fleischerzeuger und die Fleischwirtschaft auf die jüngsten Ergebnisse der RollAMA. Freuen darf sich vor allem die Geflügelwirtschaft. Der Anteil Hühnerfleisch am gesamten Fleischverkauf legte um zwei Prozent auf 32 Prozent zu. Schweinefleisch legte ebenfalls zu (von 25,8 auf 26,3 Prozent). Der Anteil Rind- und Kalbfleisch hingegen sank wohl auch wegen der hohen Preise von 11,4 auf 10,7 Prozent.

Salzburger Nachrichten - Wirtschaft, 23. September 2026

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