Montag, 13. Dezember 2021

Bauern stöhnen unter Explosion der Kosten

Stark gestiegene Preise für Futtermittel, Dünger, Energie und Baustoffe werfen die Kalkulationen der Bauern durcheinander.

Hans Gmeiner 

Salzburg. Österreichs Ackerbauern stecken in diesen Wochen in einem Dilemma. In den vergangenen Jahren kauften sie im Herbst in der Regel den Mineraldünger für das folgende Jahr. Heuer ist alles anders. Dünger ist derzeit vier Mal so teuer wie vor einem Jahr und die Bauern wissen nicht, was sie tun sollen. Trotzdem kaufen oder zuwarten? Das Risiko ist groß. Denn davon, dass derzeit die Preise für Feldfrüchte wie Getreide und Mais auf Rekordniveau notieren, haben sie nichts, und es macht ihnen die Entscheidung nicht leichter. „Es kann passieren, dass man die hohen Düngerkosten hat und die Getreidepreise im Sommer wieder zurückgehen“, sagt Helmut Feitzlmayr von der Landwirtschaftskammer Oberösterreich. „Dann würde man massive Verluste haben.“

Auf dem Düngermarkt herrscht derzeit Chaos. Wegen der hohen Erdgaspreise haben viele Düngemittelhersteller rund um den Globus die Produktion zurückgefahren. Auch der Agrarhandel hält sich bei Einkäufen zurück, um im Frühjahr nicht auf dem falschen Dampfer zu sitzen. „Derzeit hat der heimische Handel nur 40 Prozent der Menge eingelagert, die wir im Frühjahr brauchen“, sagt Feitzlmayr. „Normalerweise sind es um diese Zeit immer 80 Prozent gewesen.“ Er sieht sogar die Gefahr, dass es zur Frühjahrssaison zu wenig Dünger geben könnte, um die benötigten Mengen zu erzeugen. Bei den Bauern jedenfalls lautet derzeit die Devise: Sparen, wo es geht. Das werde Folgen haben, heißt es in Fachkreisen. „Wenn die Düngerpreise so bleiben, wird es im kommenden Jahr bei den Erntemengen einen Rumpler nach unten geben.“

Sorgen, nicht die notwendigen Mengen erzeugen zu können, macht man sich nicht allein im Ackerbau. Viele Schweinebauern verkauften in den vergangenen Monaten lieber das Getreide um gutes Geld, als es zu verfüttern, weil mit Schweinen seit Monaten nichts zu verdienen ist. „Wir haben derzeit das drittschlechteste Preisniveau seit zehn Jahren, gleichzeitig müssen die Bauern mit 20 bis 30 Prozent höheren Preisen für Betriebsmittel zurechtkommen“, sagt Hans Schlederer von der Schweinebörse. „Das zusammen sorgt dafür, dass wir derzeit eine der schlimmsten Phasen seit dem EU-Betritt durchmachen, da wird richtig viel Geld verloren.“ Für viele Bauern geht es ans Eingemachte. Schlederer: „Wir hoffen, dass wir die Erzeuger bei Laune halten können, damit die Eigenversorgung mit Schweinefleisch in Österreich gehalten werden kann.“

Auch in anderen Produktionssparten kämpfen Bauern mit den großen Kostensprüngen. Nach Berechnungen der Landwirtschaftskammer in Oberösterreich haben sich allein durch höhere Futtermittelpreise die Produktionskosten für einen Liter Milch für Bauern, die Futter zukaufen müssen, um mindestens zwei Cent erhöht. „Das macht pro Kuh und Jahr rund 130 Euro, bei einem 40-Kühe-Betrieb macht das jährlich gut 5000 Euro“, rechnet man vor. Auch in der Geflügelmast gibt es Probleme und in der Haltung von Legehennen machen die Mehrkosten für das Futter rund drei Cent je Ei aus.

Es geht aber nicht nur um die stark gestiegenen Futterkosten. Hohe Strom- und Treibstoffpreise machen die Kalkulationen der Bauern zusätzlich enger. Und auch Investitionen müssen neu durchgerechnet werden. Die Covid-Investitionsprämie, die von den Bauern so stark genutzt wurde wie von keiner anderen Berufsgruppe, wurde in vielen Fällen von Preissteigerungen sowohl bei Maschinen als auch beim Baumaterial aufgefressen.

„Die Kosten pro Stallplatz bei Milchkühen haben sich von rund 10.000 auf 15.000 Euro erhöht“, heißt es in der „Bauernzeitung“. „Investitionen in Neubauten sind aufgrund der massiven Preissteigerungen bei Holz, Stahl und Beton kaum noch finanzierbar“, beklagt man im ÖVP-Bauernbund. „Die Auswirkungen sind in den Betriebszweigen unterschiedlich stark ausgeprägt“, sagt Franz Sinabell vom Wirtschaftsforschungsinstitut. Für ihn ist aber jetzt schon klar: „Dort, wo man Preise nicht weitergeben kann, wird es wohl eng werden.“

Salzburger Nachrichten - Wirtschaft, 13. Dezember 2021

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