Donnerstag, 3. November 2022

Vier Pfoten, das FiBL und die Boku – mehr brauchen die Bauern nicht

 

Es war wieder eine dieser Studien, die Schlagzeilen machen, und die vor allem in der Landwirtschaft verunsichern und ärgern. Diesmal waren es die Tierschutzorganisation Vier Pfoten, die mit den Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) und das Zentrum für Globalen Wandel und Nachhaltigkeit der Universität für Bodenkultur, die gemeinsame Sache machten. „Pflanzliche Ernährung könnte den Weg zu den Klimazielen ebnen“ lautete der Titel der APA-Meldung noch vergleichsweise harmlos. Da wärmt man sich auf mit Sätzen wie „Je weniger Fleisch, desto besser für Tier, Umwelt und letztendlich auch den Menschen“, um dann zum Kern zu kommen. Zitat der Vier-Pfoten-Kampagneleiterin aus der Aussendung: Das Studienergebnis zeige, "dass bei einem geringeren Fleischkonsum nicht nur entsprechend mehr Platz und damit mehr Lebensqualität für die verbleibenden Tiere vorhanden wäre, sie könnten auch alle auf der Weide leben“. Man spreche von rund 140.000 Hektar, die im Fall einer Fleischreduktion um zwei Drittel frei würden und von rund 637.000 Hektar bei einer vegetarischen Ernährung. „Bei veganer Ernährung, bei der keine Nutztiere zur Produktion von Lebensmitteln nötig wären, beträgt die zusätzliche zur Verfügung stehende Fläche sogar fast 1.780.000 Hektar". Etwa für Renaturierung, für das Anlegen von Mooren zur CO2-Speicherung oder Bio.

Wie bei vielen dieser Machwerke geht es nicht um die Weiterentwicklung der Landwirtschaft und darum, wie sie ihre Aufgaben, zumal als unter den aktuellen Herausforderungen wie Versorgungs- und Klimakrise, erfüllen kann, und schon gar nicht um die Bauern, sondern einfach darum, der Landwirtschaft den Stecker zu ziehen.

Warum, fragt man sich, macht da die Universität für Bodenkultur mit? Und warum das FiBL? Warum lassen sich die beiden Einrichtungen mit solchen Auftragsstudien vor den Karren einer NGO spannen, der es ganz offensichtlich kaum ernsthaft um eine Sache, sondern um maximale Verunsicherung geht. Ist das niemandem von den Verantwortlichen dort peinlich?

Man mag ja über diese Zahlen diskutieren, aber mit der Realität und ihren Anforderungen auch mit der Sache, für die sie vorgeben sich einzusetzen, haben sie nichts zu tun. Und nichts zu tun haben Studien wie diese vor allem auch mit den Menschen, ihren Bedürfnissen, ihren Vorstellungen und ihren Nöten. Nicht mit denen der Menschen außerhalb der Landwirtschaft, die essen wollen was ihnen schmeckt, und das halbwegs günstig, und die nicht bevormundet werden wollen. Und schon gar nichts zu tun hat es mit Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten und davon leben müssen und wollen.

Warum gehen Studien wie diese völlig an den Menschen vorbei? Warum werden nie die wirtschaftlichen Folgen beleuchtet und die Folgen für den Arbeitsmarkt, für die Landschaftserhaltung und Naturpflege oder für die Preise für Lebensmittel? 

Warum lässt man sich immer an den Bauern aus? Es ist nicht nachzuvollziehen. Dabei gäbe es, wenn es schon ums Klima gehen soll, ganze Bereiche, um die man sich sehr viel dringlicher kümmern sollte.

Gmeiner meint - Blick ins Land, 3. November 2022


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